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Kultur „Wer das nicht geil findet ...“
Nachrichten Kultur „Wer das nicht geil findet ...“
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00:18 23.10.2017
Er und seine Gitarre: Ein gut gelaunter Marius Müller-Westernhagen spielte Freitagabend unplugged in der Tui-Arena. Quelle: Körner
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Hannover

Ein Denkmal stellt sich aus. Es trägt Hut mit breiter Krempe, Weste und schwere Silberketten, spielt Gitarre und singt: „Ich muss auch kein Rock-’n’-Roll-Star sein“ – und fügt an: „Aber geiler is’ schon.“ Er hat leicht reden, er ist ja längst einer: Marius Müller-Westernhagen, 68 Jahre alt und jung geblieben, Freitagabend, live, unplugged in der ausverkauften Tui-Arena.

Als Marius blies er einst den Staub von der alten BRD, als Westernhagen wurde er zum Inventar des wiedervereinigten Deutschlands. Nun schafft er es, den intimen „MTV un­plugged“-Rahmen, der sich in großen Hallen üblicherweise ad absurdum führt, in ein Familienfest für 10 000 Menschen zu übertragen.

Er weiß, wie es geht und singt gleich als zweiten Song „Hass mich oder lieb mich“, der Tatsache bewusst, dass man nicht 50 Jahre Musik machen kann, ohne dass es Leute gibt, die einen nicht so geil finden: „Es ist mir egal.“ Und er schiebt – mit dem kleinen Hinweis, dass man ja auch aufstehen könne in der vollbestuhlten Halle – „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ hinterher. Alle stehen auf und tanzen noch einmal ihre Jugend.

Es ist eine große Best-of-Show, musikalisch im Blue­grass-Stil präsentiert, mit Boogie und Rock-’n’-Roll-Wurzeln und dank des Chores mit ganz viel Soul. Jüngere Songs werden wohlwollend empfangen, die Klassiker begeistert.

Als linke Hand dient Übergitarrist Carl Carlton, der auch mit einer stinknormalen Klampfe Pedal-Steel spielen kann. Bis zu 13 Musiker stehen auf der Bühne, darunter auch Lindiwe Suttle, die er als „eine sehr gute Singer-Songwriterin und darüber hinaus im Nebenberuf meine Frau“ vorstellt und die eine tolle schwarze Stimme hat. Gemeinsam singen sie fürs Herz den von ihr komponierten Soulschlager „Luft zu atmen“. Sie wird ein oft gesehener Gast; einer flüstert schon vom „Yoko-Ono-Effekt“.

Fürs Tanzen folgt „Es geht mir gut“. „Geht es euch gut?“, fragt er unter Jubel – und erinnert sich an vergangene Konzert vor Ort: „Ich sage es ja: Hannover Rock City: Ich habe hier in Stadien gespielt und in ganz kleinen Hallen; es war immer unglaublich.“

„Weil ich dich liebe“, „Willenlos“, „Mit 18“, „Freiheit“, „Wieder hier“, sogar der alte „Taximann“ werden gespielt, eine gute Mi­schung aus Sitzen und Aufstehen, Hymnen und Rockern.
Es wird ein Ritt durch 50 Jahre MMW: Nostalgie und neue Töne und Vergangenheit, die hochkommt: „Reden wieder mal vom Krieg“, singt er, „Rock ’n’ Roll stirbt wieder mal“, sei’s drum: „Egal, ich lebe.“

Ohne am Denkmal kratzen zu wollen: Es ist ein souveränes Konzert, kein ganz großes; dafür ist es zu historisch. Egal, zitieren die Fans da den Meister, sitzen hier, sind etabliert: „Wer das nicht geil findet, der kann uns mal ...“

Von Stefan Golisch

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