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Nach dem Todesflug

Air France rüstet Maschinen um

Nach dem Absturz einer Airbus-Maschine über dem Atlantik will die Fluggesellschaft Air France binnen Tagen die umstrittenen Geschwindigkeitsmesser vollständig austauschen.

Die brasilianische Luftwaffe bringt die gefundenen Absturzopfer auf eine Insel vor Brasilien.

© afp

Paris. Air France habe den Zeitplan dafür bei den Langstreckenmaschinen vom Typ A330 und A340 beschleunigt, teilte die Gewerkschaft SNPL am Dienstag mit. Nach AFP-Informationen warnte Air France ihre Piloten schon im November vor Problemen mit den Sensoren.

Bei der Flugzeugkatastrophe waren am Pfingstmontag auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris 228 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 28 Deutsche. Automatisch abgesetzte Fehlermeldungen des Airbus A330 zeigen fehlerhafte Angaben zur Geschwindigkeit; die Piloten könnten deshalb womöglich zu langsam oder zu schnell geflogen sein. Die Geschwindigkeitsmesser stammen vom französischen Hersteller Thales. Es hat schon öfter Probleme damit gegeben, weil sie offenbar durch eindringendes Wasser oder Vereisung zeitweise unbrauchbar wurden.

Air France spricht in einem Memo an seine Piloten vom 6. November von „einer bedeutenden Zahl von Zwischenfällen“. Diese seien auf „Anomalien“ an den Messgeräten zurückzuführen, heißt es in dem zweiseitigen Dokument, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Es listet falsche Geschwindigkeitsmessungen, unterschiedliche Geschwindigkeitsangaben auf den Kontrollschirmen von Pilot und Kopilot und das Abschalten des Autopiloten auf.

Das Schreiben zeige, dass Air France „seit November 2008 die Probleme kannte, die die Katastrophe von Flug AF447 zu erklären scheinen“, sagte ein Air-France-Pilot, der ungenannt bleiben wollte. Erst vor einigen Wochen, am 27. April, begann die Fluglinie nach eigenen Angaben aber mit dem Austausch der Sonden bei ihren A330 und A340.

Internationale Anwaltskanzleien seien nun dabei, Klagen gegen Air France in den USA vorzubereiten, berichtete die „Bild“-Zeitung am Dienstag. Dort könnten die Opferfamilien höhere Entschädigungssummen erzielen. Die US-Gesellschaft US Airways kündigte an, gleichfalls die umstrittenen Sonden auszutauschen. Aber nicht alle Airlines nutzen die gleichen Geschwindigkeitsmesser. So sind in die A330-Maschinen der Lufthansa Sonden des amerikanischen Herstellers Rosemount eingebaut, mit denen es laut der Kranich-Linie „keine Probleme“ gibt.

Die französische Pilotengewerkschaft SNPL betonte, dass es nach bisherigem Ermittlungsstand „keinen feststehenden Zusammenhang“ zwischen dem Absturz und den Geschwindigkeitsmessern gebe. Es sei lediglich „eine mögliche Verbindung“, sagte ihr Sprecher Erick Derivry. Die kleinere Gewerkschaft Alter hatte am Montagabend die Air-France-Piloten aufgerufen, den Flug auf A330- und A340-Maschinen zu verweigern, die nicht mindestens zwei neue Sonden haben; insgesamt gibt es jeweils drei an den Flugzeugen. Air France sicherte den Piloten laut Gewerkschaften am Dienstag zu, dass ab sofort nur noch Flugzeuge mit zwei neuen Sonden starten würden.

Die internationale Polizeibehörde Interpol kündigte unterdessen an, sie werde bei der Identifzierung der geborgenen Leichen helfen. Damit solle sichergestellt werden, dass diese „verlässlich, in Würde und schnell“ erfolgen könne, erklärte Interpol-Generalsekretär Ronald Noble. Bis Montagabend hatten die Suchmannschaften 24 Leichen im Atlantik gefunden. afp


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