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Kultur Wincent Weiss macht’s sich gemütlich
Nachrichten Kultur Wincent Weiss macht’s sich gemütlich
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13:04 11.03.2018
Im Neo-Biedermeier: Wincent Weiss hat sich sein Wohnzimmer mitgebracht. Quelle: Villegas
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Hannover

Eine Wohnzimmerkulisse mit Kneipentresen, der Elektro-Ofen knistert – Wincent Weiss’ Akustik-Tour beginnt heimelig. Barkeeper Rudi, mit weißem Hemd und Hosenträgern, schenkt der Band Getränke aus, „ohne Alkohol“, wie Wincent versichert, denn ein Glas geht auch ins Publikum.

Die Combo wird heute einen ruhigen Abend schieben – vier Streicher, ein Gitarrist und Bassist, dazu Klavier und Schlagzeug, streicheln Saiten, Tasten und Felle. „Und wenn alle Stricke reißen, halten wir uns an uns fest“. Noch singt das Publikum die barocken Zeilen im ausverkauften Theater am Aegi recht schüchtern mit.

Wincent Weiss, 25 Jahre jung und aus Eutin, ist der deutschsprachige Newcomer des Jahres. 2013 nahm er an der Casting-Show „DSDS“ teil und kam unter die letzten 29 Kandidaten. Das merkt man ihm an, er hat vor Dieter Bohlen gesungen und Professionalität erworben. Weiss hüpft sofort in die Ränge, will Kontakt aufbauen. „Schrei doch nicht so“, versucht er einen Fan zu beruhigen. Dann singt er für eine Vanessa und alle anderen, die Geburtstag haben „Happy Birthday“.

Für viele seiner weiblichen Fans ist es das allererste Konzert. Die Aufregung ist groß, mit einer Tüte Geschenke und Gummibären kommt er aus den Reihen zurück, die Ausflüge dauern etwas länger. „Ich bin gefühlt mehr da untern, als hier oben“, wundert er sich.

Seine soften Liebeslieder wie „Betonherz“ singt Weiss mit geschlossenen Augen, die Stimme wird wärmer. Die Fans leuchten mit bunten Smartphones, die Lampen haben sie vorher mit farbigen Tüchern abgedeckt. Das sieht eindrucksvoll aus, wie ein Schwarm Leuchtkäfer oder ein „Regenbogen“, wie Weiss eloquent zu seinem nächsten Titel überleitet. Bei der Coverversion des Liedes „Unter meiner Haut“ groovt und rockt es ein wenig mehr, leider zieht die Ballade „Herz Los“ das Tempo wieder hinunter. Der Popstar war in der „Innenstadt von Hannover“, erzählt er, und hat sich Schuhe gekauft. Doch nun läuft er auf Socken, die Sneakers passen wohl nicht richtig.

Mit seinem Support, der Wahlhannoveranerin Lea, singt er das Duett „Wohin Willst Du?“ Ein schwieriges Lied mit schnellem, rhythmischem Refrain; diese Aufgabe lösen beide geschickt. Er ist freundlich, ein guter Junge, der Liebling aller. Und ein Lied für seine damals noch kleine Schwester hat er auch noch geschrieben: „Nur ein Herzschlag entfernt“, wie tröstlich. Ein Medley folgt, mit „Das Leichteste der Welt“ von Silbermond, Max Giesingers „80 Millionen“, den 257ers und Marteria. Die soulige Exkursion bei „Bonnie & Clyde“ überrascht, sein größter Hit aber ist „Musik sein“.

Beim letzten Song im Set, „Frische Luft“, röhrt er kraftvoll, und nach zwei Zugaben und neunzig Minuten Musik beendet der MTV-Award-Gewinner von 2017 unter großem Jubel den Abend. So viel Erfolg ist fast schon unheimlich.

Von Kai Schiering

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