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Hexen müssen brennen: Der Inquisitor Institoris (Philipp Moog) ist ein religiöser Eiferer, der blind vor Hass auf brutale Weise seine Ziele verfolgt.

Hexen müssen brennen: Der Inquisitor Institoris (Philipp Moog) ist ein religiöser Eiferer, der blind vor Hass auf brutale Weise seine Ziele verfolgt.
© Foto: ARD

Medien

„Die Puppenspieler“ – Dekadenz und Hexenhammer

Ein Historienschinken in zwei Teilen: In „Die Puppenspieler“ (Mittwoch, 27. 12. und Freitag, 29. 12., jeweils 20.15 Uhr, ARD) führt Rainer Kaufmann ein junges Liebespaar, einen religiösen Eiferer und einen teuflischen Kirchenfürsten zusammen. Opulentes Ausstattungsfernsehen mit saftigen Klischees.

Hannover. Wer hätte das gedacht: Geld regiert die Welt. Auch schon im ausgehenden 15. Jahrhundert. Zu dieser Zeit spielt der diesjährige weihnachtliche Historienschinken, den die ARD jetzt an zwei Abenden sendet. Mit allem was zu einem solchen Film dazugehört, und wie es der Zuschauer zu den Festtagen schon seit Jahren eben gewohnt ist. Neues, Überraschendes oder gar Kreatives sollte man jedoch von Rainer Kaufmanns „Die Puppenspieler“, frei nach dem gleichnamigen Bestseller von Tanja Kinkel, nicht erwarten, dennoch bietet der insgesamt dreistündige Film ganz ordentliche Pantoffelkino-Unterhaltung – trotz aller Klischees, die offenbar bei solch einem opulent inszenierten Werk kaum zu vermeiden sind.

Der Vatikan als Zentrum der Intrigen

Natürlich spielt er in einer wunderschönen Landschaft, der zweite Teil wurde fast ausschließlich in der Toskana gedreht. Es gibt ordentlich inszenierte Mantel- und Degenszenen. Dazu einen strahlenden jugendlichen Helden, der sich unsterblich in eine Frau verliebt. Was allerdings dann nach etwa zwei Stunden zu einer völlig verkorksten Liebesszene führt.

Auch ein Bösewicht darf nicht fehlen: ein religiöser Eiferer (Philipp Moog), der mit seinen Hasspredigten gegen vermeintliche Hexen Angst und Schrecken verbreitet. Und gewürzt wird das Ganze mit ein bisschen Sex und leider auch ein wenig voyeuristisch daherkommender Gewalt sowie ganz vielen herrlichen Intrigen, die allesamt rund um den Vatikan spielen.

Im Mittelpunkt des aufregenden Geschehens steht der junge Richard (Samuel Schneider). Er muss als Kind und Klosterschüler erleben, wie seine Mutter, eine zum Christentum konvertierte Muslimin, willkürlich der Hexerei angeklagt und verbrannt wird. Der reiche Augsburger Kaufmann Jakob Fugger (Herbert Knaup) nimmt sich des Waisenjungen an und erzieht ihn wie seinen eigenen Sohn. Aus Gründen, die wir hier nicht verraten wollen. Richard selbst ist zwar eher ein sanftmütiger weicher Typ, dennoch hat er scheinbar nur ein einziges Ziel im Leben: Er will seine Mutter rächen. Dadurch gerät er oft in den Konflikt zu seinem Ziehvater, der seine Ziele durch stille Diplomatie und ganz viel Geld in Form von Bestechungen verfolgt.

Ulrich Matthes spielt einen Teufel, der es auf den Papstthron schafft

Als eine Papstwahl ansteht, reist Fugger mit Richard und seinem Diener Eberding (Sascha Alexander Geršak) samt hübschen Ochsenkarren nach Italien. Er will dort vor Ort die Wahl in seinem Sinne, also aus reinen ökonomischen Gründen beeinflussen. Dabei geht es unter anderem um den Schutz seines Besitzes in Ungarn, der von der vorrückenden türkischen Armee bedroht ist. Und beide geraten schnell mitten hinein in einen fast teuflischen Machtkampf, der schließlich gewonnen wird von Rodrigo Borgia, des es dann tatsächlich durch geschicktes Taktieren 1492 auf den Papstthron schafft.

Diese historisch überlieferte Figur, die offenbar mit großem Vergnügen von Ulrich Matthes verkörpert wird, spielt dann im zweiten Teil eine tragende Rolle. Zum Glück für den Zuschauer, der auch seinen Spaß an diesem machtbesessenen Intriganten haben wird. Sehenswert ist zudem der vorgeführte unglaubliche Prunk, vor allem bei einem glamourösen Festgelage vor dem eindrucksvollen Palazzo der Medici nahe Florenz. Und über die Dekadenz (einschließlich des ausschweifenden Sexuallebens der damaligen Kirchenfürsten) kann man tatsächlich nur staunen.

Großer Schauwert, mäßige Liebesszenen

Der Schauwert des Films ist jedenfalls gerade in diesen Szenen groß, während dagegen die vermeintlich ach so romantische Liebe Richards zu der jungen Zigeunerin Saviya (Helen Woigk) drastisch schlecht inszeniert ist. Die angebliche Leidenschaft kauft man den jungen Schauspielern jedenfalls nie ab, offenbar hat die Chemie zwischen den beiden einfach nicht gestimmt. Und wie Richard ihr im zweiten Teil eine Liebeserklärung macht, das ist sogar unfreiwillig komisch. Genau übrigens wie die Schlussszene, die so kitschig ist, dass es beim Zuschauen fast wehtut. Doch wer diese Schwächen in Kauf nimmt, der erlebt mit „Die Puppenspieler“ ein zwar angestaubtes, dennoch alles in allem unterhaltsames Fernsehabenteuer.

Von Ernst Corinth / RND


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