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Medien Frauen unter sich: K.I.Z. vor 1300 weiblichen Fans
Nachrichten Medien Frauen unter sich: K.I.Z. vor 1300 weiblichen Fans
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01:19 09.03.2018
Tarek Ebéné und Nico Seyfrid (von links) im Leipziger Täubchenthal. Quelle: Regina Katzer
Leipzig

Ein mit Rosen geschmückter Altar steht in der Mitte. Zu einem Menuett von Beethoven, Tschaikowskys „Schwanensee“ und einem christlichen Choral betreten drei als Frauen verkleidete Rapper die Bühne, um im nächsten Augenblick deutlich derbere Töne anzustimmen. K.I.Z. haben am Mittwoch im ausverkauften Leipziger Täubchenthal ein Konzert nur für Frauen gegeben.

Zuerst ist alles wie gehabt. In ihrer Hymne „Wir“ preisen und huldigen sie sich selbst und ihr Schaffen. Denn sie sind die Götter, und die Fans zeigen ihnen gern ihre gespielte Unterwürfigkeit: „Ihr seid alles, wir sind nichts!“, wird lautstark propagiert. Bereits seit 2011 feiern K.I.Z den Weltfrauentag mit einem Konzert, auf dem sie nur weibliches Publikum und auch Personal zulassen – was natürlich für zerknirschte Gesichter bei den männlichen Fans sorgt. In diesem Jahr herrscht vielleicht noch mehr Neid, denn statt eines einzelnen Konzerts zum Ehrentag der Frauen stehen die drei Rapper von K.I.Z – Maxim Drüner, Tarek Ebéné und Nico Seyfrid – von Hamburg bis Zürich auf acht Bühnen „Nur für Frauen“, wie ihre Tour überschrieben ist. Statt DJ Craft, von dem sich die Formation vergangenen Monat getrennt hat, beglückt Johannes Gehring alias DJane Josie das Publikum, ein Mitglied der Vorband Drunken Masters.

„Heute sind wir endlich unter uns“, sagt der selbsternannte nubische Prinz Tarek, in der Rolle als verruchte Nonne in einem freizügigen Halloween-Kostüm. Wenn Mädels unter sich sind, werden auch „unangenehme“ Themen ausgepackt, weshalb sie eine Metal-Version ihres altbekannten Songs „Klopapier“ anstimmen.

Ihre Songs sind Satire und Zynismus pur, bei Albentiteln wie „Sexismus gegen Rechts“ ist klar, dass sie Provokationen gern auf die Spitze treiben. Die Texte strotzen vor ironischen Anspielungen, überdrehten Realitäten und schwarzem Humor, garniert mit derben Sprüchen à la „Boom Boom Boom, ich bring’ euch alle um“. Die Fans im Täubchenthal lieben es: 1300 Frauen stimmen ein und besingen einen „Spassten“ oder „Hurensohn“, springen und kreischen, wie ihre Mütter es einst bei Take That getan hätten.

„Ein Kniefall vor der weiblichen Schönheit“

Angestoßen wird mit legendären Trinksprüchen: „Auf die Männer, die wir lieben, und die Penner, die wir kriegen“, tönt Nico ins Mic. Er erinnert an Marie-Antoinette und stolziert mit schwerer Perücke und barockem Kleid über die Bühne. Zwischen ihren Songs huldigen die Rapper legendären Show-Frauen, und die Zuschauerinnen singen inbrünstig die Lieder von Whitney Houston und Aretha Franklin mit.

„Dieses Konzert ist ein Kniefall vor der weiblichen Schönheit“, ruft Maxim, während er im Tutu über die Bühne schwebt. Dauergrinsend findet er offenbar gefallen an der Rolle als gutgelaunte Tänzerin und lässt im engen Ballettdress seine Hüften zu den Hip-Hop Beats kreisen. Ob es daran liegt? Oder an den grazilen Bewegungen der anderen beiden? Jedenfalls fühlt sich ein Großteil der Fans bald zu Auszieh-Rufen animiert. K.I.Z gehen einen Deal ein: „Kommt ihr das nächste Mal nackt, dann machen wir das auch!“

Aber selbst ohne erotische Einlage kommt die Romantik nicht zu kurz: Den Setlist-Evergreen „Riesenglied“, eine Parodie auf den 90er-Hit „Liebeslied“ der Beginner, singt das Publikum lautstark mit. Nach mittlerweile 13 Bandjahren haben ihre Texte nicht an Schärfe und Gesellschaftskritik verloren. Die Lieder sind allenfalls massentauglicher und ernster geworden, enthalten weniger Obszönitäten, dafür mehr Wirklichkeit. Zum famosen Abschluss eines langen Konzertabends preisen sie noch schnell die Apokalypse – mit ihrem Stück „Hurra die Welt geht unter“.

Von Sarah Englisch

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