Navigation:
HÄTTEN SIE IHN ERKANNT? „Matrix“-Star Hugo Weaving spielt Old Georgie, eine diabolische Figur, im Film „Cloud Atlas“.

HÄTTEN SIE IHN ERKANNT? „Matrix“-Star Hugo Weaving spielt Old Georgie, eine diabolische Figur, im Film „Cloud Atlas“.© X-Verleih

Interview

Wie der Film „Cloud Atlas“ entstand

Jedes Buch kann mit Fantasie Kino werden, meint Tom Tykwer, Ko-Regisseur von „Cloud Atlas“, der nächste Woche anläuft. NP-Mitarbeiterin Claudia Palma sprach mit ihm und Produzent Stefan Arndt.

Jedes Buch kann mit Fantasie Kino werden, meint Tom Tykwer, Ko-Regisseur von „Cloud Atlas“, der nächste Woche anläuft. NP-Mitarbeiterin Claudia Palma sprach mit ihm und Produzent Stefan Arndt.

Herr Tykwer, Herr Arndt, David Mitchells Roman „Cloud Atlas“ galt als unverfilmbar. Er katapultiert den Leser durch Räume, Zeiten und Genres ...

Tom Tykwer:Ach, was heißt schon unverfilmbar! Das ist so ein Marktreflex. Kino kann doch alles! Es gibt kein Buch, das man nicht verfilmen könnte. Man muss dazu eine Fantasie entwickeln.

Sie haben sich also nicht abschrecken lassen und ein Drehbuch entwickelt,zusammen mit den „Matrix“-Machern, den Wachowski-Geschwistern. Wie kam das?

Tykwer: Lana, Andy und ich haben uns ineinander verknallt. Da wir erstaunlich viele Übereinstimmungen in unserer Fantasie und in unseren Interessen am Kino haben, suchten wir immer nach etwas, was zu uns passen könnte.

Die Filme der Wachowskis sind anders als Ihre Filme. Was verbindet Sie?

Tykwer: „Lola rennt“ und „Matrix“ starteten in den USA im gleichen Monat. Beide setzen sehr auf Dynamik und lustvollesErzählen, beide wollenunterhalten, aber auf anspruchsvolle Art. Filme können komplex und gleichzeitig populär sein, das ist eine Einstellung, die uns sehr verbindet.

Wie schreibt man zu dritt ein Drehbuch?

Tykwer: Wir sind nach Costa Rica geflogen, haben ein Haus gemietet und uns eingeschlossen. Zuerst haben wir das Buch in kleine Stücke zerhackt und alle unsere Lieblingsszenen auf Karteikarten geschrieben. Das ganze Haus war dann voller Stapel, durch die wir stapften und versucht haben, Szenen neu zu konstruieren oder Übergänge zu finden. Und plötzlich haben wir gemerkt, wie sich das Buch völlig neu zusammensetzen lässt und eine filmische Erzählform entsteht.

Der Film hat 100 Millionen Dollar gekostet. Wie treibt man denn so eine Summe auf?

Stefan Arndt: Es gab eine große Solidarität in Deutschland, das muss man klar sagen. Das Projekt wurde als eine nationale Aufgabe begriffen, und so sind 20 Millionen Euro, circa 40 Prozent aus privaten Quellen und circa 60 Prozent aus den verschiedensten Fördertöpfen, zusammengekommen. Hinzu kamen Privatinvestoren aus allen möglichen Ländern, filmaffine Menschen, die investiert haben. „Cloud Atlas“ ist deshalb nicht nur Hollywood-, nicht nur deutsches Kino, sondern es ist richtiges Weltkino. Tykwer: Stefan, das klingt jetzt alles so einfach! Dabei war es ein Alptraum!Arndt: Ein Alptraum! Es gibt 178 Finanzierungsverträge. Unser deutscherAnwalt hat mal eines Nachts einen Übersichtsplan gemacht, wer mit wem einen Vertrag macht, und der sah am Ende aus wie der New Yorker U-Bahn-Plan.

Aber es scheint ja am Ende alles gutgegangen zu sein.

Tykwer: Ja, aber alles war total auf Kante. Zum Beispiel sollten die Dreharbeiten beginnen mit Szenen auf einem großen Segelschiff. Dieses Schiff, das an der englischen Küste liegt und nur von Filmteams gebucht wird, musste sich - um pünktlich anzukommen - rund sechs Wochen vor der ersten Klappe auf den Weg nach Mallorca machen, wo wir drehen wollten. Dafür mussten wir aber schon vorher 300000 Dollar überweisen, die wir noch nicht hatten. Da haben wir dann alle privat das letzte Hemd verpfändet.Arndt: Eine Hiobsbotschaft war auch, dass sich Halle Berry, die Hauptdarstellerin, drei Tage vor Drehstart das Bein gebrochen hat. In dem Moment stürzte alles über mir zusammen.Tykwer: ... aber glücklicherweise hatten wir als Erstes die Versicherungen bezahlt, gerade noch fristgerecht, damit war die Versicherungspolice gültig.Arndt: Das hat uns vor der Pleite bewahrt, aber wenn Halle gesagt hätte, sie kann jetzt vier Wochen nicht drehen, wäre der Film tot gewesen.

Aber Berry kam mit Gips?

Tykwer: Genau, nur laufen ging nicht. Also haben wir den Drehplan umgeschrieben, immer mit dem Blick auf ihren Fuß und die Frage „Wie heilt er?“.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was ist Ihre Wunschkoalition für Niedersachsen?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie