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DEUTLICH GEREIFTER: Wolfgang Niedecken will es mit der Jubiläumstour noch einmal wissen.© Marius Becker

Porträt

Wolfgang Niedecken ist 65 - und gut drauf

40 Jahre BAP: Jubiläumstour startet. . „Verdamp lang her“, dass die Kölner Band BAP die deutsche Rockszene aufmischte. So lange, dass BAP-Gründer Wolfgang Niedecken mittlerweile das Alter erreicht hat, in dem die meisten Menschen in Rente gehen. 65 Jahre ist Niedecken gerade geworden - doch vom Künstler-Ruhestand ist der gebürtige Kölner weit entfernt: Niedecken geht mit BAP auf Jubiläumstour und kommt auch nach Hannover.

Köln. Denn viereinhalb Jahre nach seinem Schlaganfall hat der BAP-Frontmann doppelten Grund zu feiern - er hat überlebt, und die Band hat dieses Jahr 40. Geburtstag. Der BAP-Ohrwurm „Verdamp lang her“ von 1981 zählt bis heute zu den erfolgreichsten Songs der Kölner Gruppe, der Anfang der 1980er Jahre Ungewöhnliches gelang: Mit Niedeckens Texten im Kölner Dialekt wurde BAP Deutschlands erfolgreichste Rockband.

Damals, in der großen Zeit der Friedens- und Anti-Atomkraft-Bewegung, trafen die Kölsch-Rocker das Lebensgefühl einer ganzen Generation - mit Songs wie „Drei Wünsche frei“ gegen Aufrüstung, aber auch mit Balladen wie „Do kanns zaubere“ (,Du kannst zaubern‘) und mit Stücken gegen Rassisten und Neonazis.

Ohne Niedeckens kölsche Texte wäre der Erfolg von BAP - der Bandname ist vom rheinischen Wort für „Papa“ abgeleitet - nicht vorstellbar gewesen. Der aus der Kölner Südstadt stammende Sohn eines Lebensmittelhändlers hatte die Band zusammen mit seinem Freund Manfred Boecker 1976 während seines Studiums der Malerei an der Kölner Fachhochschule gegründet. Damit entstand in der Kölner Musikszene etwas völlig Neues: Lieder im Kölner Dialekt waren bis dahin dem Karneval und Mundartgruppen wie den 1970 gegründeten Bläck Fööss vorbehalten gewesen.

Eine Rockband auf Kölsch - das gab es vor Niedecken nicht. Es sei für ihn immer klar gewesen, dass er nicht englisch oder hochdeutsch singen werde, sagte der schon in seinen Jugendjahren von Bob Dylan faszinierte Niedecken später in einem Interview.

Heute steht Niedecken, der auch eine Reihe von Soloalben veröffentlichte und mehrere Musik- und Kulturpreise erhielt, bei BAP-Auftritten als letztes Mitglied der Urbesetzung auf der Bühne. Schockiert reagierten die vielen Fans des Kölners auf die Nachrichten von Niedeckens Schlaganfall im November 2011, kurz vor einer geplanten Tournee.

Der damals 60-Jährige erholte sich jedoch schnell von der schweren Erkrankung und gab schon im darauffolgenden Frühjahr mit BAP wieder die ersten Konzerte. Anfang 2013 erhielt der in zweiter Ehe verheiratete Vater von vier Kindern eine Auszeichnung, die weit über sein kulturelles Lebenswerk hinausging: Für Niedeckens langjähriges Engagement als Botschafter der Hilfsaktion „Gemeinsam für Afrika“ und für ehemalige Kindersoldaten überreichte ihm Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.

40 Jahre nach der BAP-Gründung zog Niedecken in einem Interview eine zurückhaltende Zwischenbilanz seines jahrzehntelangen Einsatzes gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. „Was kann ein Musiker tun? Er kann seinen Teil dazu beitragen, dass die Menschen nicht verhärten“, sagte der Sänger, „ich predige keine Gewissheiten.“ Er bilde sich nicht ein, dass er als Künstler schlauer sei als sein Schuster oder sein Zahnarzt: „Sagen zu wollen, wo es langgeht, wäre anmaßend.“

Mit Blick auf die Einstellung zu Flüchtlingen zeigte sich Niedecken aber zugleich überzeugt, er habe „viel erreicht, wenn die Leute sich bei einem Song vorstellen, wie es wäre, wenn in Deutschland ein Bürgerkrieg toben würde“ - und niemand fliehen könne, „weil die Grenzen nach Frankreich oder Dänemark dicht sind. Was das bedeutet, würde ich wahrscheinlich sogar einem AfD-Wähler klarmachen können.“

VON CHRISTOPH DRIESSEN

LEBENSLÄNGLICH

Wolfgang Niedecken kommt mit BAP auf seiner Jubiläumstour „Lebenslänglich – 1976 – 2016“ am 19. Mai in die Swiss-Life-Hall (ab 20 Uhr). Der Vorverkauf hat begonnen, die Karten kosten 39,90 bis 56,90 Euro. Tickets gibts in den NP-Ticket-Shops, unter Telefon 0511/12?12?33?33 oder www.neuepresse.de/tickets


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