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Amazon zahlt

Partyluder Alexa hatte doch Hilfe

Eine Party mit lautstarker Musik, genervte Nachbarn und dann die Polizei in der Wohnung: In Deutschland wohl allabendlich. Dass die Party allerdings ohne Feiernde stattfindet, ist dann doch ungewöhnlich. Bundesweit war Amazons Alexa in den Medien, weil sie sich von selbst einschaltete. Jetzt ist klar, wie es dazu kommen konnte.

Pinneberg. Der Fall hat bundesweit Furore gemacht: Obwohl sie mutterseelenallein war, drehte die Amazon-Musikkonsole Alexa mal so richtig auf und nervte tief in die Nacht die Nachbarn mit dröhnend lauter Musik. Schließlich ließ die Polizei vom Schlüsseldienst die Wohnung öffnen und kappte dem Gerät die Stromzufuhr. Für Besitzer Oliver Ollzen Haberstroh aus Pinneberg, der Alexa vor Kurzem bei Amazon bestellt hatte, war das Ungemach groß: Nicht nur musste er seine aufgebrachten Nachbarn beruhigen, sondern als Verursacher der Ruhestörung auch den Einsatz des Schlüsseldienstes bezahlen. Und das, obwohl er zum „Tatzeitpunkt“ viele Kilometer entfernt auf der Reeperbahn feierte, also ein wasserdichtes Alibi hat.

Inzwischen jedoch steht fest: So ganz ohne Hilfe hat Alexa ihre einsame Party dann doch nicht gefeiert. Wie Amazon mitteilt, hat die App eines Musikstreamingdienstes die Alexa-Software in Gang geworfen, auf maximale Lautstärke gestellt und dann die Playlist von Haberstroh abgespielt. Um welche App es sich handelt, wurde aber auch auf erneute Nachfrage nicht verraten. Nicht auszuschließen also, dass auch andernorts eine Alexa plötzlich scheinbar selbsttätig anspringt, weil dieselbe App denselben Effekt auslöst.

Seinen eigenen Kundendienst hat Amazon offenbar auch noch nicht mit den nötigen Informationen aufgerüstet. Ein Testanruf mit der Frage, worauf man als künftiger Alexa-Besitzer achten müsste, um nicht in die Musik-App-Falle zu tappen, wird zunächst mit der putzigen Gegenfrage beantwortet: „Wer ist jetzt Alexa? Der andere Anbieter?“ Nachdem das geklärt ist, gibt der ebenso hilfsbereite wie hilflose Mitarbeiter zu, dass er den Fall Pinneberg nicht kennt, geschweige denn weiß, wie so etwas verhindert werden kann. Er wolle aber gern seinen Vorgesetzten fragen, vielleicht wisse der Rat.

Die Antwort steht noch aus, eine andere Antwort hingegen hat Amazon bereits gegeben: Alexa-Opfer Haberstroh wird nicht auf den Kosten der wilden Party-Nacht sitzen bleiben. „Obwohl der Alexa-Cloud-Service einwandfrei funktionierte, übernimmt Amazon die Regulierung der Kosten für den Vorfall“, hieß es.

Von Stefanie Gollasch/Florian Sötje/RND


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