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Im „Club Figaro“: Die Junge Oper arbeitet mit jungen Laiendarstellern aus der Region.

Im „Club Figaro“: Die Junge Oper arbeitet mit jungen Laiendarstellern aus der Region.
 © Thomas M. Jauk

Oper

Willkommen im „Club Figaro“

So modern geht Mozart: Die Junge Oper wagt den Grenzgang in „Club Figaro“.

Hannover.  „Du Monster, warum quälst du mich?“ schmettert der Baron. Schmerzerfüllt schaut er zur Dame in roten Netzstrümpfen. Die wollte nicht sofort nach dem ersten Kuss mit ihm ins Bett hüpfen. Die Junge Oper präsentierte mit „Club Figaro“ im Ballhof die Schönheit und die Tücken der Liebe.

Als würde man Ameisen unter dem Mikroskop sezieren, beobachtet man, wie verzweifelt und hingebungsvoll sich junge, weibliche Menschen über die Tanzfläche bewegen. „Schaut mich doch an“, schreien ihre Glitzer-Dekolletés und die knöchelschmerzenden Highheels. Und dabei stellen sie die richtigen Fragen, an die Erwachsene nicht gerne erinnert werden: „Siehst du nicht das Labyrinth, erkennst du nicht die Mauern? Du konntest doch mal fliegen, wann tust du’s endlich wieder?“

Der Spaß daran, in logisch-vernünftigen Bahnen zu denken, gepaart mit der Lust zu tanzen, das ist eine Mischung, die die Welt verändern kann. Die Inszenierung wagt es, radikal Grenzen zu sprengen: Wolfgang Amadeus Mozart wird in den Alltag der Digital Natives eingepflanzt. Im Orchestergraben spielen hoch seriöse Musiker in schwarzer Kleidung mit ernster Miene Mozart. Und auf der Bühne rocken sich Jugendliche der Band „Jeremias“ mit Herzblut und psychedelischer E-Gitarre die Seele aus dem Leib.

Auch den Generationen sind keine Grenzen gesetzt: Professionelle Opernsänger schmettern mit Lust ihre Arien über die unerfüllte Liebe hinaus. Die Jugendlichen „von der Straße“ bringen durch ihre menschliche Zusammenstöße auf der Bühne die Zuschauer über die existenziellen Fragen des Lebens ins Grübeln. „Glaubst du es ändert sich was, nur weil du nicht wählen gehst?“ fragt eine Tänzerin lapidar, bevor der elektronische Bass wieder loswummert.

Da ist sie: Oper, die politisch wird. Oper, die Vergangenheit und Gegenwart unerschrocken verbindet, die sich zur Zukunft öffnet und doch die Schönheit der Tradition bewahrt.

Mehr Informationen zum Stück finden Sie hier.

Von Valerie Lux


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