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Medien 750. "Tatort" kämpft mit Altlasten
Nachrichten Medien 750. "Tatort" kämpft mit Altlasten
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13:05 21.12.2009
Ein Fall für Ritchie Müller: Jubiläums-Tatort "Altlasten" Quelle: ddp

Aus diesem besonderen Anlass werden die Stuttgarter Ermittler Lannert und Bootz mit einem Fall konfrontiert, in dem ebenfalls ein ehrwürdiges Jubiläum eine entscheidende Rolle spielt.

55 Jahre waren Willy und Brise Schubert miteinander verheiratet. Noch eben wurde im engsten Familienkreis die Smaragdhochzeit gefeiert. Doch schon der nächste Morgen beginnt mit einem gewaltigen Schrecken. Der krebskranke Willy liegt tot in seinem Bett. Trotz seines kritischen Gesundheitszustandes kommt sein Ableben überraschend. Als sich bei der routinemäßigen Obduktion herausstellt, dass Willy vergiftet wurde, werden die Kommissare Thorsten Lannert und Sebastian Bootz mit dem Fall betraut.

Die Angelegenheit ist äußerst heikel, denn im Grunde kann nur ein Familienmitglied den 80-Jährigen ermordet haben. Und Motive gibt es viele. Der fünfte „Tatort“ von Lannert und Bootz, gespielt von Richy Müller und Felix Klare, kreist um eine Generation, die in der modernen Medienwelt fast nicht mehr stattfindet. Umso lobenswerter ist es, wie intensiv und lebensnah sich der irische Regisseur Eoin Moore um die Senioren in „Altlasten“ kümmert.

Moore präsentiert keine rüstigen Rentner, die mitten im Leben stehen, sondern ergraute Herrschaften mit körperlichen Einschränkungen und enormen Zukunftsängsten. Der älteren Generation nähert sich der Filmemacher dabei aus unterschiedlichen Richtungen an. So präsentiert er eine Brise Schubert, wunderbar: Bibiana Zeller, die das Älterwerden kaum erträgt, da sie ihren schleichenden Verfall und ihre beginnende Demenz bei vollem Bewusstsein mitbekommt. Doch sie mag sich niemandem anvertrauen, weil sie niemandem zur Last fallen will.

Ihre Kinder sind wiederum derart mit sich selbst und ihren eigenen Alltagsproblemen beschäftigt, dass sie die Sorgen der Mutter überhaupt nicht wahrnehmen. Sogar ihre offensichtliche Demenz wird so gut es geht ignoriert.

Der Episodentitel „Altlasten“ ist bei alldem doppeldeutig zu verstehen. Der Stuttgarter „Tatort“ handelt sowohl von familiären Altlasten als auch von Alten, die zunehmend zur Last fallen. Sie werden krank, müssen gepflegt werden und reden der Jugend dennoch permanent in die Eigenständigkeit hinein. Diese Erfahrung muss auch Kommissar Bootz machen, der in diesem „Tatort“ eine Woche lang von seiner Schwiegermutter besucht wird. In einer besonders schönen Szene verwandelt sich in diesem Zusammenhang sogar ein simples Brettspiel in einen familiären Showdown à la „Spiel mir das Lied vom Tod“.

Ganz andere Sorgen hat unterdessen Kommissar Lannert. Er muss sich damit abfinden, dass seine Nachbarin Lona, gespielt von Birthe Wolter, einen neuen Freund umgarnt. Reichlich missmutig und gereizt stürzt er sich daher in die Aufklärung des Rentnermordes. Dass in „Altlasten“ von Gaststar Christof Wackernagel auch die fragwürdigen Auswüchse des Gesundheitssystems angesprochen werden, rundet die Episode gesellschaftskritisch ab.

Der gehobene Zeigefinger ist somit allgegenwärtig. Trotzdem erlebt der Zuschauer eine mitreißende Geschichte, die schlüssig aufgelöst wird und noch dazu für mehr Verständnis im aufkeimenden Generationenkonflikt wirbt. Nach „Das Mädchen Galina“ erlebt das Stuttgarter Duo in „Altlasten“ abermals einen packenden Kriminalfall, der sich von der Masse abhebt und allein deshalb ein würdiges Kapitel zum 750. „Tatort“-Jubiläum aufschlägt. ddp

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