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Bilanz

Deutsche spenden viel mehr Geld wegen Haiti und Pakistan

Die Deutschen spenden in diesem Jahr sehr viel mehr Geld als 2009: Bis einschließlich September stieg das Spendenaufkommen um 19 Prozent, wie die Marktforscher vom GfK Panel Services ermittelt haben.
Auch die Kirchen und diakonischen Einrichtungen sammeln für Menschen in Armut. (Archivfoto)

Auch die Kirchen und diakonischen Einrichtungen sammeln für Menschen in Armut. (Archivfoto)

© dapd

BERLIN. Befragt werden für diese monatliche „Großstichprobe“ 10.000 Männer und Frauen, deren Angaben auf die Bevölkerung hochgerechnet werden. Der Deutsche Spendenrat erwartet, dass die höhere Spendenbereitschaft anhält. Dessen Geschäftsführerin Daniela Felser sagte im dapd-Interview, Grund dafür sei die Besserung der Wirtschaftslage.

Den höchsten Spendenzuwachs gab es Anfang des Jahres und im Sommer: Im Januar 2010, als sich in Haiti das verheerende Erdbeben ereignete, erhielten Hilfsorganisationen laut GfK CharityScope insgesamt 290 Millionen Euro, das sind 115 Millionen mehr (plus 66,4 Prozent) als im Januar 2009. Im Februar wurde noch ein überdurchschnittliches Plus an Spenden von 29,3 Prozent verzeichnet: Gezahlt wurden 175 Millionen, das sind 40 Millionen mehr als im Februar 2009.

Im August, als über Pakistan die Hochwasserkatastrophe hereinbrach, spendeten die Deutschen 213 Millionen, das sind 86 Millionen oder 68,1 Prozent mehr als im August 2009. In drei Monaten des laufenden Jahres gab es einen Spendenrückgang im Vergleich zum vergangenen Jahr, aber unter dem Strich steht bisher für 2010 eine durchschnittliche Zunahme der Spenden um 19 Prozent. Am spendenfreudigsten sind die Deutschen immer in der Vorweihnachtszeit: Allein im Dezember 2009 kamen 450 Millionen Euro zusammen.

Allerdings ist 2010 nach der Analyse der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg ein Ausnahmejahr. Auf längere Sicht geht die Anzahl der Spender langsam, aber stetig zurück, wie der zuständige GfK-Experte Roland Adler erklärt. 2009 wurden rund 65 Millionen Euro weniger als 2008 gespendet; das Aufkommen sank um drei Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro, und der Anteil der Geldspender an der Bevölkerung sank erstmals unter 20 Prozent. Zudem ging die Höhe der Durchschnittsspende 2009 deutlich zurück.

Das Durchschnittsalter der Spender lag bei 58 Jahren, die ältere Generation gibt am meisten Geld für Menschen in Not. Für die große Spendenbereitschaft der Generation 60+ kommen mehrere Gründe zusammen, wie Daniela Felser sagte. Zum einen seien es Menschen, die den Krieg und die Nachkriegszeit erlebten. „Sie wissen, was Leid bedeutet“, sagte sie. Zudem weist sie darauf hin, dass Älteren am Ende ihres Erwerbslebens ihre finanzielle Sicherung erreicht und mehr Geld zum Spenden zur Verfügung haben. Und generell gelte, das Geben einfach glücklich macht. Die These, dass im reifen Alter ethische Grundsätze wichtiger würden oder mehr Mitgefühl für Menschen in Not entstünde, ist nicht zu belegen.

Bei der Entscheidung, für welche Organisation gespendet wird, sind nach Einschätzung Felsers „größtmögliche Transparenz und Wahrhaftigkeit“ maßgeblich. Viele Spender wollen nicht nur Geld geben, sondern interessieren sich auch dafür, wie damit geholfen wird. Internet-Plattformen, auf denen Spender miteinander kommunizieren, werden immer mehr genutzt. Gespendet wird auf diesem Weg zwar erst „zaghaft und langsam“, sagte Felser. Aber der Anteil am Spendenaufkommen sei schon von 0,5 auf 1,0 Prozent angestiegen. „Das wird immer mehr die Zukunft“, sagte die Geschäftsführerin des Spendenrats.

Dieser Dachverband Spenden sammelnder gemeinnütziger Organisationen setzt sich unter anderem für mehr Transparenz im Spendenwesen ein und will den ordnungsgemäßen treuhänderischen Umgang mit Spendengeldern durch freiwillige Selbstkontrolle sicherstellen. Die Mitgliedsorganisationen, darunter laut Felser auch „ganz Kleine mit einem Spendenaufkommen von 2.000 Euro im Jahr“ zahlen Beiträge in einer Staffelung von 130 Euro bis höchstens 3.000 Euro. Beim Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das Organisationen ein Spendensiegel verleiht, sind es maximal 10.000 Euro.

Die Marktforscher der GfK sehen ebenso wie der Spendenrat Potenzial im Internet. „Im Wettbewerb der Spendenorganisationen gewinnt, wer aktiv um den Spender wirbt“, erklärt Adler. „Dabei darf auch das Internet nicht vernachlässigt werden. “ Bei den Umfragen kam heraus, dass Spender ebenso oft und fast ebenso viel wie der durchschnittliche Internet-User surft.

Der Spendenrat wies darauf hin, dass bei den gut zwei Milliarden Euro Spenden im Jahr nur die privaten Spenden zusammengezählt sind. Hinzu kommen noch große Summen, die Bürger den Hilfsorganisationen vererben. Der Umfang ist nach Schätzungen gleichbleibend. Nicht bezifferbar sind die Summen, die Unternehmen spenden. Das liegt nach Angaben Felsers daran, dass diese Spendenaktivität oft mit Sponsoring verwoben ist: Zum Beispiel werben Firmen für eine Marke damit, dass sie einen Anteil des Umsatzes spenden. (dapd)


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