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Nordenglisch-isländisch angehaucht: Lena Meyer-Landruths Stimme.© dpa

NP-Kritik

Zeug zum Chartstürmer: Lenas neues Album

Lena gibt es jetzt in Albumlänge, das Debüt „My Cassette Player“ steht seit heute in den Regalen. Die NP hat es gestern schon gehört. Eine Kritik.

Hannover. Lenas Debüt heißt „My Cassette Player“. Gewidmet ist der Titel den Tapes ihrer Kindheit. Das stimmungsvolle Album-Cover der in einem Kassettenhaufen sitzenden Lena (kein „Meyer-Landrut“ weit und breit) - geschossen von der hannoverschen Nachwuchsfotografin Sophie Krische - versetzt dabei durchaus auch Ältere in Kauflust. Steigt den Radiosendungsmitschneidern von anno Abba doch der Geruch von frischem BASF-Plastik in die Nase, glaubt man, das vertraute Knirschen sich verfilzender Bänder, das kantige Schnappen der Stopptaste zu hören. Tribut an eine aussterbende Geräteart - von einer Frau mit viel Zukunft.

13 Songs gibt es, darunter das schon auf Single veröffentlichte Star-für-Oslo-Endrunden-Song-Trio „Satellite“ (der Contest-Hit mit Ähnlichkeit zu Crackers 1992er Indie-Kracher „Teen Angst“), „Bee“ und „Love me“. Wer dachte, eine Kette Cover-Perlen zu erhalten, staunt: Acht Stücke kommen aus Produzent Stefan Raabs Feder, bei fünfen taucht Lena als Ko-Autorin der Texte auf.

Das Album startet flott mit „Satellite“, gefolgt vom Titelsong, der eine Anmutung von Motown-R’n’B hat, was dann mit einem Banjo gebrochen wird. Motown, zeitgemäß aufgebrezelt, erweist sich als einer der Haupteinflüsse dieses Albums - auch in „Love me“, „I Just Want you Kiss“ und „You Can’t Stop me“ ist der alte Detroit-Soul auszumachen. In „I Like to Bang my Head“ jazzelt und rappt Lena zum Beat von Queens „Another One Bites the Dust“, „Caterpillar in the Rain“ ist eine adrette Pianoballade, Blues trifft Folk mit Schmurgelorgel und Klampfe bei „Touch a New Day“, bluesig gerät das mit Gospel-Ooohs verzierte „Wonderful Dreaming“.

Der an Kolleginnen wie Emiliana Torrini und Kate Nash erinnernden nordenglisch-isländisch angehauchten Vortragsweise wohnen ein schläfrigmaunziges Räkeln und ein sinnlicher Seufzer inne. Lena lässt dabei stets die Worte süß swingen, verzögert, wechselt von Singen in Sprechen, bricht Worte gern entzwei, was oft knus­prig (manchmal auch etwas zu gewollt und dann affektiert) klingt. Cover-Versionen: Ellie Gouldings „Not Following“ mit Doowop-Gesang und Glockenspiel kommt als flotter Offbeat à la Jonathan Richmans „Egyptian Reggae“. Adeles „My Same“ ist flanierender Jazzpop der cure­schen „Love Cats“-Klasse. Jason Mraz’ „Mr. Curiosity“ ist die Königsballade des Albums, ein Gefühlsbad per Klavier, dem sich später Streicher beigesellen. Mittendrin wird eine gently träumende Gitarre vernommen.

Ein charmantes Debüt, sehr verspielt, kein Vergleich mit all den eher einfallsarmen DSDS-Plattitüden. Lena hat das Pfund ihrer ungewöhnlichen Stimme, hat das Zeug zu Charts und Lorbeer, unerheblich, ob Leute ihr Image (Stilisierung einiger Charakterzüge) mit der realen Person (viel komplexer) verwechseln oder TV-Rollen für bare Münze nehmen. Mag „oben ohne“ bei der Generation Star Wars noch zum Skandal taugen – der Abi-Jahrgang Avatar nimmt den Busen cool als Körperteil unter anderen wahr. Locker bleiben. Oslo wartet. Es geht wieder um Musik.

Lena: „My Cassette Player“ (Universal), von heute an erhältlich.

(Von Matthias Halbig)


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