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Medien "Jamaika-Aus" ist das Wort des Jahres 2017
Nachrichten Medien "Jamaika-Aus" ist das Wort des Jahres 2017
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13:23 08.12.2017

Er steht für das Scheitern der Bemühungen um die Bildung einer gemeinsamen Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen im Bund. Auf den zweiten Platz wählte die Jury um den an der Uni Hannover tätigen Germanistik-Professor Schlobinski "Ehe für alle". Den dritten Platz belegte der Hashtag "#MeToo", der die weltweite Kampagne gegen sexuelle Übergriffe prägte.

Nach Angaben des Sprachforschers fiel die Entscheidung für "Jamaika-Aus" nicht einstimmig, aber mit einer deutlichen Mehrheit der insgesamt neun Juroren. Das Wort greife nicht nur die besonderen Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung nach der Bundestagswahl im September auf. Der substantivierte Zusatz "Aus" markiere mit dem Scheitern der Bemühungen um eine Jamaika-Koalition zugleich ein Ende wie auch einen Anfang, etwa mit dem Eingreifen des Bundespräsidenten, den Bemühungen um eine große Koalition oder eine mögliche Minderheitsregierung sowie ebenfalls noch immer denkbaren Neuwahlen.

Schlobinski wies darauf hin, dass es bei der Auswahl der Wörter des Jahres nicht auf die Häufigkeit von deren Verwendung im Sprachgebrauch geht, sondern es maßgeblich die Entwicklung in einem Jahr geprägt haben soll. Gleichwohl sei "Jamaika-Aus" bei den rund 500 aus der Bevölkerung eingesandten Vorschlägen für das Wort des Jahres auch sehr oft vertreten gewesen. Insgesamt hätten der Jury 2.000 Vorschläge vorgelegen, von denen die meisten von eigenen wissenschaftlichen Mitarbeitern oder von Sprachforschern kamen.

Interessant an "Jamaika-Aus" nannte der Germanistik-Professor zwei weitere Phänomene. Zum einen werde der Name der Karibikinsel, die mit den Farben ihrer Nationalflagge für die beteiligten Parteien steht, mal wie im Englischen "dsch" ausgesprochen werde, mal mit "J" wie in Jahr. Zum anderen hätten sich schon Assoziationen wie "Jamaika-Töter" oder "lindnern" in Anlehnung an den Auszug von FDP-Chef Christian Lindner aus den Berliner Verhandlungen gebildet. Auf jeden Fall bringe "Jamaika-Aus" den komplexen Sachverhalt Abbruch der Sondierungsgespräche für eine schwarz-gelb-grüne Koalition prägnant zum Ausdruck.

Mit "Ehe für alle" wird auch der zweite Platz der Wörter des Jahres von einem politischen Begriff belegt. Er wird mit der am 1. Oktober in Kraft getretenen Öffnung der Ehe für Homosexuelle verbunden. Mit "#MeToo" auf Rang drei schaffte es erstmals ein Hashtag unter die ersten Plätze. Mit der Verwendung dieses Schlagworts prangern Millionen von Frauen weltweit sexuelle Übergriffe an. Auf Platz 4 kam der kryptische Begriff "covfefe", der von dem twitterfreudigen US-Präsidenten Donald Trump verwendet wurde und vermutlich nur ein Vertipper war, ihm aber viel Hohn und Spott eingebracht habe. Rang fünf belegt der Ausdruck "Echokammer", der ähnlich wie Filterblase oder Informationskokon die Verwendung von Algorithmen in Netzwerken charakterisiert.

Auf die hinteren Plätze bei den Wörtern des Jahres schafften es: "Obergrenze" auf Platz sechs, womit die CSU monatelang die asylpolitische Debatte prägte; "Diesel-Gipfel" auf Platz sieben für die Bemühungen, Fahrverbote abzuwenden; "Videobeweis" auf Platz acht für die Möglichkeit der Korrektur von Schiedsrichterentscheidungen im Fußball; die vom AfD-Politiker Björn Höcke verwendete Bezeichnung "Denkmal der Schande" als Beispiel für rechtspopulistischen Sprachgebrauch auf Platz neun; und schließlich "hyggelig" als Lehnwort aus dem Dänischen für gemütlich, angenehm oder nett auf Platz zehn.

Das erste Wort des Jahres war übrigens 1977 "Szene", und das im vergangenen Jahr lautete "postfaktisch". Die in Deutschland "erfundene" Wahl der Wörter des Jahres hat inzwischen unter anderem auch in der Schweiz, in Österreich und Polen Schule gemacht.

epd

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