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Kultur „Zwischen zwei Leben“ – Erst Überleben, dann Liebe
Nachrichten Kultur „Zwischen zwei Leben“ – Erst Überleben, dann Liebe
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12:00 06.12.2017
Am Flugzeugwrack bleiben oder nach Hilfe suchen? Fotojournalistin Alex Martin (Kate Winslet) und Neurochirurg Ben Bass (Idris Elba) zu Beginn ihrer Odyssee. Quelle: Foto: Fox
Hannover

Die Fotojournalistin Alex (Kate Winslet) ist auf dem Weg zu ihrer eigenen Hochzeit nach New York, als ihr Flug wegen eines herannahenden Sturms gestrichen wird. Sie tut sich mit dem Hirnchirurgen Ben (Idris Elba) zusammen, der am anderen Morgen in Baltimore eine lebensrettende OP durchführen soll, und chartert eine Privatmaschine, die sie am Unwetter vorbei nach Dallas zu ihren jeweiligen Anschlussflügen bringen soll.

Zwei Fremde sind aufeinander angewiesen

Als der Sturm dreht und der Pilot einen Schlaganfall erleidet, stürzt das Flugzeug über einem Bergplateau ab. Die beiden Passagiere überleben, aber Rettung ist hier weit und breit nicht in Sicht. Während sich Alex trotz ihres gebrochenen Beins auf den Weg durch die verschneite Wildnis machen will, plädiert Ben dafür an Ort und Stelle zu bleiben in der Hoffnung, dass der Peilsender des Flugzeugs ihre Position übermittelt. Nach zwei Tagen vergeblichen Wartens brechen die beiden auf.

Zwei Fremde, die aufeinander angewiesen sind. Das Setting von Hany Abu-Assads „Zwischen zwei Leben“ nach dem Roman von Charles Martin ist durchaus ansprechend. Der Film hält sich nicht lange mit akklimatisierenden Vorgeschichten auf, sondern stürzt sich im wahrsten Sinne des Wortes mit einem spektakulär gefilmten Bruchlandung direkt in den Kern der Geschichte hinein. Der niederländisch-palästinensische Regisseur, der hier sein US-Debüt vorlegt, hatte bereits in „Paradise Now“ (2005) bewiesen, dass er das Handwerk einer bezwingenden Dramaturgie beherrscht.

Klasse-Darsteller in lebensfeindlicher Winterkulisse

Und so überzeugt auch „Zwischen zwei Welten“ zunächst mit einer hochdynamischen Exposition, die in eine interessante Handlungsaufstellung führt. Vielversprechend natürlich auch die beiden Hauptdarsteller: Idris Elba („Luther“) rangiert in den Charisma-Charts ganz weit oben. Sein Gesicht ist eine Landschaft für sich, die wunderbar mit der verschneiten Gebirgskulisse korrespondiert. Und Kate Winslet ist mit ihrer gebündelten schauspielerischen Integrität ihrem Gegenüber vollkommen ebenbürtig. Dazu kommt die atemberaubende, winterliche Naturkulisse von British Columbia – was kann da noch schief gehen?

Die Ressourcen stimmen und tragen den Film dann auch souverän über die erste Kinostunde hinweg. Das gegenseitige Kennenlernen der beiden Unbekannten unter lebensbedrohlichen Extrembedingungen entwickelt eine interessante Dynamik. Das allmähliche Herantasten wird immer wieder von Gefahrensituationen oder dringlichen Entscheidungen unterbrochen, die gemeinsam gefällt werden müssen. Alex ist eine Frau der Tat, die bereit ist Risiken einzugehen, während Ben Situationen genau durchkalkulieren will und nur zögerlich zu Entscheidungen kommt. Beide Einstellungen widersprechen und ergänzen sich in den Herausforderungen des Survival-Trips.

Warum muss jedes Mal Liebe die Spannung durchkreuzen?

Aber die Wirkungskräfte innerhalb dieser erzwungenen Vertrauensgemeinschaft sind nur so lange interessant, bis der Film der Versuchung nicht widerstehen kann, die wechselhafte Beziehung auf romantisches Terrain zu führen. Dass ein Mann und eine Frau gegenseitiges Vertrauen füreinander entwickeln, ohne sich ineinander verknallen zu müssen, ist und bleibt im Kino ein undenkbares Konzept. Aber anders als geplant bekommt die Geschichte durch die gegenseitige amouröse Versicherung keinen zusätzlichen Kick, sondern gleitet sang- und klanglos in vorhersehbaren Genrezwänge ab.

Da taucht plötzlich eine einsame Hütte im Wald auf, in der sich die beiden am wärmenden Kaminfeuer aneinander kuscheln können, und alle lebensgefährlichen Situationen werden fortan mit der Kraft der Liebe bravourös bestanden. Die Angelegenheit verkitscht zusehends und an der Übersichtlichkeit des romantischen Fortkommens kann auch ein fadenscheiniger Plot-Twist gegen Ende wenig ändern.

Von Martin Schwickert / RND

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