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Nach Amoklauf

Wieder Schulpflicht in Winnenden

Für die Schüler der Albertville-Realschule in Winnenden gilt knapp zwei Wochen nach dem Amoklauf seit Montag wieder die Schulpflicht. Psychologen stehen bereit, den Schülern das Blutbad vergessen zu machen.

Ratlosigkeit nach dem Amoklauf.

© afp

Von Tanja Wolter

Allerdings soll der reguläre Unterricht erst am Donnerstag aufgenommen werden. Die Schulklassen werden hierfür auf andere Schulen in Winnenden und umliegenden Gemeinden verteilt. Was mit der Albertville-Realschule passiert, ist noch offen. Eine Arbeitsgruppe soll darüber beraten.

Am Montag und am Dienstag sollten die Schüler nach Auskunft der Schulbehörde noch psychologisch betreut werden. Sie sind hierfür vor allem in Hallen untergebracht. „Dort wird flexibel reagiert“, sagte der Behördensprecher. Der Unterricht wird dann voraussichtlich ab Mitte der Woche wieder schrittweise stattfinden. Die Leiterin der geschlossenen Albertville-Realschule, Astrid Hahn, hatte zuvor angekündigt, dass es am Mittwoch einen seit Monaten geplanten „Klassentag“ gibt und danach in bis dahin zur Verfügung gestellten Klassenräumen wieder zum Unterricht übergegangen wird.

„Die Schüler und Lehrer erleben nun so weit wie möglich den Alltag, den sie sich wünschen“, sagte Wolfgang Schiele, leitender Regierungsschuldirektor. Die Schulpflicht war infolge des Blutbades vom 11. März mit 16 Toten zunächst ausgesetzt worden. Fünf Tage nach dem Amoklauf des 17-jährigen Tim K. hatte die Schulverwaltung zunächst freiwillige Veranstaltungen mit Lehrern und Psychologen statt klassischen Unterrichts angeboten. Rund 90 Prozent aller Schüler beteiligten sich daran. Auch wenn wieder normaler Unterricht stattfindet, werden weiterhin Psychologen zur Verfügung stehen.

Wie lange die Schüler in anderen Schulen unterrichtet werden, ist noch offen. Sowohl die Schulleitung als auch die Stadt haben ein Interesse daran, die Realschüler wieder zügig unter einem Dach zusammenzubringen. Dem Regierungspräsidium zufolge wird die Stadt Winnenden eine Arbeitsgruppe einberufen, die sich mit der Zukunft der Schule befasst. Auch Vertreter von Eltern und Schülern sowie Psychologen gehören der AG an. „Wir werden nichts verschleppen, aber auch nichts übers Knie brechen“, betonte Oberbürgermeister Bernhard Fritz. Er wolle zunächst ein Stimmungsbild einfangen.

Sieben baden-württembergische Bildungsinitiativen forderten unterdessen die Politik auf, Konsequenzen aus dem Verbrechen im Bildungssystem zu ziehen. Die Verbände und Vereine, darunter die „Aktion Humane Schule“ und der Arbeitskreis der Gesamtelternbeiräte Baden-Württemberg, sprachen sich am Montag dafür aus, das Schulwesen grundlegend umzugestalten. Es sei wissenschaftlich nachgewiesen, dass Amokläufe häufig im Zusammenhang mit schulischer Ausgrenzung stünden.

Die Initiativen forderten unter anderem ein Ende des gegliederten Schulsystems, kleinere Klassen, eine engere Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule und mehr Unterricht im kreativen, sozialen und sportlichen Bereich aus. Auch setzten sie sich für mehr Psychologen und Sozialarbeiter an den Schulen ein.


Das ist der Amokläufer von Winnenden Ein 17-jähriger Amokläufer hat am Mittwoch an einer Realschule in Winnenden und in einem Industriegebiet in Wendlingen insgesamt 15 Menschen erschossen. mehr
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