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MÄNNERTRAUM: Zwei Blondinen am Bett sind in der Regel besser als eine. Görge (Robert Künzli) schläft trotzdem weiter. © Landsberg

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Konzert

Zemlinskys seltener „Traumgörge“ hat in der Staatsoper Premiere

Wer träumt, hat es besser - eine Botschaft, die diese Oper mit traumhafter Musik vermitteln kann: In der Staatsoper hatte „Der Traumgörge“ von Alexander Zemlinsky heftig umjubelte Premiere. Der 1906 entstandene Zweieinhalbstünder wird äußerst selten aufgeführt, deshalb waren Opernfans aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus Wien angereist.

Hannover. Und nicht nur für die hat es sich gelohnt: Denn die Oper an sich ist schon eine Pracht mit ihrer schwelgerischen Tonsprache, reichlich Streicherschmelz, Harfenrauschen und spätromantischem Klingklang. Wer mal wieder so richtig in Klang baden möchte, ist hier richtig. Alles ist in Zemlinsky: Wagner, Strauss, Operette und mehr - und man hört, wo sich Hollywoods Filmkomponisten dann später erfolgreich bedienten.

Trotz mächtigen Orchestereinsatzes bleibt alles durchsichtig, das Staatsorchester (Leitung: Mark Rohde) realisiert die Partitur in Bestform - in der sich auch die Sänger präsentieren, die durchweg aus dem Ensemble kommen: allen vorweg Robert Künzli als Traumgörge mit ausdrucksstarkem und kraftvollem Tenor, der die exaltierten Passagen genauso schafft wie Kelly God als Hexe Gertraud. Christopher Tonkin als Soldaten-Hans beweist neben profunden Bassfähigkeiten einen bemerkenswerten schauspielerischen Einsatz.

Die märchenhafte Ge-schichte erzählt vom Görge, der am liebsten träumt, seine Verlobung darüber vergisst, sein Leben lang Außenseiter bleibt und sich am Ende mit einer Ausgestoßenen zusammentut für ein friedvolles gemeinsames Leben - eine Oper mit Happy End, in der es vorher noch einen veritablen Arbeiteraufstand gibt.

Das hat Schauspielregisseur Johannes von Matuschka (Hannover ist sein Operndebüt) in eine höchst ansehnliche und nachvollziehbare Traumdeutung verwandelt. Das Bühnenbild ist angemessen karg, ein Vexierbild mit gespiegelten Türen und verschobenen Perspektiven. Albtraumhafte Gestalten (Kostüme: Amit Epstein) bedrängen Görge in einem optisch raffinierten Wasserbett. Und selbst der Aufstand des Prekariats in Oxfam-Klamotten wirkt nirgends peinlich. Wunderbar ist das Schlussbild mit der Schlafstatt in der Mitte der Bühne und einem sanften Schneefall vom Bühnenhimmel: „Lasst uns träumen“, singt Görge. Recht hat er.

Bewertung: 5/5

IMMER NOCH EIN GEHEIMTIPP

Alexander Zemlinsky (1871–1942) ist einer der Großen der Spätromantik, wurde erst in den vergangenen Jahren wiederentdeckt – und hat ein bemerkenswertes Werk aus Opern, Kammermusik und Sinfonischem hinterlassen. Im Foyer präsentiert die Staatsoper eine Ausstellung über Leben und Werk – zusammengestellt vom Wiener Alexander-Zemlinsky-Fonds, der die Geschichte des zu Lebzeiten erfolgreichen Dirigenten und Komponisten (Wiener Staatsoper) erzählt – der 1938 vor den Nazis nach New York flüchtete und 1942 hier verkannt an einem Schlaganfall starb. Sein Grab ist heute in Wien.


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