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Prozess

Pokerraub: "Es war der absolut perfekte Moment"

Der Überfall auf das internationale Pokerturnier im Luxushotel Grand Hyatt geschah am helllichten Tag. Für einen der Wachleute war es „der absolut perfekte Moment“. Sein Chef, der einzig bewaffnete Sicherheitsmann, war nicht vor Ort. Er hatte einen Autounfall.

Zwei der Angeklagten: Ahmad A. und Mustafa U.

© afp

Nach dem spektakulären Überfall auf ein internationales Pokerturnier in einem Berliner Luxushotel hatten am Montag die ersten Augenzeugen vor Gericht das Wort. Einer der damaligen Wachmänner hatte einen Täter in den Schwitzkasten genommen. Der Räuber und seine Komplizen konnten fliehen, er verlor aber die Tasche - vollgestopft mit 450 000 Euro Beute.

Der Zwei-Meter-Mann mit der knallroten Krawatte sprach im Prozess vor dem Berliner Landgericht von einem „absolut perfekten Moment“ des Überfalls. Das Geld habe längere Zeit offen im Tresor gelegen, keiner der Sicherheitskräfte Waffen getragen. Bewaffnet sei nur der Chef gewesen. Aber der kam nicht. Er hatte einen Verkehrsunfall. „Das fand ich sehr ominös“ sagte der Wachmann vor zahlreichen Zuschauern. Als Dank für sein beherztes Einschreiten habe sich der Veranstalter des Turniers „mündlich bedankt“.

Ein Praktikant des Luxushotels dachte zunächst an einen Scherz. „Blauäugig habe ich mich in die Menge gemischt“. Der 19-Jährige wollte den Wachleuten helfen und kassierte dabei eine Beule am Kopf. Er hatte die Tasche aufgehoben, die einer der Täter samt Pistole auf der Flucht hatte fallenlassen.

Bei dem Raubüberfall auf das Pokerturnier waren die Männer im Alter zwischen 19 und 21 Jahren mit Machete und Schreckschusspistolen bewaffnet. Der Großteil ihrer Beute ist bis heute verschwunden. Den Angeklagten türkischer und arabischer Herkunft wird schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Sie haben die Tat weitgehend gestanden.

Zwei mutmaßliche Drahtzieher im Alter von 29 und 31 Jahren sitzen inzwischen in Haft und sollen später vor Gericht gestellt werden. Der mutmaßliche Ideengeber soll zunächst selbst am Turnier teilgenommen haben. Ein Wachmann will den 31-jährigen Araber nach dem Überfall gesehen haben. „Er stand hinter mir und fragte, was passiert ist“, erinnerte sich der 30-jährige Zeuge. „Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut, man kennt die Familie in der Stadt“, schilderte der Wachmann seine Bedenken.

Bis heute kann der Security-Angestellte seinen Job nicht mehr ausüben: Noch immer wühle ihn der Blitzüberfall auf. Mit einem monotonen Schrei kamen die Maskierten angestürmt, erinnerte sich der Zeuge. „Einer traf mich mit der Machete am Hinterkopf, zwei rissen mich zu Boden und traten gegen Kopf und Rücken“. Der Berliner erlitt Prellungen und verlor ein Zahnimplantat.

(Cornelia Herold)


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