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„Deutschland 83“ war kein Flop: Jörg und Anna Winger (Mitte) wehren sich gegen Herabwürdigungen ihrer Serie und sehen sich als TV-Pioniere.

„Deutschland 83“ war kein Flop: Jörg und Anna Winger (Mitte) wehren sich gegen Herabwürdigungen ihrer Serie und sehen sich als TV-Pioniere.
© Foto: Kristian Müller

Interview mit Anna und Jörg Winger

„Deutschland“-Saga: „Die Serie war kein Flop“

Preisgekrönt, aber quotenschwach: Jörg und Anna Winger glauben dennoch an den Erfolg ihrer „Deutschland“-Serie. Die Staffeln „Deutschland 86“ und „Deutschland 89“ werden nicht mehr zuerst bei RTL zu sehen sein sondern beim Streamingdienst Amazon Prime.

Hannover. Im Interview erklären die Serienmacher Anna und Jörg Winger, warum sich das am linearen Fernsehen erzogene deutsche Publikum und eine hochwertige TV-Reihe wie „Deutschland 83“ nicht auf den ersten Blick ineinander verliebten.

Deutschland 86“ wird nicht mehr zuerst auf RTL zu sehen sein. Woran lag es?

Jörg Winger: Um es klarzustellen: „Deutschland 83“ war kein Flop. Die Quoten waren zwar nicht so gut, aber die Serie brachte RTL einen grossen positiven Marketing-Effekt. RTL war auch nicht der falsche Sender für uns. Ohne RTL hätte es die Serie nie gegeben. Was aber auch stimmt: Unsere Serie und das Stammpublikum von RTL haben nicht gut zusammengepasst.

Anna Winger: Es ist nie einfach, die Pioniere zu sein. Das waren wir mit „Deutschland 83“. Die Serie wird immer als Flop bezeichnet. Sie war kein Flop! Ein Flop sieht ganz anders aus.

Jörg Winger: International war es die erfolgreichste deutsche Serie aller Zeiten. Sie lief in den USA, in England, in Frankreich, in Italien auf den besten Sendern in der Prime Time. Eine Serie, die auf deutsch gedreht wurde! In Russland waren wir die einzige ausländische Serie neben „House of Cards“.

Anna Winger: In England waren wir die erfolgreichste fremdsprachige Serie, die es je gab.

Jörg Winger (lacht) Das muss Babylon Berlin erstmal schaffen.

Dennoch wird „Deutschland 86“, das gerade gedreht wird, zunächst nicht im linearen Fernsehen zu sehen sein. Warum eigentlich nicht?

Anna Winger: Deutschland ist anders als der Rest der Welt. Es hat kein traditionelles Publikum für Serien. Hochwertige Fernsehfilme sind in Deutschland 90-Minüter. Gerne auch als Zwei- oder und Dreiteiler. Oder es sind lang laufende Formate wie SOKO Leipzig. Es gibt das Publikum für hochwertige Serien nicht. 90-Minuten-Formate aber kennt wiederum das Ausland nicht. Also ist vieles, das in Deutschland produziert wird, in der falschen Form für den Export. Das wollten wir ändern. Unsere Inspiration war „Borgen“. Wir dachten, wenn eine Serie für einen winzigen Heimatmarkt wie Dänemark produziert werden kann und weltweit erfolgreich ist, warum geht das nicht von Deutschland aus?

Die deutschen Sender zeigen dann üblicherweise Doppelfolgen…

Anna Winger: Das ist weder Fisch noch Fleisch. Entweder eine Folge pro Woche oder binge watching. RTL war ein toller Partner aus der kreativen Perspektive, aber die Programmgestaltung in Deutschland ist so anders als im Rest der Welt. Bestimmt zeigt die ARD nächstes Jahr auch „Babylon Berlin“ in 90-Minuten-Blocks.

Die ARD zeigt „Babylon Berlin“ ein Jahr nach Sky im Pay-TV. Lohnen sich solche Deals eigentlich?

Jörg Winger: Der Deal wurde vor fünf Jahren gemacht. Da war Sky viel kleiner als heute. Die ARD-Verantwortlichen mögen gedacht haben: Denen können wir das ruhig geben. Heute mögen sie es anders sehen. Die Hoffnung ist, dass die ARD ein älteres Publikum bedient, Sky ein jüngeres. Aber solche Modelle haben keine große Zukunft mehr. Die mehrfache Auswertung über verschiedene Konzerne wird es in Zukunft weniger geben, weil die Konzerne ihre eigenen Netzwerke global ausbauen wollen und alles tun werden, dass die Inhalte in ihrem eigenen Haus bleiben.

Wer profitiert von „Deutschland 86“?

Jörg Winger: Zunächst einmal: „Deutschland 86“ hat sich neben Amazon auch zu grossen Teilen aus den Einnahmen der internationalen Vermarktung von „Deutschland 83“ finanziert. Das gab es in Deutschland auch noch nie. Und natürlich hatte die Ufa ein Interesse, die Serie fortzusetzen. RTL hat im Gesamtinteresse des Bertelsmann-Konzerns zugestimmt, eine Fortsetzung zu drehen. Und sie werden die Free-TV-Premiere bekommen.

Also ist es doch wieder die Doppelstrategie – Pay-TV zuerst, Free-TV später?

Jörg Winger: Ja, aus ganz anderen Gründen als sonst wird es das sein.

Wie viel muss „Deutschland 86“ denn einspielen, damit es „Deutschland 89“ gibt?

Jörg Winger: „Deutschland 89“ wird es auf jeden Fall geben. Amazon hat zwei Staffeln gekauft.

Worum geht es in den Staffeln?

Anna Winger: Wir nehmen deutsche Geschichte und lassen sie in der Welt spielen. Schließlich sind unsere Protagonisten Mitarbeiter der HVA, des Auslandsgeheimdienstes. Der hat nun einmal global agiert. Wir erzählen keine klassische Stasi-Geschichte. In „Deutschland 86“ geht es um die Stellvertreterkriege in den letzten Jahren des Kalten Krieges. Daher drehen wir in Südafrika, Teile der Staffel werden dort und in andere Ländern wie Angola spielen.

Und worum geht es dann in „Deutschland 89“?

Anna Winger: Natürlich um den Mauerfall. Aber nicht nur – die Staffel wird auch im Ausland spielen. Wir werden die Geschichte auf unsere ganz spezielle Art erzählen. Wie immer werden wir die Auswirkungen der Weltgeschichte auf unsere Helden ausloten.

Jörg Winger: Wie der 9. November in Berlin abgelaufen ist, wurde im Fernsehen schließlich schon oft genug dargestellt.

Anna Winger: Egal, wo die Geschichte spielt, die Helden sind Ostdeutsche. Wir sehen die Welt durch eine ostdeutsch gefärbte Brille.

Von Jan Sternberg / RND


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