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Medien Kalkofe und das Fernseh-Grauen
Nachrichten Medien Kalkofe und das Fernseh-Grauen
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17:34 17.12.2008
Hart, aber herzlich: Oliver Kalkofe

 Torsten Landsberg sprach mit dem 43-Jährigen in Berlin über das Weihnachtsprogramm, Tops und Flops des TV-Jahres 2008.  

Herr Kalkofe, sehen Sie Weihnachten fern?

Ich bin ganz klassisch bei meinem Vater und der Familie, mit großer Bescherung, da wird nicht ferngesehen. Was läuft denn?  

Erstmals seit Jahren kein „Stirb langsam“. 

Das ist sehr schade, denn „Stirb langsam 1“ ist mein ultimativer Weihnachtsfilm. Wenn Bruce Willis am Ende seine Frau in den Arm nimmt, das Hochhaus brennt, das Papier runter rieselt und im Hintergrund läuft „Let it snow“, da geht für mich das Herz auf.  

Heiligabend laufen „Titanic“, der Antikriegsfilm „Merry Christmas“ und „Weihnachten mit Marianne und Michael“.  

 „Weihnachten mit Marianne und Michael“, das ist der einzige Rest Beständigkeit, den wir noch im Leben haben. Dinge, die sich über Jahrzehnte nicht verändern, obwohl sie schon immer furchtbar waren. 

Was fehlt dem Weihnachtsprogramm in Deutschland?  

In England und Amerika ist Weihnachten im fiktionalen Bereich ein wichtiges Thema. Jede Serie hat ihre Weihnachtsfolgen oder Specials. Das ist einfach schön, es ist die eigene Kultur. Hier wird nur geguckt, was sich aus der Weihnachtsgrabbelkiste ziehen lässt.  

Die Weihnachtsfolgen der US-Formate laufen bei uns im Sommer. 

Weil leider in den Sendern keine Leute sitzen, die richtig Spaß an ihrer Arbeit haben oder wissen, was sie da machen.  

Wie hat Ihnen denn das TV-Jahr 2008 gefallen?  

Es war überraschend langweilig, ohne herausragende Highlights, vor allem ohne positive. Es gab banale Neuauflagen und ganz gruselige Sachen wie Uri Gellers UFO-Show oder „Das Musikhotel am Wolfgangsee“. Das waren die zwei schlimmsten Formate des Jahres.  

Mit „Die Anwälte“ oder „Dr. Molly & Karl“ sind wieder deutsche Serien gefloppt.  

Das Hauptproblem bei allen deutschen Serien ist, dass sie Kopien aus dem Ausland sind. Man kann zu jeder Serie den Untertitel machen: Das ist so wie... Wir machen als Arzt keinen zynischen, krüppeligen Mann, sondern nehmen mal eine dicke Frau, uh, sind wir innovativ. So ein Quatsch! Das kann nicht funktionieren.  

Woran liegt das?  

Hier gibt sich keiner so viel Mühe. Und das deutsche Fernsehen hat sein Publikum in den vergangenen Jahren einfach so sehr unterfordert, dass es jetzt mit anderen Sachen Schwierigkeiten hat.  

Also hatte Reich-Ranicki recht?  

Im Grunde hat er recht, nur: Die Vision, die er hat, vor der habe ich ja erst recht Angst. Ich bin mit dem öffentlich-rechtlichen Bildungsfernsehen der 70er aufgewachsen, und das war grauenhaft. Es geht eher darum, dass es Vielfalt und eine Unterhaltung gibt, die nicht nur für Idioten gemacht ist.  

Wären sie bei anspruchsvollem TV-Programm nicht arbeitslos?  

Werde ich nie sein, es wird immer schlechte Programme geben. Es müssen aber nicht so viele sein. Bei der letzten „Mattscheibe“-Staffel war es schon schwer, etwas Unverwechselbares zu zeigen. Die meisten Sachen sind so uninteressant und so egal, dass es sich nicht mal mehr lohnt, sich darüber aufzuregen. 

Ist es manchmal hart, beruflich fernsehen zu müssen?  

Ja! Das ist richtig harte Arbeit und nicht nur Spaß. In der Vorbereitung einer Staffel sichte ich jeden Tag acht bis zehn Stunden DVDs. Am Anfang ist es noch lustig, aber dann hört es auf.  

Sie gehen ab Januar auf Tour. Wie sieht Ihr Bühnenprogramm aus?  

Klassisches Standup, „Mattscheiben“-Highlights auf der Leinwand und live, wie früher im Radio, sowie Onkel Hotte aus dem „Frühstyxradio“. Fernsehen ist dabei der rote Faden. Wenn man hauptsächlich Fernsehen macht, ist das ziemlich einsam. Deshalb ist es schön, zwischendurch eine Tour zu haben und zu sehen, wie die Leute reagieren. Wenn die Stimmung gut ist, ist das ein richtiges Geschenk. 

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