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Kultur "Zum Sterben schön" - köstlich-makabres Musical
Nachrichten Kultur "Zum Sterben schön" - köstlich-makabres Musical
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10:44 19.03.2013
SINGIN’ IN THE SARG: Magdalene Orzol ist Betty, die Frau, die alle unter die Erde bringen wollen – zum Schein oder tatsächlich. Quelle: Andreas Hartmann
Hannover

Das ist die Mission des Bestatters Frank und seines Faktotums Delbert. Ihr Sinn für verspielte Outfits und glamouröses Entertainment macht Beerdigungen „Zum Sterben schön“ und das gleichnamige Musical im Aegi zu einem ausgelassenen Spaß.

Das Theater für Niedersachsen hat schon früh die Hand auf dieses Musical made in Germany gelegt und nun das makabre Lustspiel des Autors Wolfgang Adenberg in der Musik von Marc Schubing zur Uraufführung gebracht.

Die Geschichte folgt dem Film „Grabgeflüster“ aus dem Jahr 2002 und spielt in einer englischen Kleinstadt. Was nun wäre ein Musical ohne eine gehörige Portion Romantik? Die garantieren der zweite Bestatter des kleinen Ortes, Boris Plots, und die Frau des Bürgermeisters Betty. Der schüchterne, einsame Leichenmann und das Aschenputtel des herrischen Mayors waren einander eigentlich schon beim Schulabschlussball zugetan. Jahre später bringt sie jetzt ihre gemeinsame Leidenschaft für das Tanzen richtig zueinander. Um dem Bürgermeister einen Skandal zu ersparen, wollen sie Bettys Tod fingieren und gemeinsam nach Tahiti fliehen. Der skrupellose Gatte (Jens Krause) und dessen lüsterne Sekretärin (Karoline Goebler) wollen Betty allerdings tatsächlich ins Jenseits befördern: Auftakt für turbulente Verwirrungen.

Die beiden Protagonisten sind ausgezeichnet besetzt. Der große, korpulente Alexander Prosek als Boris ist charmant und begeistert vor allem durch grandiose Eleganz und hinreißendes Temperament bei den Tanzeinlagen. Viele fast artistische Nummern mit seinem Liebchen Betty sind eine Augenweide. Die neben Prosek klein und zierlich wirkende Magdalene Orzol trägt als Betty besonders stimmlich zum Glanz des Abends bei. Ihrer klaren, angenehmen Stimme hört man gern zu, auch wenn sie lange aus einem transparenten Sarg singen muss. Diese einfache Geschichte mit allzu eindeutig gezeichneten Figuren wäre wenig ohne die beiden clownesken Event-Bestatter Frank und Delbert. Jonas Hein und Tim Müller sind die perfekten Entertainer, die die 50er-Jahre-Schwere mit schwarzem Humor und pfiffigen Wortspielen in Schwung bringen. In ihren Showeinlagen mit dem ganzen Ensemble laufen die Inszenierung von Intendant Jörg Gade und auch die Musik so richtig zu Hochform auf. Die Rhythmen aus Samba, Cha-Cha-Cha und Tango und die Stepp- und Rock-’n‘-Roll-Einlagen begeistern. Viele Bravos am Ende.

Bewertung: 5/5

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