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Iris Berben will nicht mehr Rosa Roth sein. Foto: Robert Schlesinger

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Medien

ZDF schickt lauter Serien in Rente

Fast jeden Freitagabend sitzen Hans Buchwald und seine Frau Siegrid auf ihrer Couch in Marl. Es ist 19.25 Uhr. Es läuft ZDF - der "Landarzt" oder "Forsthaus Falkenau".

Berlin/Marl. "Wir freuen uns immer darauf, wenn diese Sendungen kommen", sagt Hans Buchwald der dpa. Der 70-Jährige hat schon die ersten Folgen dieser Heimatserien geguckt. Das ist mehr als 20 Jahre her. In Zukunft muss er sich wahrscheinlich eine andere Lieblingssendung suchen - genau wie viele andere Heimat-Fans. In der vorigen Woche hatte das ZDF angekündigt, die beiden Klassiker einzustellen. Auch die ebenfalls beim älteren Publikum geschätzten Serien "Rosa Roth" und "Stolberg" laufen aus - bei "Rosa Roth" auf Wunsch von Hauptdarstellerin Iris Berben (62).

Das Zweite will sein Vorabend- und Abendprogramm modernisieren und wieder mehr jüngeres Publikum ansprechen. "Zur kontinuierlichen Modernisierung eines TV-Programms gehört auch der gelegentliche Abschied von langlaufenden Formaten", hieß es aus Mainz. "Sonst gäbe es keine Sendeplätze für Neuentwicklungen." Am 23. November soll die erste Folge der neuen Serie "Schafkopf" ausgestrahlt werden.

Heimatserien wie das auslaufende "Forsthaus Falkenau" hingegen werden am Vorabend immer seltener. "Unser Charly", früher immer samstags im Programm, ist bereits eingestellt. Stattdessen gibt es immer mehr Mord und Totschlag. Neben "Soko 5113" haben sich Sokos in Wismar, Wien, Kitzbühel, Köln und Stuttgart gebildet. Dazu kommen "Cops" in Rosenheim und Garmisch, die "Küstenwache" und "Notruf Hafenkante".

Der treue Gebührenzahler Hans Buchwald vermisst an den neuen Plots vor allem die "leichte und verständliche Handlung" seiner Lieblingssendungen. Die Geschichten seien nicht so leicht nachzuvollziehen. Zudem wirkten die neuen Kommissare oft "überschlau und überheblich". Ganz anders als beim "Landarzt" oder dem "Forsthaus Falkenau": "Das sind Krimis, die man besser durchschauen kann", sagt Buchwald. Geschichten, "die am Ende zufrieden ausgehen".

Die Buchwalds sind nicht mit ihren Vorlieben nicht allein. Jedenfalls konnten sich die Einschaltquoten der Heimatformate zuletzt sehen lassen. Die letzten beiden "Landarzt"-Staffeln verfolgten je mehr als vier Millionen Zuschauer. Beim zweiten Blick auf die Quoten wird jedoch klar: Das Publikum wird immer älter, jüngere Zuschauer von 14 bis 49 wachsen bei den Heimat-Klassikern nicht nach. Weil der Sender Teile des Vorabend-Programms durch Werbung finanziert, sind auch die jungen Zuschauer wichtig.

Der Vizechef der Senioren-Union, Leonhard Kuckart, stört sich an der Abkehr vom älteren Publikum. "Der Gedanke ist genau falsch", sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Die Zielgruppe der Älteren wird immer größer, nicht die der Jüngeren." Die Öffentlich-Rechtlichen seien gut beraten, auf die Älteren zuzugehen. "Wenn sie das nicht tun werden, wandern die denen ab."

Im Internet wird das Thema kontrovers diskutiert. "Sehr gute Entscheidung, längst überfällig", schreibt beispielsweise ein Leser auf "Welt Online". Doch auch kritische Meinungen sind zu lesen. "Forsthaus Falkenau und Landarzt sind Kult. Vor allem aber sind das noch Serien, die auch Kinder noch anschauen können.", schreibt ein anderer auf der Homepage des "Fokus". "Will man denn für die Mehrheit der Zuschauer überhaupt kein Programm mehr machen?"

Momentan können Hans und Siegrid Buchwald noch auf andere Sendungen ausweichen. "Stubbe", "Traumschiff" oder "Der Alte" zum Beispiel. Die Auswahl am Vorabend wird für die ältere Zielgruppe jedoch spürbar kleiner. Buchwald: "Wenns noch ein bisschen runtergeht, kann ich den Fernseher bald abschaffen."

Ein Hoffnungsschimmer für die Buchwalds: Das ZDF hält sich bei "Landarzt" und "Forsthaus Falkenau" noch eine Tür offen. "Das wird sicherlich nochmal diskutiert werden", sagt ZDF-Intendant Thomas Bellut am Freitag. Und er verspricht: Der "Bergdoktor" wird fortgesetzt.

dpa


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