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Medien Auch Avatare können belangt werden
Nachrichten Medien Auch Avatare können belangt werden
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15:35 25.11.2008
Buchautor Taeger

„Aber ist dort soeben wie in einem normalen Geschäft ein Kaufvertrag zustande gekommen?“ fragt Jürgen Taeger, Juraprofessor der Universität Oldenburg. Denn die junge Frau hat in der Boutique nur virtuelle Geschäfte abgeschlossen, gesteuert von einem Benutzer am Computer. Taeger schreibt ein Handbuch über das Thema Recht in der virtuellen Welt. „Darin versuchen wir, die vielen neuen Rechtsfragen zu klären“, sagt er. Denn bis jetzt steckt dieser Rechtsbereich noch mit voller Unklarheiten.

Die Liste der Fragen Taegers ist dementsprechend lang. In dem zweijährigen Forschungsprojekt „Virtuelle Welten“, bei dem er mit Juristen von der Bremer und Lüneburger Universität sowie der Deutschen Stiftung für Recht und Informatik zusammenarbeitet, geht es um Zivil-, Straf- und Steuerrecht ebenso wie um Daten- und Jugendschutz. „Die Gerichte setzen sich zunehmend mit den Problemen aus der virtuellen Welt auseinander“, sagt er. „Da versucht die Wissenschaft vorab einiges zu klären.“

Über 15 Millionen registrierte virtuelle Persönlichkeiten - sogenannte Avatare - zählt „Second Life“. Fast eine halbe Million Nutzer bewegen ihre Avatare innerhalb einer Woche durch die 3-D-Landschaften der künstlichen Welt, kommunizieren und treiben Handel. „Längst ist das Leben in dieser virtuellen Welt nicht mehr nur Spiel. Es ist einerseits zu einer Plattform für Geschäfte in der realen Welt geworden: Bankgeschäfte werden erledigt, Waren gekauft und Eintrittskarten erworben“, sagt Taeger. Unternehmen präsentieren sich in der Computerwelt, reale Universitäten unterhalten virtuelle Präsenzen, Länderbotschaften haben eine Dependance. „Andererseits gibt es die virtuellen Geschäfte: Die Avatare gehen in virtuelle Discos, kaufen sich nicht real existierende Gegenstände und lassen sogar andere Avatare für sich arbeiten“, sagt Taeger.

Eine der ersten Fragen Taegers ist die, welches Recht überhaupt in „Second Life“ gilt. Denn der Betreiber der virtuellen Welt kommt aus Amerika. Doch hinter den Avataren, die dort kaufen oder verkaufen, können Nutzer aus Deutschland und anderer Staaten stehen. „Nach welchem Recht wird dann ein Vertrag abgeschlossen?“, fragt Taeger. Oft sei das, was für den Nutzer wie ein Kaufvertrag aussehe, tatsächlich keiner. So habe die junge Frau in der Boutique keine reale, sondern virtuelle Kleidung gekauft. „In dem Fall ist es ein Lizenzvertrag, bei dem ein Avatar dem anderen das Nutzungsrecht an dem geschaffenen Werk überlässt“, erklärt Sabrina Erkeling, ebenfalls Juristin und Mitarbeiterin von Taeger.

Immer öfter komme es in der virtuellen Welt zu Problemen mit dem Marken- oder Urheberrecht. „Denn was passiert, wenn die Boutique-Besitzerin auf die von ihr selbst entworfene Bluse drei Streifen aufsetzt, die aussehen wie die einer sehr bekannten deutschen Marke?“, fragt Professor Taeger. Ein Gericht verhandele gerade einen Fall, bei dem ein Nutzer sein Urheberrecht verletzt sieht. Sein virtuelles Wasserbett war von einem anderen Nutzer kopiert und dann billiger verkauft worden. Der Mann hatte so einen realen Schaden, denn: Die virtuelle Währung kann in echtes Geld getauscht werden.

Die Verwendung etwa nationalsozialistischer Symbole, verbotenes Glücksspiel und Kinderpornografie sind weitere Straftaten, die es in „Second Life“ schon gegeben hat. Häufig werde in „Second Life“ gegen den deutschen Jugendschutz verstoßen, nennen die Oldenburger Juristen ein weiteres Problem. Denn dort genüge es, sich durch einen einfachen Klick als über 18-Jähriger auszugeben, um auf nicht jugendfreie Seiten zu kommen.

Eine wirksame Altersverifikation nach deutschem Recht werde nicht verlangt. Ein rechtsfreier Raum, wie vielfach zu hören ist, sei die virtuelle Welt gleichwohl nicht, sagen die Juristen. Sprühe ein Avatar beispielsweise Hakenkreuze an eine virtuelle Häuserwand, mache er sich also der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen strafbar, könne sich also der reale Nutzer deswegen vor Gericht wiederfinden.

Erste Antworten auf all seine Fragen will Taeger der Öffentlichkeit im Frühjahr des kommenden Jahres auf einer Konferenz in Oldenburg vorstellen. Das „Handbuch des Rechts in der virtuellen Welt“ soll in zwei Jahren erscheinen.

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