Navigation:
Landtagswahl

Niedersachsen rettet Rösler - vorerst

Sensations-Comeback für die FDP und ihren Chef Rösler. Fast 10 Prozent in Niedersachsen. Seine Rivalen könnten mäkeln: Das sei kein Sieg aus eigener Kraft gewesen. Nur die CDU-Leihstimmen hätten Rösler vorerst gerettet.

Berlin. Als die große Zahl auftaucht, ist Philipp Rösler im dritten Stock des Thomas-Dehler-Hauses. Im Präsidiumszimmer haben sich die Schwergewichte der FDP versammelt. Um 18.00 Uhr starren alle auf die Fernseher. Viel geredet wird nicht. Dann aber die ersten Prognosen: Um die 10 Prozent. Sicher im Landtag von Hannover, dazu das beste Ergebnis seit der Bundestagswahl 2009. Die Freude scheint groß, aber ist sie bei allen echt? Unten im Foyer liegen sich die Anhänger in den Armen. Rösler zeigt sich noch nicht. Er will abwarten, ob es in Hannover auch für Schwarz-Gelb reicht. Um 18.24 Uhr schickt er seinen Generalsekretär allein vor die Kameras. "Heute Abend sind wir alle Niedersachsen", freut sich Patrick Döring. Die FDP habe Nerven bewahrt und auf Programme, Konzepte und Persönlichkeiten gesetzt.

Nach Putsch riecht es in der ersten Stunde des Wahlabends nicht mehr. "Philipp Rösler ist Niedersachsen. Ein Erfolg in Niedersachsen ist ein Erfolg Philipp Röslers", ruft Döring in die Menge, die begeistert klatscht. Auch der Kieler Fraktionschef Wolfgang Kubicki räumt ein: "Philipp Rösler wackelt nicht." Die FDP werde nun in den nächsten Tagen "in aller Ruhe und mit Gelassenheit" ihre Personalfragen entscheiden. Über neun Prozent - dem überregional unbekannten Spitzenkandidaten Stefan Birkner, ein Rösler-Freund und Ex-Richter, traute das in der Bundespartei niemand zu. Birkner/Rösler toppen sogar die Siege aus dem Vorjahr, als die FDP-Popstars Christian Lindner und Kubicki je über acht Prozent in NRW und Schleswig-Holstein erreichten. Doch wie groß ist Röslers Anteil an dem Sieg tatsächlich? Hinter den Kulissen flüstern am Abend die ersten Alphatiere, man dürfe sich von der großen Zahl nicht blenden lassen. Die CDU-Leihstimmen hätten die FDP gedopt.

Für die Bundestagswahl im September ist dieser Sieg auch eine Gefahr. Kanzlerin Angela Merkel dürfte großes Interesse haben, dass ihre Union nicht noch einmal so viele Stimmen an die FDP verschenkt. Mancher in der FDP-Spitze hätte insgeheim wohl eine Niederlage oder ein mageres Ergebnis rund um fünf Prozent in Kauf genommen - nur um Rösler rasch zu stürzen. Ein Königsmord aber nach fast 10 Prozent, das dürfte ziemlich schwierig sein. Die Analyse in Präsidium und Vorstand am Montag verspricht Spannung.

Wird der Parteitag noch von Mai auf März vorgezogen, wie es die Rösler-Gegner Brüderle und Lindner verlangt haben? Rösler könnte das kalt lächelnd abblocken. Warum soll er sich bewegen. "Rösler hat bewiesen: Er kann Wahlkampf", sagt ein Vertrauter des Vizekanzlers. Niedersachsen war intern als Schicksalswahl für den jungen Chef ausgerufen worden.

Nun hat der 39-Jährige ein Traumergebnis in seiner Heimat geholt - wo einst sein rasanter Aufstieg vom vietnamesischen Waisenkind zum Vizekanzler begann. Der Wirtschaftsminister aber muss jetzt aufpassen, seinen Erfolg nicht übermütig zu verspielen. Das passierte ihm nach der Bundespräsidentenwahl, als er sich nach dem Gauck-Coup über die Kanzlerin lustig machte. Fairerweise müsste die Partei Rösler nun eine Weile in Ruhe lassen. Fair play aber gilt nicht unbedingt als Stärke in der FDP. Das gegenseitige Vertrauen ist äußerst begrenzt.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was ist Ihre Wunschkoalition für Niedersachsen?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie