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Friedrich Christian Flick vor Martin Kippenbergers Arbeit «Acht Bilder zum Nachdenken, ob das so weitergeht».

Friedrich Christian Flick vor Martin Kippenbergers Arbeit «Acht Bilder zum Nachdenken, ob das so weitergeht». © Stephanie Pilick

Kunst

Zehn Jahre Flick-Sammlung in Berlin

Selten war eine Leihgabe so umstritten wie diese: Als der Kunstsammler und Mäzen Friedrich Christian ("Mick") Flick vor zehn Jahren seine weltbekannte Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundeshauptstadt zusagte, brach ein Sturm der Entrüstung los.

Berlin. Es sei eine "Göring Collection", der Milliardär habe sie mit "Blutgeld" seiner Familie aus der Nazi-Zeit aufgebaut, kritisierten die Gegner. Inzwischen ist die hochkarätige Sammlung im Berliner Museum Hamburger Bahnhof längst zu einem Touristenmagnet geworden, auch wenn ihre umstrittene Geschichte bis heute unvergessen ist.

"Der Kunsttransfer nach Berlin ist ein Glücksfall", frohlockte die damalige parteilose Kulturstaatsministerin Christina Weiss, als der in der Schweiz lebende Flick und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz am 9. Januar 2003 den Leihvertrag unterzeichneten. Doch längst nicht jeder sah das so. Stein des Anstoßes war die NS-Vergangenheit von Friedrich Flick, dem Großvater des Mäzens.

Der Großindustrielle (1883-1972) war einer der wichtigsten Rüstungsunternehmer im nationalsozialistischen Deutschland. Er pflegte enge Verbindungen zu den damaligen Machthabern und beschäftigte zehntausende Zwangsarbeiter. Gleichwohl beteiligte sich sein Enkel später nicht am deutschen Fonds zu deren Entschädigung. Stattdessen gründete er mit 10 Millionen Euro eine Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz.

Die Kritiker, vor allem Vertreter des Zentralrats der Juden, warfen dem heute 68-jährigen Kunstsammler vor, mit der Leihgabe das Geld seiner Familie reinwaschen zu wollen. Sogar die eigene Schwester forderte, die geplante Ausstellung zu verschieben, bis die NS-Familiengeschichte aufgearbeitet sei. Zuvor hatte schon Zürich das Angebot mit Hinweis auf die Herkunft des Flick-Vermögens abgelehnt.

Fürsprecher in Berlin war der damalige Chef der Preußen-Stiftung, Klaus-Dieter Lehmann, heute Präsident des Goethe-Instituts. Er setzte sich nachhaltig für die Übernahme ein. Enkel und Urenkel könnten für die Taten ihrer Großväter nicht in "Sippenhaft" genommen werden, warnte er.

Am 21. September 2004 war es dann schließlich so weit. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder konnte die "Flick Collection" im Hamburger Bahnhof eröffnen. "Schuld kann man nicht erben, Verantwortung schon", zitierte der SPD-Politiker einen früheren Satz des Mäzens. Flick hatte für die Präsentation die angrenzenden Rieckhallen für 8 Millionen Euro herrichten lassen.

Seither wird in dem Museum in wechselnden Ausstellungen die insgesamt 1500 Arbeiten umfassende Sammlung gezeigt. Herzstück sind hunderte Werke des Amerikaners Bruce Nauman. Hinzu kommen wichtige Werke von Andy Warhol über Sol LeWitt, Robert Ryman, Nam June Paik bis hin zu Pipilotti Rist und Jeff Wall. Deutsche Positionen sind etwa mit Sigmar Polke, Gerhard Richter, Georg Baselitz und Neo Rauch vertreten. Insgesamt schätzen Experten den Wert auf mindestens 300 Millionen Euro.

Allein die erste Schau lockte innerhalb von einem halben Jahr rund 250 000 Besucher an, hatte allerdings auch einige Störungen zu verzeichnen. So versuchte ein 55-jähriger Kanadier eine Ampulle mit Blut auf eine Skulptur von Paul McCarthy zu schütten. Ein andermal gab es Proteste mit "Alarmsirenen".

Inzwischen ist es um die Sammlung deutlich ruhiger geworden. 2008 schenkte der Mäzen der Preußen-Stiftung 166 herausragende Werke, 2011 verlängerte er die zunächst auf sieben Jahre befristete Leihgabe um zehn Jahre - ein Proteststurm blieb aus.

dpa


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