Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien Hacker warnen vor Gefahren der Digitalisierung
Nachrichten Medien Hacker warnen vor Gefahren der Digitalisierung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:30 27.12.2017
Vom 27. bis 30. Dezember 2017 findet in Leipzig der Kongress des Chaos Computer Clubs statt. Quelle: dpa-Zentralbild
Anzeige
Leipzig

Unter dem Motto „Tu wat“ lädt der Chaos Computer Club von Mittwoch an zu seinem Jahreskongress in Leipzig. Bei der Veranstaltung stehen brisante Themen auf dem Programm - von Sicherheitslücken und Hackerangriffen bis zum Datenschutz und künstlicher Intelligenz. Auf dem viertägigen Kongress (27. bis 30. Dezember) in der Neuen Messe warnen die Hacker und Aktivisten vor kritischen Entwicklungen in der Informationstechnik und in der immer vernetzteren Gesellschaft.

Dazu gehören inzwischen auch die Stromtankstellen der Elektro-Autos. Ein Mitarbeiter des Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern hat den bisher üblichen Zugang zu den Ladestationen untersucht und Schwächen in der Sicherheit festgestellt. „Die dafür verwendeten NFC-Karten haben weder eine Signatur noch eine digitale Unterschrift gespeichert“, erklärt Mathias Dalheimer. Ausgelesen werde nur die schlichte Seriennummer der mit einer Funktechnik arbeitenden NFC-Karte (Near Field Communication), was sich leicht manipulieren lasse. Auf dem Kongress will Dalheimer weitere Sicherheitsprobleme vorstellen.#

15.000 Teilnehmer - 34c3 nimmt ganze Messe ein

Der 34. Chaos Communication Congress (34c3) ist erneut gewachsen und längst ausverkauft. Um die 15.000 Teilnehmer werden in der Leipziger Messe erwartet, wo die Hacker nach fünf Jahren im Congress Centrum Hamburg einen neuen Austragungsort gefunden haben. Das Gebäude in der Hansestadt wird saniert, zudem waren die Hacker dort mit 12 000 Teilnehmern im vergangenen Jahr an die Kapazitätsgrenze gekommen. „Wir freuen uns über den Zulauf und die Begeisterung, mit der die Menschen zu uns kommen“, sagt CCC-Sprecher Linus Neumann.

Nicht untätig bleiben: „Tu wat!“

Mit dem Motto „Tu wat“ wollen die Veranstalter an den Gründungsaufruf des Clubs von 1981 erinnern - und „der aktuell ist wie eh und je“. Auch heute wolle man angesichts der massiven Veränderungen durch die Vernetzung nicht untätig daneben stehen, „deshalb sagen wir auch nach mehr als 30 Jahren: tu wat“, erklärt Neumann.

So stellen die Hacker auch 2017 wieder Schwachstellen der digitalen Gesellschaft auf den Prüfstand, etwa beim Online-Banking oder im Internet der Dinge, also der zunehmenden Vernetzung des Haushalts. In den vergangenen Jahren ging es unter anderem um Buchungssysteme bei Flugreisen oder die Steuerungssoftware bei Dieselmotoren.

In vielen Vorträgen und Workshops stehen die innersten Details von Halbleitern oder Zeilen im Softwarecode im Mittelpunkt. Inzwischen nehmen aber politische und gesellschaftliche Debatten einen immer größeren Platz im Programm ein. Die Teilnehmer beschäftigen sich mit der digitalen Bildung in Schulen und der künstlichen Intelligenz. Auf dem Programm stehen Phänomene wie Fake News, Bots und Filterblasen. „Eigentlich könnten wir ja im Internet alle näher zusammenrücken, in der Realität hat das Netz aber eher die Wirkung, dass es uns in kleine Gruppen aufspaltet und auseinandertreibt“, sagt Neumann.

Als besonderer Gast wird Szene-Star Hans-Christian Ströbele erwartet. Der streitbare Grünen-Politiker und ehemalige Bundestagsabgeordnete wird auf seine Arbeit im Untersuchungsausschuss zum Abhörskandal des US-Geheimdiensts NSA zurückblicken.

Kreativer Umgang mit Technologie statt krimineller Attacken

Mit kriminellen Attacken auf Computersysteme, an die bei Hackern oft zuerst gedacht wird, haben die Besucher des Kongresses nichts zu tun. „Ja, ich bin Hacker“, sagt der Fraunhofer-Experte Dalheimer. „Aber dabei geht es im positiven Sinne um den kreativen Umgang mit Technologie.“

Dieser aber wird erschwert, wenn Computer nur noch als abgeschottete Systeme hergestellt werden, die sich weder öffnen noch im doppelten Sinne begreifen lassen. „Der Computer ist kein Computer mehr, sondern eher ein Konsumgerät wie ein Fernseher“, klagt der Berliner Lukas Hartmann. Zusammen mit der Designerin Ana Dantas treibt er das Projekt des Notebooks „MNT Reform“ voran, als Teil einer Gegenbewegung der „Open Hardware“ analog zur Open Software. Dieser Computer - natürlich mit dem freien Betriebssystem Linux - soll zu einem Preis von 500 bis 700 Euro alle Möglichkeiten für Veränderungen und Tüfteleien bieten und den Computer wieder zu einer universell programmierbaren Maschine machen.

Solche Initiativen für ein vollständig offenes Hardware-Design verstehen sich auch als Beitrag gegen die vorherrschende Wegwerfkultur - mit dem einfachen Öffnen von Geräten erhöht sich die Chance für unkomplizierte Reparaturen. „Offenheit und Nachvollziehbarkeit sind zudem die Grundvoraussetzung, um Technik sicher zu gestalten“, sagt CCC-Sprecher Neumann. „Dann lässt sich auch die unselige Idee des geistigen Eigentums aus der Hardware- und Software-Entwicklung herauskratzen.“

Von RND/LVZ

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Hunderttausende neue Smartphones sind nach dem Weihnachtsfest in Kinderhänden. Der Markt für Spiele-Apps boomt. Viele davon finanzieren sich mit Werbung – die auf junge Seelen keine Rücksicht nimmt. Wer kontrolliert eigentlich, was Kinder und Jugendliche dort sehen?

27.12.2017

Ein Historienschinken in zwei Teilen: In „Die Puppenspieler“ (Mittwoch, 27. 12. und Freitag, 29. 12., jeweils 20.15 Uhr, ARD) führt Rainer Kaufmann ein junges Liebespaar, einen religiösen Eiferer und einen teuflischen Kirchenfürsten zusammen. Opulentes Ausstattungsfernsehen mit saftigen Klischees.

26.12.2017

Mehr als 20 Frauen sind beim US-Medienunternehmen „Vice“, das auch das gleichnamige Magazin herausgibt, laut einem Bericht der „New York Times“ Opfer oder Zeuge sexueller Übergriffe geworden.

24.12.2017
Anzeige