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Der frisch gebackene «Nestroy»-Preisträger Daniel Kehlmann.

Der frisch gebackene «Nestroy»-Preisträger Daniel Kehlmann. © Georg Hochmuth

Theater

Zweikampf mit Witz: Erfolg für Kehlmanns "Der Mentor"

Nachdem Autor Daniel Kehlmann in seinem Erfolgsroman "Die Vermessung der Welt" zwei Wissenschaftler gegeneinander antreten ließ, steht bei seinem neuen Theaterstück der Konflikt zweier Schriftsteller im Fokus.

Wien. "Der Mentor" feierte am Donnerstag Uraufführung im Wiener Theater in der Josefstadt. Vom Publikum gab es für das Drama viel Applaus, obwohl der Hauptdarsteller Michael Degen (80) kurz zuvor ausgefallen war. Der Regisseur übernahm seine Rolle.

Bevor sich der Vorhang für die Vorstellung hob, meldete sich deshalb auch der Stiftungspräsident des Theaters, Günter Rhomberg, zu Wort: "Glück und Unglück liegen am Theater manchmal sehr nahe beieinander." Michael Degen hätte den alternden Dichter Benjamin Rubin geben sollen, erkrankte aber drei Tage vor der Premiere. Josefstadt-Intendant, Schauspieler und Regisseur des Stückes, Herbert Föttinger, sprang ein und musste sich mit seiner Leistung wahrlich nicht verstecken. Degen wird nach Angaben des Theaters vermutlich auch bei den nächsten Aufführungen nicht auftreten können.

Auf der Bühne geht es um zwei Schriftsteller, die beide nur wegen des Honorars an einem Projekt teilnehmen. Ein angesehener, alter Schreiber soll dabei einem jungen Mann am Anfang seiner Karriere unter die Arme greifen. Fünf Tage verbringen die Männer in einem abgeschiedenen Landhaus miteinander, Eifersüchteleien und zahlreiche Konflikte inklusive.

Bereits beim ersten Aufeinandertreffen wird klar, dass die gemeinsame Zeit ungemütlich wird. Auf der einen Seite steht der alte, selbstverliebte Dichter Rubin, der seine besten Tage schon lange hinter sich hat und nur noch abgedroschene Phrasen wiederholt. Ihm gegenüber positioniert sich der junge und arrogante Schriftsteller Martin Wegner (Florian Techtmeister), der seinen Weg in die Geschichtsbücher sucht und im Laufe der Zeit von immer mehr Selbstzweifeln geplagt wird.

"Es heißt nicht, dass Sie unbegabt sind. Man merkt es nur nicht", sagt Rubin zu Wegner, nachdem er sein Manuskript gelesen hat. Der Zweikampf der Männer verschärft sich noch durch Wegners attraktive und laszive Frau Gina (Ruth Brauer-Kvam), die sich ein kurzes Intermezzo mit Rubin gönnt. Die Wogen (vergeblich) zu glätten versucht der Kulturfunktionär Erwin Wangenroth (Siegrfried Walther) auf sehr humorvolle Weise.

Die Bühne, nur sehr spärlich dekoriert von Herbert Schäfer, lässt den Darstellern viel Raum. An der schwarzen Feuermauer sind ein paar Bühnenbilder teils verdreht aufgestellt, Leitern lehnen daran, Seile hängen herab. Der Boden ist mit weißen Kieselsteinen bedeckt, der immer wieder Staub aufwirbelt. Unzählige Bühnenlichter sind wohl symbolisch auf Rubin und Wegner gerichtet: Beide suchen das Scheinwerferlicht mehr als alles andere und finden es doch nicht.

Während Kehlmann bei seinem Bühnenerstling "Geister in Princeton" gehaltvoll Einblick in die verrückt faszinierende Weltsicht eines Wissenschaftlers gibt, bleibt "Der Mentor" eher an der Oberfläche. Das Stück erheitert in eineinhalb Stunden mit viel Wortwitz ohne aber große Fragen aufzuwerfen.

Kehlmann selbst saß während der Vorstellung in der Mitte des Publikums und konnte sich, ebenso wie die anderen Besucher, gut über sein Stück amüsieren. Der schüchterne Autor fühlte sich im Dunklen als Zuschauer aber doch sichtlich wohler als beim großen Schlussapplaus auf der Bühne.

dpa


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