Schüler schummeln gern mit Material aus dem Internet.
Referate, Haus- und Facharbeiten: Was Schüler früher alles mühsam recherchieren und schreiben mussten, wird heute oft aus dem Internet geholt, kopiert, geklaut. Lehrern ist das bewusst: „Es ist natürlich ein großes Problem“, sagt Horst Audritz, der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen. Er selbst lehrt Politik und Deutsch am Gymnasium im Schloss in Wolfenbüttel und kennt die Thematik nur zu gut.
„Bei naturwissenschaftlichen Fächern oder Fremdsprachen wird sicher weniger aus dem Internet kopiert“, sagt er. In seinen Fächern sei das dagegen leider häufiger der Fall. Selbstverpflichtungserklärungen oder Sperrungen von Internetseiten auf Schulcomputern seien als Maßnahmen zwar ambitioniert, aber nicht ausreichend. Audritz räumt ein: „In der Regel sind die Schüler den Lehrkräften überlegen, was Bedienung und Nutzung der Technik angeht.“
Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, den Internet-Betrug aufzudecken. „So können Lehrer stichprobenartig bei Facharbeiten Präsentationen verlangen oder die Klasse Fragen stellen lassen“, schlägt Audritz vor. Auch an Formatierung, Stil oder Formulierungen lasse sich erkennen, ob jemand schummelt oder nicht. Deswegen sollten Lehrer einen besonders guten Eindruck des Leistungsvermögens ihrer Schüler bekommen: „Wenn dann jemand von seiner Linie abweicht, dann ist das verdächtig.“
Das meint auch Medieninformatik-Professorin Debora Weber-Wulff, die sich mit dem Thema Plagiate beschäftigt. Sie rät Lehrern, im Verdachtsfall Online-Suchmaschinen anzuwerfen: „Fünf Wörter, in der Regel Substantive, bringen oft schon den Erfolg, leider.“ Auch Schreibfehler eigneten sich häufig gut als Suchbegriff.
Warnsignal für erschummelte Leistungen sei auch der sogenannte Wikipedia-Stil. „Texte aus der Online-Enzyklopädie sind aufgebaut wie im Journalismus – alles Wichtige steht im ersten Absatz. Dann gehen sie in die epische Breite.“
Aber für die Schüler droht nicht nur von der Lehrerseite Gefahr: „Im Internet kann jeder jeden Mist veröffentlichen“, gibt die Medienexpertin zu bedenken. Der ursprüngliche Autor könnte unseriös oder schlichtweg falsch recherchiert haben.
Nächstes Risiko: Gewisse Seiten, die Hausarbeiten oder Referate vermeintlich gratis anbieten, locken ihre Nutzer in eine Kostenfalle: „Überall, wo man aufgefordert wird, seinen Namen einzugeben oder für etwas zahlen zu müssen, ist Vorsicht geboten“, sagt Weber-Wulff.
Allerdings gibt sie auch zu bedenken, dass die Quellensuche im Netz nicht illegal sein muss: Solange man ordentlich zitiere, sei dagegen überhaupt nichts einzuwenden: „Es geht um die Ehrlichkeit.“
Wer wissen möchte, wie richtiges Zitieren mit Fußnoten und Literaturnachweisen funktioniert, könne laut Weber-Wulff auch gern mal einen Blick auf die Internetseite „hausarbeiten.de“ werfen – ohne schlechtes Gewissen.
Im Netz gibt es viele Seiten, die Aufsätze oder Facharbeiten anbieten: „hausarbeiten.de“ ist eines der größten deutschen Archive mit über zwei Millionen Texten in 99 Fachbereichen. Allerdings sind davon nur etwa 17000 kostenlos. Auch „fundus.org“, „e-hausaufgaben.de“, „hausaufgabe.de“ oder „pausenhof.de“ werben mit Textsammlungen. In der Regel muss man sich für diese Portale aber einen Benutzernamen zulegen und wird beim Surfen mit aufdringlicher Werbung konfrontiert.