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Kind mit Tablet-Computer: In tausenden vermeintlichen Kinder-Clips zeigen Fälscher bekannte Figuren in Drogen-, Sex- und Gewaltszenen.

Kind mit Tablet-Computer: In tausenden vermeintlichen Kinder-Clips zeigen Fälscher bekannte Figuren in Drogen-, Sex- und Gewaltszenen.
© Youtube Screenshot

Youtube-Skandal um Gewaltvideos

#ElsaGate: Kinderland ist abgebrannt

Ein verstörender Trend erschüttert das Netz: In den vermeintlich kindersicheren Kanälen bei „Youtube Kids“ tauchen tausende Videos auf, in denen es um Gewalt und sexuelle Anspielungen gegen Kinder oder bekannte Comicfiguren wie Disneys Elsa geht. Die Produzenten sind unbekannt. Eltern sind entsetzt. Und Youtube bekommt das Problem nicht in den Griff.

Hannover. In den Untiefen des Internet soll „Youtube Kids“ ein sicherer Hafen für Kinder sein – quasi das digitale Bällebad für minderjährige Surfer. Auf den zahllosen Kinderkanälen des Videogiganten verheißt ein Software-Algorithmus Sauberkeit und Jugendtauglichkeit. Doch ein verstörender Trend entlarvt die Schwächen des Systems und entsetzt derzeit Eltern und Kinder: Dort, wo Kinder nach harmlosen Clips mit ihren Comic- oder Superhelden suchen oder nach Filmen von und mit Gleichaltrigen, finden sich tausende Videos mit obszönen, perversen und gewaltverherrlichenden Inhalten.

Ohne Rücksicht auf den Schaden an der Seele

Viele Videos beginnen harmlos, doch dann wird es perfide: Ausgerechnet inmitten der Fantasiewelt ihrer Helden stoßen Zwei- bis Fünfjährige auf blutige Inszenierungen, gefälschte Superhelden-Videos mit Sex- und Fäkalszenen, Disneyfiguren beim Suizid, Horrormotive und Gewalt in nachgespielten Filmszenen. Die Flut von Grausamkeiten ist geeignet, die Seelen der Zielgruppe massiv zu verstören.

Betroffen sind Kanäle, die zu den beliebtesten Quellen für Kinderinhalte überhaupt zählen. Die Produzenten des gefälschten und zum Teil offenbar automatisch generierten Filmmaterials sind unbekannt, sie agieren ohne Rücksicht auf den psychischen Schaden, den ihre Machwerke anrichten. Viele Spuren führen offenbar nach Osteuropa. Das Motiv der Fälscher: Klicks – und damit Einnahmen. Ab 10.000 Abrufen schaltet Youtube Werbung, die den Urhebern Geld bringt. Einzelne der Videos wurden bis zu 50 Millionen-mal angeklickt.

Beispiele:

- Ein Video zeigt die beliebten tierischen Helfer aus der Animationsserie „Paw Patrol“, wie sie sich von einem Hausdach stürzen.

– In mehreren Videos sind Kinder leicht bekleidet an Poledance-Stangen zu sehen.

– In einigen Filmen malträtieren als „Ärzte“ verkleidete Erwachsene Kinder mit Spritzen.

- Ein anderes Video mit mehr als 30 Millionen Views zeigt, wie ein pinkelnder Spiderman Elsa aus „Die Eiskönigin“ nervt.

- 50 Millionen Views hat ein Video, das zeigt, wie ein Kind ein anderes mit einem Rasierer verletzt.

Die Flut ist kaum zu steuern

Youtube hat mehr als 50 entsprechende Kanäle gelöscht. Darunter ist etwa der Kanal „Toy Freaks“, in dem ein Vater mit seinen Töchtern in diversen mindestens seltsamen Szenen zu sehen ist. Der Kanal hatte 8,5 Millionen Abonnenten.

Vor den Geistern, die sie rief, muss die Google-Tochter Youtube angesichts der gigantischen Masse offenbar kapitulieren. Pro Minute werden 400 Stunden neues Videomaterial auf Youtube hochgeladen. Der Konzern ruft User dazu auf, entsprechende Inhalte zu kennzeichnen, sie unterliegen anschließend automatisch einer Altersbegrenzung. Doch die Flut ist offenbar kaum zu steuern. Die Software ist außerstande, Fälschungen von Originalen zu unterscheiden. So ist die zuckersüße Disneyprinzessin Elsa aus dem erfolgreichsten Animationsfilm der Geschichte („Die Eiskönigin“) ein häufiges Objekt in gewalttätigen Videos.

Der Skandal ist nach ihr benannt: #ElsaGate. Er könnte sich zur größten Jugendschutzaffäre auswachsen, die Youtube je erlebt hat. Am Ende aber kann es keine optimierte Software allein sein, die Kinder vor schrecklichen Inhalten schützt. Sondern Erwachsene, die sich für das interessieren, was ihre Kinder im Netz treiben.

Von Imre Grimm


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