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Kultur Wer hat an den Songs gedreht?
Nachrichten Kultur Wer hat an den Songs gedreht?
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13:09 17.08.2011
Der Punk ist nicht vorbei: Das Cover der neuen CD.

HANNOVER. Die Zahl der Tributplatten an Bands ist Legion. So spontan aber wie jetzt „Krawmbl“, das Ehrenalbum für die Abstürzenden Brieftauben, zustande kam, gehts selten ab. Nachdem die Brieftauben-DVD „25 Jahre sind genug“ erschienen war, meldeten sich einige Bands mit Tributwunsch bei den DVD-Organisatoren Andreas Barthel und Susi Duhme. Die stellten das „Projekt“ ins Internet, und nach und nach kam ein Album im Indie-Geist der Tauben zustande. 20 Songs, viel Punk darunter, aber auch Folk von Kuersche (er singt „Lonely Boy“ der Sex Pistols) und Country von Schlafrock Schrumpfstrom („Aber klar“). Anders als der 94er Sampler „... ist es wirklich schon so spät“, wo auch Fury tributierten, gibts keine der „großen Bands“. „Es wurde kein Geld gezahlt, jeder hat seinen Song selbst produziert“, freut sich Mirco „Micro“ Bogumil, „so müssen Tribute sein“.

„Klar hätte man anfragen können bei den Ärzten und den Toten Hosen“, sagt der Tauben-Mitbegründer, „aber das wäre nicht dasselbe gewesen.“ Und Slime und die Mimmis, die mangels Zeit ihre Beiträge von 1994 nochmal aufwärmen wollten, habe man draußen gelassen. So ist das Album – eine Hommage an die 2006 verstorbene Ur-Taube Konrad Cals (geborener Kittner) – eine Plattform für nicht ganz so bekannte Truppen wie Pucks, 4 blonde Nonnen, Comets of Doom, Klar oder Das frivole Burgfräulein. Viele kommen aus Hannover, viele haben einen guten Ruf in der Szene, manchen haben die Tauben einst auf die musikalische Sprünge geholfen.

Überflüssig etwa „sind ein Duo, das nur wegen uns entstanden ist“, freut sich Bogumil. „Der Joscha von Überflüssig war als Kind mal bei einem unserer Konzerte. Die H-Blockx hatten sich da etwas vorgedrängelt, so dass wir recht spät auf die Bühne kamen. Und für die ganzen Kleinen, die wegen uns gekommen waren, wars zu spät. Die wurden von ihren Eltern abgeholt. Den Joscha haben wir dann mit in den Backstage-Bereich genommen. Von dort aus hat er seine Eltern angerufen, dass alles okay geht und wir aufpassen. Dann konnte er sich das Konzert anschauen, und da hat ihn die Musik erobert.“

Auf die Punkspur kamen für „Krawmbl“ auch musikalisch weit entfernte Krautrocker von Werner Nadolnys Jane, die das Album berührungsängstefrei eröffnen. „Super, oder? Die waren sofort dabei. Wir hatten denselben Dealer“, lacht Bogumil, „für Plektren, Sticks und Verstärker. Das war Music-Corner, den gibts ja leider nicht mehr. Der Chef hat uns mal eine Gitarre mit dem Originalzertifikat von Elvis geliehen. Die nannten wir dann voller Ehrfurcht ,sie von ihm’“. Beschlossen wird die Platte mit einem anrührenden Beitrag von Dietrich Kittner, der seinem kleinen Sohn Konrad immer das Lied vom „Ede“ vorsang, wenn der sich wieder mal nicht in Morpheus’ Arme begeben wollte. „Das war nicht ganz einfach für ihn“, erzählt Bogumil, aber es ist ein ganz wunderbarer Rauswerfer aus dem Album.“

„Der Punk war vorbei“, sagt Mirco Bogumil zu der Tauben-Auflösung 1996, „man hätte über die neuen Songs nicht mehr ,Brieftauben‘ schreiben können.“ Zu erwachsen und professionell seien die Aufnahmen geworden, die dann auch nicht mehr veröffentlicht wurden. „Es war Schluss mit ,wir zwei fahren irgendwohin’, ich bin damals gegangen – sehr zum Missfallen meiner Mitmusiker. Später hat Konrad mir dann bestätigt, dass es die richtige Entscheidung war.“

Heute arbeitet der gelernte Raumausstatter und Tischler bei einem Raumausstattungsunternehmen. Musik macht er auch noch ab und zu, aber eher zwanglos, er nimmt Ideen „skizzenmäßig“ auf bei seinem Freund Oliver Sauerland. „Mal kucken, ob ich noch mal den Drang habe, selbst was zu machen“, sagt er. Nur keine Hektik, der Geist des Punk verweigert sich Schemata und Zeitplänen.

„Krawmble – Ä Tribut tuse Abstürzende Brieftauben“ bei Hot Shot Records und unter

www.abstuerzendebrieftauben.de

Bewertung: 4/5

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