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MIT KOPFSCHUTZ: Dieter Wischmeyer hat im Aegi-Theater den Helm auf. Foto: Petrow

MIT KOPFSCHUTZ: Dieter Wischmeyer hat im Aegi-Theater den Helm auf.© Florian Petrow

Comedy

Wischmeyer in seiner Paraderolle im ausverkauften Aegi

Einige Zuschauer kommen aus dem Stadion und haben stolz ihre Siegerschals um den Hals geworfen. Hannover 96 und der Comedian Dietmar Wischmeyer, das sind zwei Themen mit viel Lokalkolorit.

Hannover. Wischmeyers Paraderolle ist die des „Kleinen Tierfreundes“, und jetzt heißt es Silberhochzeit mit der Figur feiern. Denn seine erfolgreichste Rolle gibt es heuer seit 25 Jahren. Zu Tiergeräuschen, allerlei Gedöns und Gebimmel wie dem Singen der Vögel, Pferdegewieher und Grillen-Gezirpe, suchen die letzten Zuschauer, meist die, die noch schnell ihr Bier austrinken mussten, ihre Plätze.

Eine achtköpfige Horn-Bläser-Truppe bläst ein Halali, Wischmeyer latscht in seinem grauen Kleppermantel und mit dem Halbschalenhelm auf die Bühne: „Die Autobahn ist der Lebensraum des Menschen.“ Und „obwohl sie nicht zur Gesamtschule gehen, haben Pflanzen Läuse“. Er murmelt monoton, vorm grauen Schreibtisch steht ein stattliches Hirschgeweih.

Wischmeyer war einer der Frühstyxradio-Pioniere beim Radiosender ffn und glänzt nun im TV als Zwischenrufer der „Heute-Show“. Unregelmäßig ist er zu Gast bei Oliver Welke, seinem Kumpel aus alten Tagen und Macher der Polit-Satire.

Auch deshalb ist das Theater am Aegi mit knapp 1200 Zuschauern prächtig gefüllt. „Jeder Maulwurfshügel steht für eine frisch geschobene Nummer“, verrät er, ohne mit der Wimper zu zucken. Das Publikum kringelt sich, die Stimmung ist ausgelassen, der 59 Jahre alte Satiriker aus Melle ist Kult und ein König des Wortes, ein Sprachtechniker, der sich auch kaum verspricht, selbst wenn es sich bei seinem Konsonanten-Geschwurbel so anhört. Die Fans freuen sich über das „Geschröte“ und die „Zweitakt-Ricke“, also des Mannes Geschlechtsteil und das Knatter-Moped direkt darunter.

„Eine Zeitreise in eine Zeit, die es niemals gab“, verspricht uns der eigentlich schüchterne Wischmeyer, und die wird bitterböse. Mit einer Dia-Show und lauter melancholischen Landschaftsaufnahmen, vorwiegend von einem traurigen Tierfreund mit wehmütigem Blick oder stromlinienförmig an seine Kreidler gekrallt, bebildert er den Klassikerabend.

„Den Müffel trifft man meistens in Dresden zur Montagsdemo in der Fußgängerzone.“ Viel Gelächter - politisch wird er aber eher selten, dann freilich hart und gerecht. Mit Tod und Verderben enden seine Geschichten, die lieben Tiere landen plattgefahren auf dem Asphalt. „Hier kann ich noch was lernen“, freut sich ein Besucher, ein anderer wartet noch auf „die Montezuma-Springmaus“.

Deutschland in Wischmeyers Herbst - und es rieseln die braunen Blätter von der Bühnendecke auf ihn herab, viel freundlicher Beifall.

Bewertung: 3/5

VON KAI SCHIERING


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