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Kultur Viggo Mortensen streift durch die Endzeitwelt
Nachrichten Kultur Viggo Mortensen streift durch die Endzeitwelt
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17:07 06.10.2010
Keine Hoffnung, nirgends: Der Mann (Mortensen) und der Junge (Smit-McPhee) sind unterwegs zum Meer. Überall treffen sie Zerstörung an.
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VON STEFAN GOHLISCH

Sind wir immer noch die Guten?“, fragt der Junge. „Das werden wir immer sein“, sagt der Mann. Aber was heißt das schon in einer Welt jenseits von Gut und Böse? Der Mann hat es längst vergessen und merkt es nicht einmal. Der Junge hat es nie gelernt; er wurde in diese Welt geboren, im Angesicht der Katastrophe.

Die Erde stirbt, die letzten Bäume fallen, die Tiere sind tot. Die Landschaft sieht aus, als hätten sich Riesen in ihr gewälzt. Grauen und Zerstörung, grau und schlammfarben bis zum Horizont. Warum das so ist, wird nie erklärt. Es ist auch nicht nötig.

Nach Süden ziehen der Junge und sein Vater, zum Meer; dort sei auch die Mutter (Charlize Theron) hingegangen, hat dieser erzählt. In Wahrheit ging sie halbnackt in den Schnee und kehrte nicht zurück, weil sie es nicht mehr aushielt. „Ich will nicht nur überleben“, hatte sie gesagt. „Wir schaffen das schon“, hatte der Mann gesagt, sagt jeder Mann, jederzeit. Was den schrecklichen Stoff ganz nah im Hier und Jetzt verortet. Frösteln im überheizten Kinosaal.

John Hillcoat hat diesen Film, „The Road“, gemacht, ein nahezu unbekannter australischer Regisseur; vor fünf Jahren drehte er den Western „The Proposition“ nach einem Buch seines Freundes Nick Cave, für den er auch Musikvideos realisiert hatte und der nun den zurückhaltenden Soundtrack schrieb. Hillcoat entwarf die finsterste Zukunftsvision, die es bislang auf die Leinwand geschafft hat, ein Film wie eine Walze, der einen quälend langsam überrollt, bis einem der Atem stockt, bis zum bittersüßen Ende, das mehr Hoffnung macht, als es die Vorlage hergibt, der Roman „Die Straße“ von Cormac McCarthy („No Country for Old Men“).

Böse ist, wer andere Menschen isst, wiederholt der Mann, als sei es ein Mantra. So ernähren sich viele. Und sonst? Wer Mensch ist, macht sich verdächtig. Zwei Kugeln hat der Mann in seiner Pistole, eine für sich, eine für den Sohn. Die Alternative ist schlimmer.

Diese Welt, die in Trümmern liegt, ist riesig geworden und zugleich sehr klein. Beinahe ein Kammerspiel ist es geworden, mit dem besten Viggo Mortensen, den es je gab. An seiner Seite Kodi Smit-McPhee, ein aufgewecktes Kerlchen wie der junge Jimi Blue Ochsenknecht, aber ohne dessen Blasiertheit. Man wird ihn demnächst im US-Remake des schwedischen Vampir-Films „So finster die Nacht“ sehen können. Kurzauftritte haben Robert Duvall, Guy Pearce und Molly Parker.

Doch was sich einbrennt in das Gedächtnis des Zuschauers, ist das Gesicht Mortensens. Der Tod und der Schmerz und das Elend haben sich ihm eingeschrieben. Man schaut direkt in seine schwarz gewordene Seele. Und diese blickt zurück.

„The Road“ (ab 16), USA 2009, 111 Minuten. Regie: John Hillcoat. Darsteller: Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron.

Bewertung: 5/5

Was bedeutet Menschlichkeit in einer Welt ohne Menschen? Diese düsterste aller postapokalyptischen Welten hallt lange nach.

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