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Miguel de Cervantes gibt auch heute noch Rätsel auf. (zeitgenössische Darstellung) Foto:

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Literatur

Vor 400 Jahren starb Miguel de Cervantes

Der Roman "Don Quijote" machte ihn weltberühmt. Miguel de Cervantes gilt heute als der bedeutendste Schriftsteller in der Geschichte der spanischsprachigen Literatur. Er hatte ein bewegtes Leben und starb vor 400 Jahren.

Madrid (dpa) – Die Welt hat das literarische Meisterwerk des "Don Quijote" im Grunde einem doppelten Rückschlag zu verdanken, den der Autor erleiden musste. Miguel de Cervantes, der am Freitag (22. April) vor 400 Jahren starb, wollte eigentlich als Verfasser von Theaterstücken und nicht als Romanschriftsteller berühmt werden.

Als Theaterautor zog der Spanier jedoch gegen seinen Zeitgenossen Lope de Vega (1562 - 1635) den Kürzeren, dessen Stücke als moderner galten und beim Madrider Publikum besser ankamen.

Ein anderer Traum ging ebenfalls nicht in Erfüllung: Cervantes wollte nach Lateinamerika umsiedeln und hatte sich Ende es 16. Jahrhunderts für eine Beamtenstelle in einer der spanischen Kolonien beworben. Das Gesuch wurde jedoch abgelehnt. In Lateinamerika hätte der Autor das Buch über die Abenteuer des "Ritters von der traurigen Gestalt" und dessen Knappen Sancho Panza wohl nie geschrieben.

Der "Don Quijote" erwies sich nach seiner Veröffentlichung 1605 rasch als ein Bestseller. Er wurde bald ins Englische und Französische übersetzt und war so populär, dass sogar von einem anderen Autor die Version einer Fortsetzung auftauchte. Cervantes sah sich dadurch ermutigt, kurz vor seinem Tod noch einen zweiten Teil zu schreiben. Die zwei Bände gelten als Meisterwerke der spanischen Literatur. Sie brachten dem Autor den Ruf ein, der Schöpfer des modernen Romans zu sein.

Zahllose Literaturwissenschaftler haben das Leben und das Werk von Cervantes erforscht, aber über den Schriftsteller weiß man ziemlich wenig. Es ist nicht einmal bekannt, wie er aussah, denn es ist kein Bildnis überliefert, das von ihm zu Lebzeiten gemalt wurde. Bei späteren Porträts stützten die Maler sich häufig auf die Beschreibung, die Cervantes im Vorwort seiner "Exemplarischen Novellen" von sich selbst gegeben hatte. "Cervantes ist ein Genie ohne Gesicht", konstatierte die Zeitung "ABC".

"Wir kennen einige Stationen seines Lebens, aber von seinem Alltag, seinem Privat- und Familienleben wissen wir kaum etwas", berichtete der Cervantes-Experte Francisco Rico der Deutschen Presse-Agentur. Das "Don Quijote"-Werk lasse aber Rückschlüsse zu. "Cervantes liebte die Ironie, er interessierte sich für das Geschehen in der Welt, stand diesem aber gleichzeitig fremd gegenüber", meinte das Mitglied der Königlichen Akademie (RAE).

Cervantes führte ein abenteuerliches Leben und fand erst spät zur Literatur. Er wurde 1547 in Alcalá de Henares östlich von Madrid als Sohn eines verarmten Chirurgen geboren. Aufgrund ständiger Geldnöte zog die Familie von einer Stadt in die andere. Mit 22 Jahren siedelte Cervantes nach Rom um, möglicherweise weil ihm in Spanien nach einem Duell Ärger mit der Justiz drohte.

Er diente er einem Kardinal und heuerte in Neapel bei einer dort stationierten Einheit der spanischen Marine an. Als Soldat nahm er 1571 an der Seeschlacht von Lepanto teil, die sich ein Verband christlicher Mächte mit der Flotte des Osmanischen Reiches vor den Küsten des heutigen Griechenlands lieferte. Obwohl Cervantes drei Schussverletzungen erlitt, blieb er bei der Marine.

Auf der Überfahrt zurück nach Spanien wurden Cervantes und sein Bruder Rodrigo von Piraten gekidnappt und nach Nordafrika verschleppt. Nach fünf Jahren in Gefangenschaft und vier gescheiterten Fluchtversuchen wurden sie freigekauft. Miguel de Cervantes versuchte sich nach seiner Rückkehr in die Heimat als Autor von Theaterstücken und arbeitete im Staatsdienst als Lieferant der Armee sowie als Steuereintreiber. Wegen des Vorwurfs der Unterschlagung saß er einige Zeit im Gefängnis. In der Haft soll er nach unbestätigten Berichten die Arbeit an seinem Hauptwerk "Don Quijote" begonnen haben.

Das Werk war ursprünglich als eine Satire auf die - von Cervantes verachteten - Ritterromane konzipiert. Aber es geriet zu einer Abhandlung über das Menschenbild des Autors und zu einem Porträt der damaligen spanischen Gesellschaft. Die zahlreichen Dialoge lassen Cervantes' Vorliebe für das Theater erkennen. Trotz des Erfolgs verhalf das Werk dem Autor nicht zu Reichtum, aber es ließ ihn zum bedeutendsten Schriftsteller der spanischen Literaturgeschichte werden. Das Spanische wird heute zuweilen noch als "Sprache des Cervantes" bezeichnet.

Der Literat starb 1616 an den Folgen einer Diabetes. Der zweite Teil des "Don Quijote" erschien ein Jahr vor seinem Tod. Darüber hinaus arbeitete Cervantes bis an sein Lebensende an dem posthum veröffentlichten Roman "Persilus und Sigismunda".

Aus Anlass seines 400. Todestages gibt es in Spanien eine Serie von Ausstellungen, Theateraufführungen, Kongressen und Kinovorstellungen. Die spanische Regierung musste sich jedoch vorhalten lassen, sich um die Planung der Feierlichkeiten zu wenig gekümmert zu haben. "Großbritannien feiert mit Engagement den 400. Todestag von William Shakespeare, in Spanien herrscht dagegen Desinteresse", beklagte der Erfolgsautor Javier Marías ("Mein Herz so weiß") in einer Kolumne der Zeitung "El País". "Bei uns Spaniern herrscht die Einstellung, dass die Toten uns nichts angehen. Sie haben keine Macht und keinen Einfluss und können uns daher keinen Nutzen bringen."

Dieses Desinteresse zeigte sich auch daran, dass sich lange Zeit niemand darum geschert hatte, wo sich überhaupt die Grabstätte von Cervantes befindet. Erst vor kurzem entdeckten Wissenschaftler in einem Madrider Kloster die Stelle, an der die sterblichen Überreste des Literaten begraben sein könnten.

dpa


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