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DER ANZUG SITZT: Oliver Welke (links) und Dietmar Wischmeyer singen fast so schön wie die Amigos. © Behrens

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Kabarett

Welke und Wischmeyer im ausverkauften Aegi

Die Farbe passt ja, hier stehen „Die zwei Flamingos“ auf der Bühne, quietschrot: Oliver Welke und Dietmar Wischmeyer sind die „beste Amigos-Coverband“ (Selbstlob) und singen. Das ist nicht wirklich schön, geht aber auch vorbei.

Hannover. Und dann gibt es im zweimal restlos ausverkauften Aegi Kabarett der gehobeneren Sorte. Weil es um die Rentner und ums Älterwerden geht. Darauf verstehen sich die beiden und erzählen vom Treffen mit Groupies in Thrombose-Strümpfen, von grenzdebilen ZDF-Zuschauern (Freigänger der „Körperwelten“), Ü70-Swingerclubs, vom Leben gezeichneten Zeitgenossen („weibliche Gesichtsrosinen“), vom Betasten von Kiwis („Südfrucht-Petting mit Jagdhund-Klöten“) - und immer wieder gibt es die kleinen Schlenker gegen die Amigos (Hundefutter-Models, Zecken-Züchter).

Das Ganze lebt von den meist schlagfertigen Dialogen der beiden, die an zwei Rednerpulten zu beiden Bühnenseiten stehen. Es gibt wenige Videoeinspielungen (einige kennt man aus Oliver Welkes „Heute-Show“). Die sind dann aber so ausnehmend gräulich, dass das Publikum vor Vergnügen quietscht: Wenn Claudia Roth auf Disco macht, fällt der Satz „Solche Bilder dürfen nie wieder von deutschem Boden ausgehen.“

Neben den Rentnern geht es ums Gender-Trara, das ja nun auch vollumfänglich im Schulunterricht vermittelt werden soll. Mathe-Aufgabe: 3 Cross-Dresser, 7,5 Transen und 1 Wowereit fahren mit der Deutschen Bahn von - Achtung! - Bückeburg nach Darmstadt: Wann geht im Bordrestaurant der Prosecco aus?

Das Ganze sieht ein bisschen aus wie damals „Die Doofen“ mit Olli Dietrich und Wigald Boning. Nur mit weniger Musik. Und etwas mehr Politik. Zumindest im zweiten Teil, als Welke-Wischmeyer noch mal richtig aufdrehen. Und sich Politiker und Promis - aktuelle und auch nicht mehr so aktuelle - vornehmen. Die Story, wie Margot Käßmann den Dalai Lama nach Hause fährt mit Gerhard Schröder auf dem Rücksitz, hat schon was („eine Rotweinflasche bis Tibet“). Und wie in jedem guten Konzert gibt es auch hier eine Zugabe, „ostzonisch“, wie man korrekt einen Milchkaffee mit einem italienischen Schnapps bestellt: „Een Gabbuschino un een Grobba.“ Den brauchen wir jetzt auch.

Bewertung: 4/5


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