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Kultur Uraufführung von "Eszter Solymosi von Tiszaeslár" am Schauspiel Hannover
Nachrichten Kultur Uraufführung von "Eszter Solymosi von Tiszaeslár" am Schauspiel Hannover
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11:47 20.09.2010
Im Bühnenregen: Moritz, der rebellische jüdische Junge, begegnet in Traumbildern dem dämonischen Geist der ermordeten Eszter. Quelle: Ribbe
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VON EVELYN BEYER

HANNOVER. Dämmrig ists und es regnet, nässt unentwegt aus der Rieselanlage auf den immer matschigeren Torfboden und auf das klaustrophobisch enge Dörfchen, das Márton Ágh auf die Cumberlandsche Bühne gestellt hat. Jede Ecke ist zugebaut, im Fenster des niedrigen Gutshauses hockt reglos eine Katze, auf dem schiefen Schweinestall, in dem die Juden eingesperrt sind, sitzt ein Hahn.
So könnte es ausgesehen haben, 1882 in Ungarn, als ein Mädchen vermisst wird und das Gerücht aufkommt: Die Juden warens. In „Eszter Solymosi von Tiszaeszlár“ erzählt Regisseur Kornél Mundruczó davon, er tut es in düstren und verrätselten Bildern.
Im fahlen Bühnenmond huschen verhärmte Frauen in Schwarz herum, Gutsherr und Gerichtsbeamter keuchen finster, die Juden, bärtig, mit schwarzen Hüten, trippeln mit gebundenen Füßen herum, kaum aufbegehrend, sich ans Gebet klammernd. Und dazwischen spukt dämonisch der Geist Eszters (Johanna Bantzer), nur wahrnehmbar für Moritz (Martin Vischer), den jüdischen jungen Rebellen, der seine Religion verrät und seinen Vater des Mordes an Eszter beschuldigt, wohl weil sie ihm nah stand. Zumindest lässt Mundruczó sie im Bett zusammen „Happy together“ singen.

Das sieht man auf dem Laken an der Wäscheleine, wohin das Innenleben des Hauses und seiner Bewohner projiziert wird. Einblicke in viel Lüsternheit Moritz betreffend, ansonsten Angst, Hass und Wut. Draußen sind davon nur die diffusen Ausbrüche zu sehen, Prügelei, ein abgeschnittenes Ohr. Doch hier ist nicht der Ort, im Monolog das Innerste nach außen zu kehren, wie klassische Theaterhelden es taten. Mundruczó nimmt sogar dem Dialog seine Bedeutung, es wird genuschelt, gleichzeitig geredet, betont untheatralisch. Doch die Stichworte kommen an, die Furcht vor den Fremden, die Tiere schächten, Matzen statt Brot essen und den Kopf streng bedeckt halten.

Beklemmend. Nichts klärt sich, selbst wenn die Juden, so der Epilog, im Prozess später freigesprochen wurden. Mundruczó, ein mit viel Lorbeern bedachter Film- und Theaterregisseur, findet großartige, filmreife Bilder. Doch sie bleiben für sich im Gestern hängen, schaffen nicht den eigentlich doch klaren Bezug zum Heute. Man applaudiert (reichlich), schüttelt sich und geht erleichtert hinaus ins lichte Hannover 2010.
Noch 22.–26. September

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