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Landtagswahl

Hauchdünne Mehrheit für Rot-Grün

Wahl-Krimi in Niedersachsen: Nach der Landtagswahl liegen Schwarz-Gelb und Rot-Grün in Hannover gleichauf. Eine ARD-Hochrechnung am Sonntagabend sah SPD und Grüne allerdings hauchdünn vor CDU und FDP.

Hannover. Die Christdemokraten mit Ministerpräsident David McAllister blieben trotz starker Verluste stärkste Partei. Die Liberalen konnten überraschende Stimmengewinne einfahren. Die SPD legte mit Spitzenkandidat Stephan Weil leicht zu. Die Grünen freuten sich über ihr bislang bestes Ergebnis. Die Linke flog aus dem Landtag. Auch die Piraten spielten keine Rolle. Nach der Hochrechnung (19.54 Uhr) kam die CDU auf 36,3 Prozent (2008: 42,5 Prozent). Die FDP gewann allerdings von 8,2 auf 9,8 Prozent ebenfalls auf ein historisches Spitzenergebnis hinzu, was zusammen 46,1 Prozent ergibt. Die SPD erhielt 32,6 Prozent (2008: 30,3 Prozent), die Grünen erreichten 13,6 Prozent (2008: 8,0 Prozent). Zusammen hätte Rot-Grün damit 46,2 Prozent. Auch das ZDF errechnete den gleichen hauchdünnen prozentualen Vorsprung von Rot-Grün mit 46,2 Prozent gegenüber 46,1 Prozent für Schwarz-Gelb.

Auch bei der Sitzverteilung sah die ARD Rot-Grün knapp vorn. Die SPD erzielte hier 48 Mandate, die Grüne 20 Sitze. Die CDU erhielte 53 Sitze, die FDP 14 Mandate. Laut ZDF gibt es bei der Sitzverteilung dagegen ein Patt. Zwtl.: Große Koalition nicht ausgeschlossen McAllister fühlte sich nach dem "Herzschlagfinale" am Abend als Sieger: "Die Aufholjagd hat sich gelohnt, die CDU ist die Nummer Eins in Niedersachsen." Man könne sich berechtigte Hoffnungen machen, "dass wir unsere erfolgreiche Koalition fortsetzen können", betonte der Ministerpräsident.

Angesichts des knappen Ausgangs der Landtagswahl schloss er aber eine große Koalition aus Union und SPD nicht aus. McAllister sagte in der ARD-"Tagesschau": "Bei einem solchen Ergebnis kann man überhaupt nichts ausschließen." Es sei nun Geduld notwendig, bis die Stimmen ausgezählt sind. Auch SPD-Spitzenkandidat Weil wandte sich nicht grundsätzlich gegen ein Bündnis mit der CDU. Er äußerte aber die Erwartung, dass letztlich "eines der beiden Lager" die Nase vorn haben werde. Weil betonte zudem, sein Ziel bleibe eine rot-grüne Koalition. Weil zeigte sich erfreut über das "bemerkenswerte" Plus von gut zwei Prozent.

Die SPD habe "unter nicht ganz einfachen Bedingungen" um Stimmen ringen müssen, sagte er mit Blick auf die Querelen um den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Dieser ging mit sich ins Gericht. Weil habe einen "fantastischen Wahlkampf" gemacht, dabei aber "keinen Rückenwind" aus Berlin bekommen. "Es ist mir bewusst, dass ich maßgeblich dafür eine gewisse Mitverantwortung trage", bedauerte der Kanzlerkandidat. Parteichef Sigmar Gabriel trat allerdings dem Eindruck entgegen, dass Steinbrück bei einem schlechteren Ergebnis der SPD hätte um seinen Job fürchten müssen: "Was wären wir für ein jämmerlicher Haufen, wenn wir den Kandidaten gleich auswechseln würden, wenn der Wind mal von vorn kommt."

Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Jürgen Trittin, freute sich über ein "tolles Ergebnis". Seine Partei habe allein so viel gewonnen, wie CDU und FDP zusammen verloren hätten. Wenn das auch bei der Bundestagswahl gelänge, "dann war es das" für Schwarz-Gelb und die Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU), sagte Trittin. Grünen-Chefin Claudia Roth erteilte einer Ampelkoalition in Niedersachsen eine Absage. Der niedersächsische Grünen-Spitzenkandidat Stefan Wenzel bezeichnete die FDP als "eine aufgeblasene Partei, die wie ein Luftballon dahinfährt". Der zuletzt unter Druck geratene FDP-Bundesparteichef Philipp Rösler selbst sprach dagegen von einem "großen Tag" für die Landespartei, aber auch für die Liberalen in ganz Deutschland.

Der niedersächsische FDP-Spitzenkandidat Stefan Birkner sah Rösler durch das sich abzeichnende Rekordergebnis "selbstverständlich" gestärkt. Der Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Landtag von Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, warb um Geschlossenheit. "Wir können uns jetzt in aller Ruhe bereden", sagte Kubicki. Zwtl.: "Lange Nacht" erwartet Die niedersächsische Landeswahlleiterin Ulrike Sachs stellte sich derweil auf eine "lange Nacht" in Hannover ein. "Ich glaube, dass angesichts der knappen Hochrechnungen viele in den Wahlkreisen auch zwei Mal auszählen", sagte sie der Nachrichtenagentur dapd. Ihre Vorgabe an die Wahlhelfer sei "Gründlichkeit vor Schnelligkeit" gewesen.


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