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Medien „Frühlings Erwachen“ läuft Montag auf arte
Nachrichten Medien „Frühlings Erwachen“ läuft Montag auf arte
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19:03 19.02.2010
Von Ronald Meyer-Arlt

Mit dieser „Kindertragödie“ hat der Regisseur Erfahrung. Vor drei Jahren hat Nuran David Calis am Schauspielhaus Hannover Frank WedekindsFrühlings Erwachen“ inszeniert. Die Aufführung war eine eher freie Adaption des Stückes. Calis hat Wedekind nicht nachbuchstabiert, sondern überschrieben – aber mit seinem mutigen Zugriff doch den Kern des Stückes getroffen.

Er hat Wedekinds Tragödie ins Heute geholt, seine Jugendlichen saufen und knutschen herum und planschen im Pool. Das kam sehr gut an. Die Kritiker waren begeistert, die Zuschauer auch, die Inszenierung half, Calis’ Ruhm als Regisseur zu begründen.

Jetzt hat Nuran David Calis Wedekinds Tragödie sowie einige Ideen von der Überschreibung und Inszenierung vor drei Jahren genommen und etwas Neues draus gemacht: einen Fernsehfilm für arte und den ZDF-Theaterkanal. Die neue Filmversion von „Frühlings Erwachen“ unternimmt in etwa das, was auch dem Dichter Frank Wedekind vorgeschwebt sein mag, als er das Stück 1906 geschrieben hat: Sie gibt die Gefühlswelt von Jugendlichen wieder. Bei Wedekind gab es am Ende einen Toten und eine Schwangere. Wendla ist schwanger, weil sie nie richtig aufgeklärt wurde. Und Moritz hat sich umgebracht, weil seine Versetzung gefährdet war und weil er dem Druck seines leistungsbewussten Elternhauses nicht mehr standhalten konnte. Auch bei Nuran David Calis gibt es am Ende einen Toten und eine Schwangere. Bei Moritz liegt die Sache so wie früher, er zerbricht an den hohen Erwartungen. Das passierte damals, und das kann heute immer noch geschehen. Bei Wendla liegt der Fall anders. Dass Mädchen heute schwanger werden, weil sie nicht aufgeklärt sind, kommt eher selten vor. Der Regisseur kann die Schwangerschaft nicht mehr mit Unwissenheit begründen. Im Theaterstück und im Film argumentiert Calis ähnlich: Wendla will endlich etwas Großes fühlen, deshalb hat sie sich entschieden, schwanger zu werden. Es war kein Unfall.

Der Wunsch nach starken Gefühlen ist das große Thema dieser Neuerzählung des alten Stoffes. Mit Lust und Ausdauer gehen die jungen Leute an ihre Grenzen. Wichtig ist die Erfahrung des eigenen Körpers; das Stück heißt nicht umsonst „Frühlings Erwachen“. Es geht um Liebeserfahrungen und um Selbsterfahrung. In kaum einer Szene wird nicht exzessiv gesoffen und geraucht. Die Clique trifft sich an der Halfpipe vor der bunt bemalten Betonwand, die wohl nur aus einem Grund da steht: damit die jugendlichen Graffitifreunde sich irgendwo aussprühen können. Irgendwie auch klar, dass man in einer solchen Welt die Grenzen anderswo sucht. Kistenweise wird also das Bier herangeschleppt, man testet mal, wie viel überhaupt reingeht in so einen Körper, gern wird der Kronkorken auch mal mit den Zähnen entfernt. Außerdem sind Anfassen und Rumknutschen wichtig – man will sich fühlen, gern auch in der Berührung durch den anderen.

Calis bemüht sich um Nähe. Sprachlich und emotional gelingt ihm das sehr gut. Aber auch die Kamera kämpft fortwährend um Nähe. Und so sind die Gesichter von Wilson Gonzalez Ochsenknecht (Melchior) und Constanze Wächter (Wendla) dann sehr oft in Großaufnahme zu sehen. Die Kamera saugt sich richtig fest an ihnen. Was nicht immer gut anzusehen ist.

Aber manchmal doch. Constanze Wächter jedenfalls ist eine großartige Schauspielerin. Noch wirkt das Gesicht der Schauspielerin (die auch schon in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ mitgespielt hat) ganz unverbraucht. Noch.

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