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Guten Appetiti: „Beytna“ beginnt wie ein gemeinsames Kochen.

Guten Appetiti: „Beytna“ beginnt wie ein gemeinsames Kochen.
 © Lukas J. Herbers

Tanztheater International

Zum Abschied des Festivals ein Essen

Wunderbares Finale vom Festival Tanztheater International: Zum Abschluss lud Omar Rajeh in seiner Choreografie „BEYTNA“ zur gemeinsamen Einkehr.

Hannover.  Aromatische Düfte durchziehen die Orangerie, es riecht nach Gemüse und Gewürzen. An einem langen Tisch sind etliche Herren und eine Dame mit dem Schnibbeln entsprechender Köstlichkeiten beschäftigt. Ein Kochkurs? Nein, der Abschluss des Festivals „Tanztheater International“.

Der Abend heißt „BEYTNA“, was so viel wie „Unser Zuhause“ bedeutet. Der libanesische Choreograph Omar Rajeh hat sich an das einstige Tafeln im großen Familienkreis erinnert und daraus eine Performance entwickelt. Mit Kollegen aus aller Herren Länder wird nun getanzt, geschnackt und eben Essen zubereitet, nämlich eine große Schüssel des libanesischen Brotsalats Fattoush. Rajehs Mutter führt dabei die Oberaufsicht.

Dabei findet keineswegs eine oberflächliche Multikulti-Paradies-Beschwörung statt. Die Tanzsprachen, die hier zunächst einzeln und dann in wechselnden Besetzungen vorgestellt werden, sind durchaus sehr unterschiedlich. Zunächst zeigt Anani Sanouvi aus Togo einen höchst explosiven Stil mit ausgeprägter Beinarbeit, deutlich theatraler agiert anschließend der Belgier Koen Augustijnen. Der Taiwanese Shang-Chi Sun wiederum besticht mit schlängelnden Bewegungen, und Omar Rajeh selbst präsentiert schließlich eine bemerkenswerte Mischung aus Kraft und Eleganz. Vier Musiker aus den Nahen Osten, die Oud-Spieler Ziyad Sahhab, Ziad Ahmadie und Samir Nasr Eddine sowie der Perkussionist Youssef Hbeisch steuern zu alledem sensationell mitreißende Live-Klänge bei.

Zwischendurch gibt es mal eine kleine Filmeinspielung oder ein bisschen Gefrotzel über kulturelle Eigenheiten, und irgendwann ist der Salat fertig. Als das Publikum Rajehs Einladung zum gemeinsamen Essen nicht recht zu registrieren scheint, bringen die Performer die Teller ihrerseits in die Zuschauerreihen, bis Sanouvi etwas deutlicher formuliert, dass man die Leute tatsächlich gerne auf der Bühne sehen würde. Dort geht es bald munter zu, erst recht, als sich ein Überraschungsgast in Gestalt des hannoverschen Choreographen Felix Landerer unter die Menschen mischt und ein Tänzchen zeigt.

Irgendwann ist dann auch gut, Rajeh und Augustijnen legen noch eine Art getanzten Ringkampf aufs Parkett, um zu zeigen, dass zur Begegnung eben auch die gepflegte Auseinandersetzung gehört. Riesenjubel für ein wunderbares Festivalfinale.

Die Bilanz

Nicht ganz so wunderbar fällt die Bilanz aus. 2600 Besucher sorgten für eine Auslastung von 88 Prozent, was natürlich keine schlechte Zahl ist, doch hat man in den vergangenen Jahren regelmäßig Zahlen jenseits der 90 erreicht. Festivalleiterin Christiane Winter kann denn auch im Gespräch einen Hauch von Enttäuschung nicht verbergen, verständlich, wenn man weiß, wie stark gerade diese Veranstaltungsreihe von Eintrittsgeldern abhängig ist. „Eine Erklärung für den Rückgang habe ich nicht“, sagt Winter. „Inhaltlich bin ich mit dem Programm voll zufrieden. Ich habe alles umgesetzt gesehen, was ich mir vorgenommen und gewünscht hatte. Themen, die uns alle angehen: das Miteinander, die Fremdheit oder auch den Umgang mit der Zeit. Und das in vielen, teils etwas verborgenen Schichtungen – mit dem Holzhammer werde ich auch in Zukunft nicht arbeiten.“

Von Jörg Worat


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