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Händedruck: Stephan Weil und David McAllister© dpa

Wahlkampf

McAllister gegen Weil: TV-Duell ohne K.o.

Beim TV-Duell vor der niedersächsischen Landtagswahl haben sich Ministerpräsident David McAllister und sein SPD-Herausforderer Stephan Weil am Donnerstagabend einen eher ruhigen Schlagabtausch geliefert. Lediglich bei den Themen Linkspartei und Bildung kam Streit zwischen beiden Kandidaten auf.

Hannover. Einen wirklichen Sieger gab es allerdings nach Ansicht des Medienexperten Helmut Scherer nicht. "Es gab relativ wenig Unterschiede". Die Kandidaten sahen das erwartungsgemäß anders. Inhaltlich stritten beide vor allem um den Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder, den Haushalt, die Energiewende sowie Studiengebühren. Weil kündigte an, er werde letztere bei einem Regierungswechsel abschaffen. McAllister blieb hingegen bei seiner Position, die Beiträge zu erhalten. Niedersachsen ist neben Bayern das letzte Bundesland, das Studiengebühren erhebt. 

Zu Beginn der Sendung hatte NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz McAllister auch auf seinen Vorgänger, den später als Bundespräsidenten zurückgetretenen Christian Wulff (CDU), angesprochen. McAllister gab sich dazu allerdings wortkarg. Die Affäre um Wulff spiele im Landtagswahlkampf keine Rolle. "Es geht um die landespolitische Zukunft und nicht um die Vergangenheit", sagt er. Weil hingegen wurde zu einem möglichen negativen Einfluss von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück befragt. "Das spielt in Niedersachsen keine Rolle", antwortete er. Eine etwas härtere Auseinandersetzung folgte später, als McAllister versuchte, Weil auf eine Absage für eine Koalition mit der Linkspartei festzulegen. "Nach Daten, die ich kenne, ist das so unrealistisch, dass wir nicht wertvolle Sendezeit mit solchen Spekulationen verprassen sollten", sagte dieser ausweichend. Als McAllister erneut attackierte, zeigte sich der SPD-Kandidat etwas verschnupft: "Was ich sage, bestimme ich, was sie sagen, bestimmen sie", entgegnete er seinem Konkurrenten.

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TV Duell

TV-Duell Stephan Weil gegen David McAllister - wer hat Ihnen besser gefallen?

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 McAllister habe an dieser Stelle klar gepunktet, sagte Medienexperte Scherer nach der Sendung. Allerdings sei der Disput ansonsten sehr ausgeglichen gewesen. "Ich glaube nicht, dass dieses TV-Duell die Wahl entscheidet", sagte er der Nachrichtenagentur dapd. Allerdings seien beide Kandidaten auch keine "rhetorischen Flammenwerfer".

Die Politiker sahen sich selbst jedoch erwartungsgemäß jeweils als Sieger in dem Wortgefecht. Er habe "die besseren Argumente" vorgetragen, sagte Weil. McAllister erklärte: "Herr Weil ist ein sympathischer Zeitgenosse, aber er hat leider völlig falsche Ansichten" und fügte hinzu: "Ich habe dieses Duell als Sieger gewonnen".

Das einzige Aufeinandertreffen der beiden im Fernsehen wurde am Donnerstag begleitet von zwei neuen Umfrage, die vor allem bei McAllister für ein Lächeln sorgten. Demnach können SPD und Grüne zwar weiter auf einen Sieg hoffen, doch der Vorsprung vor Schwarz-Gelb ist denkbar knapp. Rot-Grün liegt laut ZDF-Politbarometer mit 46 Prozent zwei Punkte vor Schwarz-Gelb mit 44 Prozent. Der ARD-Deutschlandtrend, der am Donnerstagabend vorab während des Duells veröffentlicht wurde, sieht sogar Rot-Grün nur noch einen Punkt vorn.

Eine Überraschung bietet insbesondere die FDP, die entgegen dem bundesweiten Trend und vorherigen Umfragen in Niedersachsen in beiden neuen Umfragen nun auf fünf Prozent kommt und damit im Landtag vertreten wäre. Im TV-Duell sagte McAllister: "Ich bin ganz sicher: die CDU gewinnt die Wahl und ich bleibe Ministerpräsident." Weil hingegen gab sich zuversichtlich, dass SPD und Grüne das Rennen machen. "Schwarz-Gelb wollen die Leute nicht mehr haben", sagte er.

Sowohl für Weil als auch für McAllister war es das erste TV-Duell ihrer politischen Karriere. Im Vorfeld hatte es zwischen beiden Lagern Streit gegeben, da die SPD vier Fernseh-Duelle vorgeschlagen hatte. Die CDU lehnte dies ab und wollte nur ein Aufeinandertreffen. In Niedersachsen gibt es diese Form des Wahlkampfes seit 1998. Damals duellierten sich Gerhard Schröder (SPD) und Christian Wulff (CDU). dapd

Lesen Sie eine ausführliche Analyse des Duells in der Freitagausgabe der NP


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