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Cooler Typ: Daniel Craig (l.) mit Bondgirl Monica Bellucci bei der «Spectre»-Premiere in Rom.

Cooler Typ: Daniel Craig (l.) mit Bondgirl Monica Bellucci bei der «Spectre»-Premiere in Rom. © Angelo Carconi

Film

Warum der Macho Bond von Fans geliebt wird

Aufgeregte Fans, cooler Star - in Berlin wird die Deutschlandpremiere des neuen Bond-Films "Spectre" gefeiert. Doch warum begeistert der Macho eigentlich auch heute noch die Massen? Und wie erklärt seine deutsche Stimme den Hype?

Berlin. Ein Selfie mit Bond-Darsteller Daniel Craig? Dafür ist Andreas Pott eher nicht der Typ. "Ich bin kein Groupie, dass ich mich da irgendwie vordränge", sagt er.

Trotzdem gehört der 51-Jährige aus Bobenheim am Berg in Rheinland-Pfalz zu den glühendsten deutschen Verehrern von Agent 007. Und als Präsident des James Bond Club Deutschland e.V. wollte er am Mittwochabend natürlich auch bei der Deutschlandpremiere von "Spectre" in Berlin dabei sein.

Aber warum fasziniert der Macho James Bond eigentlich auch 53 Jahre nach seinem ersten Leinwand-Auftritt noch die Zuschauer weltweit? "Understatement, Coolness und Gelassenheit" - diese Eigenschaften bewundere er an Bond, sagt Pott, der im Leben jenseits des Fanclubs als Jurist arbeitet. Und: "Die Standardantwort lautet: Jeder Mann möchte James Bond sein. Und jede Frau möchte James Bond an ihrer Seite wissen", so Pott.

Dabei hat der Mann mit der Lizenz zum Töten durchaus eine Entwicklung durchgemacht. "Bond hat über 50 Jahre den Zeitgeist immer mitgenommen und das Publikum angesprochen - in den 60er Jahren mit einem coolen, stilsicheren Auftreten, in den 70er und 80er Jahren mit einem eher poppigen, lustigen Auftreten, und jetzt in den aktuellen Filmen mit Daniel Craig gibt es bei aller Action eine ernstere Anlage der Rolle, die sich auch mit dem Menschen Bond beschäftigt und seine Psyche auslotet", erklärt Pott den Hype.

"Die Sehnsucht nach einem Helden, der die Welt rettet, ist uralt", sagt der 49-jährige Dietmar Wunder, der seit "Casino Royale" die deutsche Stimme von Bond ist, und erinnert an die griechischen Sagen und deutschen Märchen. "Bei James Bond ist es so, dass es eine Figur ist, die sich unheimlich galant und elegant in der Welt bewegt, und trotzdem rettet er noch die Welt vor dem Bösen." Sehr gut finde er es, dass die Zuschauer in den jüngsten Filme mehr über Bonds privates Vorleben erfahren. "Ian Fleming hat genau so einen Charakter beschrieben: Einen, der ein Geheimagent ist und ein knallharter Killer sein kann, aber auch in sich gebrochen ist und eine sehr tragische Vergangenheit hat."

90 Prozent der Mitglieder in seinem Fanclub seien Männer, sagt Club-Präsident Pott. "Es ist nicht die Action, sondern die Vertrautheit mit klassischen, traditionellen Geschlechterverhältnissen", erklärt Soziologin Nina Degele von der

 

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg den anhaltenden Erfolg der Filme mit dem Macho-Mann. "Da ist die Welt noch in Ordnung. Für Männer eine Traumwelt, in der die Verhältnisse klar sind - und im Endeffekt auch für diejenigen Frauen, die sich damit gut arrangieren können."

Dass Bond, seit er von Craig gespielt wird, auch Gefühle zeigen darf, das birgt nach Ansicht von Degele aber Potential. "Die Filmemacher könnten es sich leisten, auch einen schwarzen oder schwulen James Bond auftreten zu lassen", sagt sie über die Zeit, wenn Craig einmal nicht mehr Bond ist. "Als Experiment würde es wahrscheinlich auch gut laufen. Und dann müsste man schauen, ob es den Effekt hat: Alle wollen es sich mal angucken, um zu wissen: Ne, so funktioniert James Bond nicht. Oder ob sich die Zuschauer auf etwas Neues einlassen."

Und wird es noch einen weiteren Bond mit Craig in der Titelrolle geben, der sich dazu zuletzt eher uneindeutig äußerte? "Ich sage: Er macht noch einen", meint Bond-Experte Pott. "Das dauert ja immer zwei bis drei Jahre, bis dann ein neuer kommt. Dann wäre Craig 50 Jahre alt, wenn der Film in die Kinos käme. Das ist heute auch ein Alter, in dem man als James Bond dann eher abtritt. Roger Moore hat das noch mit 57 gemacht. Aber das nimmt heute, glaube ich, keiner mehr jemandem ab."

dpa


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