Von einer Windböe vom Zug gerissen: Der verunglückte Lkw liegt immer noch auf dem Hindenburgdamm
Das Wrack des Unfalllasters werde frühestens in der Nacht zum Sonntag geräumt, sagte ein Bahnsprecher am Freitag in Hamburg. Der Zeitpunkt sei jedoch von den Windverhältnissen abhängig. Derzeit verhindere noch ein Sturm die Bergung. Den Angaben zufolge plant die Bahn den Einsatz eines Schienenkrans, da die behelfsmäßige Notzufahrt über den Damm zur Insel für große Autokräne zu schmal sei.
Wie ein Sprecher der Bundespolizei in Flensburg sagte, wurde der neben die Bahngleise gestürzte Laster inzwischen zwar aufgerichtet. Die Bergungsarbeiten hätten am Donnerstagabend wegen des schlechten Wetters jedoch bis auf weiteres abgebrochen werden müssen. Der Zugverkehr rolle allerdings erst einmal wieder weitgehend ungehindert, da der Laster sich nicht im unmittelbaren Gleisbereich befinde.
Auf der Bahnstrecke Hamburg-Westerland war am Donnerstagnachmittag ein mit Dämmstoffen beladener Lkw mit Anhänger bei heftigen Sturmböen vom Autozug neben die Bahngleise gestürzt. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde dabei der 32-jährige Fahrer des Lasters aus dem Fahrzeug geschleudert. Der Mann sei schwer verletzt worden und habe im Wasser gelegen, sagte der Bundespolizeisprecher. Der Zugchef des zwischen Niebüll und Westerland verkehrenden Autoshuttlezuges habe noch erste Hilfe geleistet, dennoch sei der Mann an seinen Verletzungen gestorben. Der Bahnmitarbeiter selbst habe sich starke Unterkühlungen zugezogen.
Der Bahnverkehr war für die Rettungs- und Sucharbeiten in beide Richtungen für etwa drei Stunden unterbrochen. Dadurch fielen laut Bahnsprecher sechs Autozüge, zwei Intercity- sowie mehrere Nahverkehrszüge der Nord-Ostsee-Bahn aus. Da Zeugen zunächst von einer zweiten vermissten Person berichtet hatten, wurde eine großangelegte Suchaktion gestartet. Ein Transporthubschrauber der Marine und ein Helikopter der Bundespolizei suchten das Seegebiet entlang des Hindenburgdamms ab. Die Aktion wurde später eingestellt, da sich die Angaben als Irrtum herausstellten.
Die Ermittlungen zur Unglücksursache dauern an. Zum Unfallzeitpunkt herrschten Sturmböen bis Stärke neun. Eine solche Bö erfasste möglicherweise den Laster und kippte ihn vom Zug. Laut Bahnsprecher ist der Transport mit dem offenen Autoshuttlezug ab Windstärke vier für Pkw-Anhänger verboten, ab Stärke sechs auch für leere Lkw-Anhänger. Von Windstärke neun an würden keine Autos mit Dachgepäckträgern etwa für Fahrräder und ab Stärke zehn keine leeren Lkw und keine Wohnwagen mehr transportiert. Ab Windstärke zwölf werde der gesamte Autozugverkehr eingestellt.
Im vorliegenden Fall sei der Unfalllaster zwar voll beladen gewesen, jedoch mit äußerst leichten Dämmstoffen, sagte der Sprecher. Experten prüfen nun, ob eventuell ein Kommunikationsproblem zwischen Lkw-Fahrer und der Bahn vorlag. ddp