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SANFTE KLÄNGE: Ludovico Einaudi am Steinway im Kuppelsaal konzentriert sich ganz auf seine Musik. Foto: Petrow

SANFTE KLÄNGE: Ludovico Einaudi am Steinway im Kuppelsaal konzentriert sich ganz auf seine Musik. © Florian Petrow

Konzert

Wohlfühlmusik: Einaudi im Kuppelsaal:

Ludovico Einaudi ist schutzlos dem gleißenden Deckenscheinwerfer ausgesetzt. Der Italiener sitzt verletzlich mit dem Rücken zum Publikum, es wäre vermutlich eine zu große Ablenkung, blickte er in die Gesichter seiner Fans.

Hannover. Doch er ist nicht allein, sein Ensemble ist fünf Musiker groß. Alles junge Menschen, ihre schwarze Haarpracht steht im Kontrast zur professoralen Frisur des 60-jährigen. 3500 Zuschauer sind in den Kuppelsaal gekommen, sein Zusatztermin ist schon lange ausverkauft. Es erwartet sie ein rein instrumentelles Konzert - keine Ansagen, keinen Stimmen, kein Gesang.

Der kräftige, weiße Verfolger beleuchtet jetzt das düstere Steinway-Piano. Der Flügel ist schon ein Kunstwerk für sich und wirkt in seiner Größe bedrohlich. Doch Einaudis Musik nimmt jede Furcht: Klassik, Pop und Ambient - ein Quintett mit singender Säge, auch auf elektronische Instrumente wird nicht verzichtet. Das Publikum, ein junges und interessiertes, quittiert die ersten Stücke mit bewundernder Ruhe. Noch nicht einmal Husten stört im Erkältungsmonat November.

Zu groß die Sorge, den empfindsamen, so überaus stillen Vortrag zu unterbrechen. Oder schlimmer noch, die Struktur und Architektur von Einaudis Werken ins Wanken zu bringen. In Einaudi weilt der Imperativ „Horch!“, und Zuhören will jetzt gelernt sein. Signore „Zum-Atmen-ist-es-jetzt-zu-leise“, imponiert mit bescheidenden Gesten. Nach 50 Minuten dreht er sich zum ersten Mal um und empfängt enthusiastischen Beifall.

Traurig ist seine Musik nicht, sie pendelt zwischen meditativ und minimalistisch, in entscheidenden Momenten ist sie laut und kräftig. Es bleibt aber stets bei der Mischung aus Klassik und Pop. Mit Arbeiten zu Filmmusiken wie „Ziemlich beste Freunde“ und „Black Swan“, ist der klassisch ausgebildete Komponist und Pianist zum Weltstar aufgestiegen.

Transparente Wohlfühlklänge zu Cello, Geige und E-Gitarre; wenn überhaupt, erinnert Einaudi an den US-Piano-Kollegen George Winston. Eine unaufdringliche Perkussion unterlegt die Melodien mit edlen Takten. Flüchtig flackern Worte auf, doch es ist nur ein Sample, eine digitale Musikinstallation. Fast unendlich und langsam wandert die linke Hand Einaudis über die Klaviatur, bevor sie sich auf die Tasten senkt. Die stehenden Ovationen für neunzig Minuten begeisternde Musik sind ein würdiger Abschluss.

Bewertung: 4/5

VON KAI SCHIERING


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