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Eigentlich war ja Alleinsein geplant: Der frischgebackene Insulaner Harry (Wolfgang Stumph) kann über Susan (Katrin Sass) oft nur staunen.

Eigentlich war ja Alleinsein geplant: Der frischgebackene Insulaner Harry (Wolfgang Stumph) kann über Susan (Katrin Sass) oft nur staunen.
© Foto: ARD

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„Harrys Insel“ – Einsamkeit zu zweit ist schwierig

Wofgang Stumph hat sich ein kanadisches Eiland gekauft. Als er anreist, ist Katrin Sass schon vor Ort – wehrhaft mit einer Flinte. Die Tragikomödie „Harrys Insel“ (Freitag, 1. Dezember, 20.15 Uhr, ARD) braucht eine Weile, bis sie in Fahrt kommt. Ein Schwarzbär hilft den Insulanern dabei.

Hannover. Endlich ist Harry am Ziel seiner Wünsche: eine winzige Insel vor der Küste Kanadas, die allein ihm gehört; hier will der Witwer in aller Abgeschiedenheit seinen Lebensabend genießen. Das jähe Erwachen folgt, als er feststellen muss, dass schon jemand vor ihm da war: Die kratzbürstige Susan hat nicht nur keine Lust, das Eiland mit ihm zu teilen, sondern auch die besseren Argumente; und das nicht nur wegen des Gewehrs, mit dem sie Harry zurück aufs Festland scheuchen will.

Sass als Flintenweib ohne Zwischentöne

Das ist ein durchaus origineller Ausgangspunkt für eine Komödie, keine Frage. Dummerweise ist es im Grunde auch schon die ganze Geschichte, weshalb sich „Harrys Insel“ erst mal eine ganze Weile lang im Kreis dreht: Harry will in die Hütte, Susan lässt ihn nicht. Katrin Sass, ohnehin auf herbe Typen festgelegt, verkörpert dieses Flintenweib wie eine Figur aus einem krachledernen Bühnenstück, bei dem das Publikum keinen Wert auf Zwischentöne legt.

Wolfgang Stumph hat die deutlich differenziertere Rolle, denn Harry fällt aus allen Wolken, als ihm klar wird, dass ihm sein vor einigen Jahren rechtmäßig erworbenes Eiland in der Tat nicht mehr gehört. Außerdem ist er ein Mann mit Vergangenheit: Sein letzter Wohnort war ein Gefängnis.

Die beiden Inselbewohner hüten Geheimnisse

Das Drehbuch (Scarlett Kleint und Alfred Roesler-Kleint) macht es mit dem Grund für die Haft ein bisschen spannend, und auch Susan hütet ein Geheimnis. Beider Vorgeschichten sind die Voraussetzungen dafür, dass aus der Feindschaft schließlich Freundschaft wird. Bis es soweit ist, geht dem Film jedoch ein wenig die Handlung aus; aufregendstes Ereignis ist das Auftauchen eines Schwarzbären, der sich aber als komplett harmlos entpuppt.

In Fahrt kommt die Tragikomödie erst, als die beiden Hauptfiguren Vertrauen zueinander fassen und Harry erzählt, warum er hinter Gittern war: Er hatte seiner todkranken Frau Sterbehilfe geleistet. Das ist die erste wirklich ernstzunehmende Szene des Films. Susan wiederum, die ihre Schmerzattacken zunächst mit Rheuma und Arthritis erklärt, ist aus einem Pflegeheim abgehauen, weil sie keine Lust hatte, dort tatenlos auf den Tod zu warten.

Eine Befreiungsaktion mit Drive und Witz

Als ihr Sohn (Philipp Rafferty) dafür sorgt, dass sie wieder zurück muss – die Einrichtung heißt sinnigerweise „Heaven’s Gate“ (Himmelstor) –, schmiedet Harry gemeinsam mit Susans Enkelin Jenny einen riskanten Plan. Die entsprechende Befreiungsaktion hat dann Drive und Witz, zumal sich die junge Cosima Henman in der Rolle der frechen Enkeltochter als ebenbürtige Partnerin für Stumph erweist. Der hat schon in „Blindgänger“ (2014) gezeigt, wie gut er mit jungen Kolleginnen zusammenarbeiten kann.

Regie führte Anna Justice, die durch das Drama „Max Minsky und ich“ (2007) bekannt wurde, ihr Talent mit dem Weihnachtszweiteiler „Pinocchio“ (2013) allerdings nicht bestätigen konnte. Umso besser war 2015 der Kraftwerks-Thriller „Tag der Wahrheit“. „Harrys Insel“ dagegen bleibt eher wegen der prachtvollen Landschaftsbilder (Kamera: Adrian Cranage) in Erinnerung. Auch die Musik (Felix Raffel) ist sehr schön. Nur das erste Drittel des Films, als selbst die beiden alten Hasen Stumph und Sass nicht kaschieren können, dass die Geschichte auf der Stelle tritt, ist enttäuschend. Am originellsten ist noch die Idee, dass Susan den Eindringling wegen seines für kanadische Zungen schwierigen Namens (Stockowski) bloß Trotzki nennt, was vor allem deshalb witzig ist, weil sie selbst sich wie Stalin aufführt.

Von Tilmann P. Gangloff/RND


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