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Kultur Wirkt manchmal taktlos: Lars Jessens "Hochzeitspolka"
Nachrichten Kultur Wirkt manchmal taktlos: Lars Jessens "Hochzeitspolka"
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16:22 22.09.2010
Noch sind sie in guten Zeiten: Frieder (Christian Ulmen), Gosia (Katarzyna Maziag).

VON MATTHIAS HALBIG

Christian Ulmen ist Frieder, der wieder mal guckt wie ein lieber Frosch, aus dem der Prinz nicht so ganz erfolgreich rausgeküsst wurde. Er war mal der Sänger einer Rock-‘n‘-Roll-Band, die er im Stich gelassen hat für einen Geschäftsführerjob in Polen, für den er viel zu weich ist. Jetzt soll der Betrieb ab in die Ukraine, gerade, als Frieder die bildschöne Gosia (Katarzyna Maziag) heiraten will. Zur Hochzeit taucht auch noch die alte Band auf mit alten Rechnungen und antipolnischen Ressentiments. Die Hochzeit sinkt tief, bis der Bräutigam verzweifelt „Äpfelchen ...“ wimmert und sein entliebtes Äpfelchen nur noch ein „F... dich!“ übrig hat.

Lars Jessen erzählt eine Nachbarschaftskatastrophe in heiter: von den Polen, die im Deutschen den Herrenmenschen sehen und von den Deutschen, die Polen für Diebsgesindel halten. Diese Klischees überzeichnet der Regisseur nicht, so dass sie im Grunde unwidersprochen bleiben. „Wir hatten Glück, uns wurde nichts geklaut“, brummt Frieders Vater da, als er zu den Hochzeitern stößt.

Ulmen, der Meister des Füllworthäufelns, Vokabelstolperns, des völlig zerzausten Satzes, er stammelt und schüchtert sich durch diese Komödie, als suche er während seiner Ausflüchte den Hinterausgang aus dem Film. Und als alles verfahren ist, hat man zwar ein paar Mal gegnickert, findet einige der „Helden“ aber echt widerlich und sorgt sich ums Brautpaar. Ein Song und ein Kuss richten alles wieder. So einfach ist das.

Klar, man ahnt, dass Jessen das Herz am linken Fleck hat. Aber überzeugt ist man erst, als die Toten Hosen ihr „Eisgekühlter Bommerlunder“ auf polnisch rocken. Ein Campino sänge gewiss nie für Völkerentzweiung. HHIII

Hochzeitspolka“, D 2010, 90 Min. Regie: Lars Jessen. Darsteller: Christian Ulmen, Katarzyna Maciag.

Gut gemeint ist nicht geglückt. Seltsame deutsch-polnische Komödie.

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