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Tochter-Mord

„Er wird traurig sein. Aber Reue? Nein.“

Gülsen Çelebi ist Anwältin aus Düsseldorf. Vor Gericht vertritt sie muslimische Frauen, die gegen ihre Zwangsheirat kämpfen oder Angst vor einem Ehrenmord haben. Der Fall Stolzenau ist für sie klar: „Das war ein Ehrenmord.“
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Stolzenau. Wie bewerten Sie den Mord an der 13-jährigen Souzan?

Vieles spricht dafür, dass es ein geplanter Mord war. Der Vater kam mit einer geladenen Pistole zu dem Treffen des Jugendamtes. Warum hätte er das sonst machen sollen? Für mich scheint die Sache eindeutig: Er hat seine Tochter aus einem falsch verstandenen Ehrgefühl umgebracht.

Ein Ehrenmord also. Warum?

Die Tochter hat sich von der Familie abgewendet, lebte seit dem Sommer in einem Jugendheim. Sie hat damit für sich ein Zeichen gesetzt: Ich will mein Leben selbstbestimmt führen. Das konnte ihr Vater, ein konservativer Jeside, nicht gutheißen. Seine Ehre und die Ehre der ganzen Familie sah er dadurch scheinbar beschmutzt. Der einzige Ausweg für ihn schien der Tod der Tochter zu sein. Nur damit ist das „Problem“ endgültig aus der Welt geschafft. Und der Druck, die jesidische Gemeinschaft könne mitbekommen, wie die Tochter lebt, endlich aufgehoben.

Für uns Deutsche sind diese Lebenswelten nur schwer nachvollziehbar.

Das stimmt. Es ist eine ganz andere Welt, die Glaubenswelt der Jesiden. Und eine aussterbende Gemeinschaft: In Deutschland leben etwa 40 000, in der Türkei nur noch wenige hundert. Um verzweifelt ihren Fortbestand zu sichern, werden leider viele Mädchen zwangsverheiratet und zuvor von ihren Vätern streng gehalten, um bloß nicht aus der Gemeinschaft auszubrechen. Denn die Religion wird nur dann weitergetragen, wenn Jesiden untereinander heiraten.

Sagen sogenannte Ehrenmorde etwas über den Bildungsgrad der Täter aus?

Sicherlich passieren diese Taten häufiger in bildungsfernen Schichten. Aber niemand ist davor sicher. Das Problem hat nichts mit Bildung zu tun, sondern mit patriarchalischen Strukturen. Man könnte auch sagen, dass Ehrenmorde Relikte der Vorzeit sind.

Ali B. ist seit der Tat auf der Flucht. Wird er für die Tat Reue empfinden?

Er wird traurig sein, da schließlich sein Fleisch und Blut tot ist. Aber Reue: Nein! Für ihn wird die Tatsache überwiegen, dass er seine Ehre wiederhergestellt hat. Und die Schuld schiebt er vermutlich von sich weg. Nach dem Motto „Wenn meine Tochter keine Schande über uns gebracht hätte, hätte ich sie nicht ermorden müssen“. Das ist abscheulich, aber leider kein Einzelschicksal. (Britta Lüers)


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