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Josef Thoraks «Schreitende Pferde».

Josef Thoraks «Schreitende Pferde». © Polizei

Kunst

Wohin mit der Nazi-Kunst aus Bad Dürkheim?

Die Geschichte liest sich wie ein Krimi: Monatelang suchen Kunstfahnder des Berliner Landeskriminalamtes nach Werken von Adolf Hitlers Lieblings-Bildhauern, am Mittwoch schlägt die Polizei dann bundesweit zu.

Berlin/Bad Dürkheim. In Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) stoßen die Ermittler auf den belasteten Schatz: Skulpturen und Marmorfriese, die einst Hitlers Neue Reichskanzlei in Berlin schmückten, sind in einer Lagerhalle unter Planen verstaut. Nach dem Fall Gurlitt mit NS-Raubkunst geht es nun um den Kunstmissbrauch der NS-Machthaber.

Mindestens zwei Jahrzehnte galten diese Stücke von Arno Breker (1900-1991), Josef Thorak (1889-1952) und Fritz Klimsch (1870-1960) als verschwunden. Noch bis zur Wiedervereinigung standen einige der Funde im brandenburgischen Eberswalde. Brekers Figuren gehörten zu einer sowjetischen Kaserne. Sie waren 1943 mit Beginn der alliierten Bombenangriffe auf Berlin nach Wriezen ausgelagert worden, wo Breker sein Atelier hatte.

Zu den jetzt entdeckten Kunstwerken gehören auch Thoraks "Schreitende Pferde", die vor Hitlers Machtzentrale standen und am Donnerstag als erste auf ein Polizeigelände nach Bad Bergzabern in der Südpfalz gebracht wurden. Vor der Lagerhalle hatten sich am Abend Schaulustige versammelt, um den Abtransport der überlebensgroßen Bronzepferde zu beobachten. Unverhüllt und fest verschnürt mit roten Gurten standen die Skulpturen auf einem Tieflader des Technischen Hilfswerks. "Ein echtes Stück Zeitgeschichte", sagte ein älterer Herr, der mit seiner Frau in das Industriegebiet gekommen war.

Löcher an einem Pferdekörper, die wie Einschüsse aussehen, zeugen von der bewegten Vergangenheit der Bronzetiere. Allein eine Stunde hatte es gedauert, die schweren Tiere mit einem Kran auf den Tieflader zu platzieren.

In Berlin gibt die Polizei mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen derweil nur spärlich Informationen heraus. Nicht bestätigen will ein Sprecher etwa einen "Spiegel"-Bericht, wonach in der Nähe von Kiel bei einem Sammler eine der bekanntesten Skulpturen Brekers, "Die Wehrmacht", entdeckt wurde. Die Figur stand zusammen mit der ähnlichen Gestalt "Die Partei" im Ehrenhof der Reichskanzlei.

Auch die Hintergründe des Sensationsfundes liegen im Dunkeln. Laut "Spiegel" sollen Thoraks Pferde für acht Millionen Euro von einem Vermittler angeboten worden sein. Dabei soll der niederländische Kunstdetektiv Arthur Brand als Vertreter eines fiktiven US-Sammlers aufgetreten sein. Ihm seien auch weitere Nazi-Kunstwerke angeboten worden, darunter Brekers 40-Tonnen-Relief "Der Wächter", das ebenfalls in Bad Dürkheim gefunden wurde.

Für die Breker-Figuren dürfte es Interessenten geben. Der Bildhauer habe nach dem Krieg eine Fangemeinde gehabt, aus politischen aber auch aus ästhetischen Gründen, sagt die Berliner Kunsthistorikerin Magdalena Bushart von der Technischen Universität (TU).

Unterdessen ist einer der Beteiligten in die Offensive gegangen. Er habe die Objekte vor mehr als 25 Jahren von der russischen Armee und den früheren Herstellern rechtmäßig erworben, ließ der Mann über seinen Anwalt mitteilen. Als Leihgaben seien sie mehr als 20 Jahre lang bei einer Breker-Ausstellung in Nörvenich bei Köln größtenteils ausgestellt gewesen. Zudem habe er einer Bundeseinrichtung angeboten, Thoraks Pferde als Leihgabe zu überlassen. Sie seien aber nicht angenommen worden. "Mein Mandant ist kein Hehler", sagte der Anwalt. Er sei "Eigentümer" der Gegenstände.

Die Klärung der Besitzverhältnisse dürfte sich hinziehen. Das Bundesvermögensamt hat Hinweise, dass die Werke Bundeseigentum sind. Für Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gehören die Stücke ins Museum. Damit könnte der Umgang des NS-Regimes mit Staatskunst dargestellt werden, erklärte sie in Berlin. "Die Staatskunst war ein bedeutender Teil der Propaganda und wurde von ihr systematisch instrumentalisiert." Für die Kunsthistorikerin Bushard wäre das Deutsche Historische Museum in Berlin ein geeigneter Ort.

dpa


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