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Nervensäge aus Prinzip: Wilson (Woody Harrelson) mit Ex-Frau Pippi (Laura Dern, Mitte) und Tochter Claire (Isabella Amara).

Nervensäge aus Prinzip: Wilson (Woody Harrelson) mit Ex-Frau Pippi (Laura Dern, Mitte) und Tochter Claire (Isabella Amara).
© Foto: Fox

Film: Wilson

Woody Harrelson spielt vergnügten Menschenfeind

Wenn sich einer wie „Wilson“ im Bus oder Flieger neben Sie setzt, haben sie verloren. Craig Johnson verfilmt eine Graphic Novel über einen nervtötenden Zeitgenossen. Aber Woody Harrelson kriegt den munteren Misanthropen nicht so recht in den Griff. Was gar nicht mal seine Schuld ist.

Hannover. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Zug und dösen vor sich hin. Plötzlich setzt sich jemand neben Sie, obwohl alle Plätze weit und breit frei sind – und erzählt Ihnen ohne Umschweife etwas von seinem Vater, der im Krankenhaus an Krebs dahinsiecht. Exakt so ein Typ ist Wilson (Woody Harrelson). Er hat ein nicht zu bändigendes Mitteilungsbedürfnis, sagt jedem gnadenlos die Wahrheit und verbreitet dabei gern seine pessimistische Weltsicht. Kein Wunder, dass so einer kaum Freunde hat.

Ein Eigenbrödler will seine Familie zurück

Als sein einziger Kumpel wegzieht und sein Vater stirbt, fühlt er sich denn auch plötzlich sehr einsam. Und so stöbert er schließlich seine Ex Pippi (Laura Dern) auf, die ihn vor 17 Jahren verlassen hatte. Von ihr erfährt er, dass sie das Kind, das sie damals im Bauch trug, entgegen ihrer Behauptung nicht abgetrieben sondern zur Adoption freigegeben hat. Gemeinsam machen Wilson und Pippi, die nach ihrer Drogen- und Hurenvergangenheit gerade einen Neustart wagt, ihre fast volljährige Tochter Claire (Isabella Amari) ausfindig.

Johnson hangelt sich von Situation zu Situation

Regisseur Craig Johnson führt seinen Titelhelden erstmal ausgiebig ein. Trotzdem will der Charakter mit all seinen Macken nie richtig lebendig werden – so sehr sich Woody Harrelson auch bemüht. Es liegt wohl eher daran, dass der Film, für den Daniel Clowes das Drehbuch nach einer eigenen Graphic Novel schrieb, überwiegend Stückwerk bleibt und keinen richtigen erzählerischen Rhythmus findet. Er hangelt sich quasi von Situation zu Situation. Symptomatisch dafür ist eine Sequenz, die im Knast spielt. Dort muss Wilson wegen seiner Eigenart zunächst viel Prügel einstecken. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung steht er aber mit seinen Mithäftlingen auf bestem Fuß. Da wäre man doch gern Zeuge dieses Wandlungsprozesses geworden...

Am gelungensten ist noch der Mittelteil, in dem der Wunsch des von seiner unvorbereiteten Vaterschaft überwältigten Wilson zum Handlungsmotor wird. Zum einen, weil sich dadurch eine spannungsreiche Figurenkonstellation ergibt, zum anderen, weil die Erwartungen des Zuschauers an einen „Plötzlich Vater“-Film unterlaufen werden.

Von Jörg Brandes / RND


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