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Kindstötung

Französin tötet acht Babys - Keiner hatte etwas bemerkt

Es ist vermutlich der schlimmste Fall von Kindstötungen in Frankreich seit 30 Jahren: In einem Dorf nahe der Grenze zu Belgien wurden die Überreste von acht Babyleichen gefunden. Die Mutter hat zugegeben, ihre Kinder getötet zu haben.

Die Polizei hat den Tatort abgeriegelt.

Die Polizei hat den Tatort abgeriegelt und setzt Suchhunde ein.

© dpa
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Von Ulrike Koltermann

Paris. Acht Schwangerschaften und Geburten, acht Kinder getötet und niemand hat etwas bemerkt: Frankreich ist entsetzt über den Fall einer 45 Jahre alten Mutter, die gestanden hat, acht ihrer Neugeborenen erstickt zu haben. Die Polizei fand die Überreste der Babyleichen in zwei verschiedenen Gärten vergraben in dem 650-Einwohner Dorf Villers-au-Tertre. Der Staatsanwaltschaft sagte die Mutter, dass sie keine Kinder mehr gewollt habe.

Die Menschen in der Gemeinde nahe der belgischen Grenze sind entsetzt. „Es waren ganz normale Leute“, erzählen Nachbarn, die nicht glauben mögen, was sich nahezu unter ihren Augen abgespielt hat. Der Fall ist vermutlich der schwerste von Kindestötungen in Frankreich seit drei Jahrzehnten. Damals war ein Paar verurteilt worden, das sieben seiner Kinder getötet hatte.

Dominique C. ist so dick, dass eine Schwangerschaft kaum auffällt. Sie arbeitet als Krankenpflegerin. Ihr Mann Pierre-Marie (47) ist Zimmermann. Er gilt im Dorf als hilfsbereiter Heimwerker, der sofort kommt, wenn ihn jemand um Hilfe bittet. Zudem sitzt er im Gemeinderat. Dominique und Pierre-Marie sind beide Mitglied des Festkomitees, das für den kommenden Samstag ein Dorffest organisieren wollte. Sie haben zwei erwachsene Töchter und bereits zwei Enkelkinder.

In den vergangenen Jahren hatten die beiden auf dem Bauernhof von Dominiques Eltern gewohnt. Als diese gestorben waren, verkauften sie das Gelände und zogen innerhalb des Dorfes um. Als die neuen Besitzer im Garten eine Grube aushoben, machten sie den grausigen Fund: Plastiktüten mit winzigen Knochen. Experten fanden heraus, dass sie von Neugeborenen stammten, die vor etwa zehn Jahren zur Welt gekommen waren. Es lag nahe, die früheren Bewohner des Hauses zur Rede zu stellen.

Dominique gestand umgehend, dass es ihre Kinder waren - und dass es noch weitere Leichen gibt. „Sie hat erklärt, dass sie keine Kinder mehr wollte, und dass sie für Verhütungsmittel keinen Arzt aufsuchen wollte“, berichtete der Staatsanwalt am Donnerstag nach den ersten Vernehmungen. Die erste Geburt der Frau sei „sehr schlecht“ gelaufen. Dass Ehemann Pierre-Marie von den Schwangerschaften und den toten Kindern wusste, gilt derzeit als unwahrscheinlich. Der Mann ist in dem Verfahren nur noch Zeuge und kam nicht wie seine Frau in Untersuchungshaft. Er sei völlig benommen und spreche nur wenig, hieß es in Ermittlerkreisen.

„Jemand, der so etwas tut, hat möglicherweise den Wunsch, schwanger zu sein ohne gebären zu wollen“, sagte der Psychiater Pierre Lamothe, der sich mit dem Phänomen der Kindstötungen beschäftigt. Aber es zeige auch, dass niemand etwas habe bemerken wollen. „Man fragt sich, wie das so viele Male geschehen konnte. Die Blindheit scheint sich auf die Familie und die Nachbarn ausgedehnt zu haben“, fügte er hinzu. Es sei nicht ungewöhnlich, dass Mütter ihre getöteten Kinder in der Nähe bestatteten. „Es ist eine Art, sie bei sich zu behalten“, sagte er.

In Frankreich war erst im März eine 38-jährige Frau zu 15 Jahren Haft für die Tötung von sechs ihrer Kinder verurteilt worden. Eine Französin, die drei Babys getötet und in ihre Tiefkühltruhe gelegt hatte, hatte im vergangenen Jahr acht Jahre Haft bekommen. Sie konnte das Gefängnis bereits im Mai wegen guter Führung unter Auflagen verlassen.


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