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Kultur Volksmusik nach Rainald Grebe
Nachrichten Kultur Volksmusik nach Rainald Grebe
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00:15 18.03.2017
Lieder- und Theatermacher: Rainald Grebe. Quelle: Handout
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Hannover

Rainald Grebe (45) war für das Goethe-Institut an der Elfenbeinküste. Die Erfahrungen verarbeitete der Lieder- und Theatermacher im „Elfenbeinkonzert“. Das Album dazu (Broken Silence) erschien gerade; jetzt folgt die Tour. Ein Interview.

Nach dem „Anadigiding“ das „Elfenbeinkonzert“, in dem es, wenn ich es richtig verstanden habe, letztlich ums Deutschsein geht, oder?

Es sind zwei oder drei Hauptstränge, die verarbeitet werden. Das eine ist sicherlich die Reise an den Äquator, aber immer wieder verwoben mit der Frage, was ist Deutschland.

Sie waren für das Goethe-Institut an der Elfenbeinküste. Dieses Programm werden Sie dort kaum gespielt haben. Sondern?

Ich habe dort zehn Tage lang einen Workshop gemacht zum Thema „Volksmusik“ ...

... mit dem erweiterten Begriff „Volksmusik“, den Sie im Programm formulieren: „Volksmusik ist, was das Volk hört“?

Genau. Ich hatte dort Schüler und Studenten mit einem Chor. Die hatten schon ein Repertoire mit klassischen deutschen Liedern. Dazu kamen noch Musiker und Puppenspieler. Wir haben Sachen vorgestellt, in Rubriken wie Liebesliedern, Schlafliedern, Fußballliedern, Trinkliedern ... Wir haben das deutsche Lied vorgespielt und die das ivorische.

Was waren das für Lieder – beim Fußballlied zum Beispiel?

Da habe ich ein paar Kampfgesänge gemischt: „Es gibt nur einen Rudi Völler“ zum Beispiel, aber auch „Jogi Lö-höw“ oder „Deutschland!“, in verschiedenen Rhythmen. Und die haben dann ihren „Drogba“ gefeiert. Als Schlaflied gab es „Der Mond ist aufgegangen“. Oder als Liebeslied „Atemlos durch die Nacht“ – wir haben da noch einen Moll-Akkord untergeschoben. Dann war es richtig schön, und die haben das mit Begeisterung gesungen. Und dann selbst einen ihrer Radiohits gesungen. Und so ging das hin und her. Die hatten wohl auch nicht erwartet, dass es so abging.

Die Volksmusik, an der sie sich in dem Programm abarbeiten, ist der deutsche Hip-Hop und dort insbesondere der Niedergang des Endreims. Das macht Ihnen schon zu schaffen, oder?

Es ist ja fast ein Witz. Man kann beim Goethe-Institut mit den Fantastischen Vier Deutsch lernen – inzwischen übrigens auch mit Texten von mir; da musste ich auch sehr lachen. Also nehme ich den Hip-Hop durch, wie in der Klippschule. Dieses unsaubere Reimen ist dort ein Standard und zieht sich durch bis zu meinem Versuch unsauberen Reimens, „Palmöl in Malmö“. Wo es fast dadaistisch wird.

Ein weiterer Strang des Programms ist, dass jene, die für sich in Anspruch nahmen, dem Volk aufs Maul zu schauen, das vom Elfenbeinturm aus taten, von Herder über Goethe bis zu den Brüdern Grimm.

Das ist ein Ausflug, ja. Ich halte es da immer mit Peter Rühmkorff und seinem Buch „Über das Volksvermögen“. Da geht es genau um diese Schneise. Der wurde richtig angepfiffen, als Spanner, weil er sich auf die Spielplätze begab, um den Kindern zuzuhören. Das hat mir sehr imponiert. So dass ich jetzt auch ins Stadion gehe und mitschreibe. Und auf der anderen Seite steht diese Haltung des 19. Jahrhunderts: Ich erfinde mir jetzt ein Volk; ich erfinde mir ein Deutschland. Diese Pole machen es interessant.

Auch in dem Kontext, dass gewisse Leute auf Demonstrationen für sich in Anspruch nehmen, das Volk zu sein?

Das ist schon wieder etwas Anderes. Aber es schwingt auch mit.

Wenn Sie dem Volk aufs Maul schauen, sind dann Lieder wie „Mittelaltermarkt“ oder „Kinderbergwerk“ das Ergebnis?

Nee. Da bin ich der Herder und mache meine eigenen Liedchen raus.

Auf dem Mittelaltermarkt haben Sie sich nicht sehr wohl gefühlt, oder?

Nein (lacht). Das ist mir schon sehr zuwider, die meisten Sachen und Menschen, die ich da so sehe.

„Soundcheck mit Implantat“ und „Zusammenhang“ zumindest kommen noch aus dem „Anadigiding“. Beschäftigt Sie das Thema noch weiter?

Ja. ich habe das als größte Klammer des Abends gewählt, weil dieses Internet bei allen Themen, die noch kommen – von Trump bis „Lügenpresse“ – eine so große Rolle spielt. Und da ich nun auch schon langsam vermodere, ist es auch eine gute Klammer für die Neuzeit. Es ist das Betriebssystem unserer Zeit und wird mich weiter beschäftigen.

Nun kommen Sie nach Hannover zurück und haben sich im Lied „Stadtmarketing“ doch gar nicht mit dem hiesigen auseinandergesetzt ...

... hat Hannover denn einen Slogan?

Nicht, dass ich wüsste.

Glück gehabt. Es gibt ein paar Städte – Köln zum Beispiel –, die sagen, sie brauchen das nicht. Vielleicht holen wir das an dem Abend nach.

Aber Niedersachsen hat einen Slogan, der gerade zum schlechtesten aller Bundesländer gewählt wurde: "Niedersachsen. Klar“.

Was soll man dazu sagen? Das ist so wie „München mag dich“. Alles Mumpf.

Rainald Grebe live: am 18. und 19. April im Pavillon. Karten kosten 24 bis 32,80 Euro.

Von Stefan Gohlisch

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