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Kultur Wartke rappt den Gangsta-Schlager
Nachrichten Kultur Wartke rappt den Gangsta-Schlager
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16:32 09.09.2018
Wohnzimmerliche Atmosphäre: Bodo Wartke bei seinem Auftritt im Theater am Aegi. Quelle: Wilfried Essing
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Hannover

Das ist mal eine Frage: „Wer ist besser dran: der, der es empfindet, oder der’s nicht kann?“ Die Antwort, die Bodo Wartke im ausverkauften Theater am Aegi gibt, ist eindeutig: im Zweifel mit Gefühl.

Der Berliner Klavierkabarettist ist auf Einladung des Mimuse-Festivals. „Was, wenn doch?“ heißt das aktuelle Programm, eines von mehreren, die er parallel spielt. Es ist ein Programm der Möglichkeiten und des Unkonkreten, der Lieder, „mit denen Sie nicht gerechnet haben – ich habe selbst nicht damit gerechnet. Willkommen in Wartkes Welt. Die Bühne gleicht mit Bücherregalen, Stehlampe und Sitzecke einem Wohnzimmers.

Seine Methode: die Überfülle und von allem etwas. Er singt ebenso von der enttäuschten wie von der überfordernden Liebe, findet die umworbene Eva noch im Jever und bei der Uefa, reimt den Dreier auf „Auweia“. Er outet sich als Kavalier-Kavallerie, und spielt er einen Blues, ist das der Endreim, wo er mitmuss: Rendezvous, diffus, Dessous, Tattoos ...

Bildungsbürgerliche Späße, aber bitte nicht zu sehr. Mit Bachs Wohltemperiertem Klavier illustriert der Musikstudium-Abbrecher eine Sehnenscheidenentzündung. Mozarts „Zauberflöte“ und vor allem dessen Librettisten Johann Emanuel Schikaneder gibt er der Lächerlichkeit preis, indem er den Text mal so liest und singt, dass man ihn versteht: „Ich fand’s vorher besser.“ Ein bisschen Religionskritik darf auch noch sein („Nicht in meinem Namen“). Extremistenschelte kommt gut in diesen Tagen.

Es ist ein wohlfeiles Konzert von einem souveränen Entertainer: Wartke weiß sichtlich, was sein Publikum möchte, sorgt noch für Juchzer des Entzückens, als Echo auf Echo-Verwerfungen den „Gangsta-Schlager“ erfindet und auf die Melodie von Helene Fischers „Atemlos“ rüpelrappt. Klatschen auf 2 und 4 und großer Jubel. da ist ganz klar am besten dran, wer’s empfindet.

Von Stefan Gohlisch

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