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Hannover, 07.09.2016: Axel Rudi Pell im Capitol. Foto: Philipp von Ditfurth

© Philipp von Ditfurth

Konzertkritik

Volles Rohr Hardrock mit Axel Rudi Pell

Das Gewitter-Intro, der mit Polizei-Sirenen unterlegte Opener - keine Frage, wir sind bei einem Metal-Konzert. Der gute Sound ist laut, hart und ehrlich - Axel Rudi Pell spielt im Capitol.

Hannover. 56 Jahre alt ist er inzwischen, blond, die Mähne ist flott toupiert, der Mann ist gut an der Klampfe. Pell macht ein Gesicht, zwischen baffem Erstaunen und meditativem „Om“, wie Gitarren-Helden halt so schauen, besonders wenn sie Ritchie Blackmore verehren.

Pell ist inzwischen ein Rock-Opi, und dass seine Musik mal modern war, ist lange her. Gut ist sie dennochSchon nach eineinhalb Songs startet das erste ausschweifende Gitarren-Solo. Auf seiner weißen Stratocaster, Yeah! Und gleich danach folgt auch der erste „Hey-hey-hey“-Mitsing-Part mit dem Publikum.

Gut 500 Fans jenes guten Old-School-Metals sind ins Capitol gekommen. Wirklich junge Metal-Fans sucht man vergeblich, Frauen sind auch in der Unterzahl. Trotzdem heißt der nächste Song „Nasty Reputation“, und dann, endlich, wiegt sich das Publikum zum Halftime-Beat.

Pell trägt einen Spitzbart und ein buntes Hemd, ist das noch Paisley oder schon Leopard? Bobby Rondinelli ist seit 2013 der perfekte Drummer für ihn. Er wirbelt und tuckert auf seinen Fellen, er könnte genauso gut bei den Scorpions spielen und hat es immerhin schon zu Rainbow, Black Sabbath und Blue Öyster Cult geschafft.

Das Hendrix-Wah-Wah beim „All Along The Watchtower“-Ausflug sorgt für Gänsehaut im Publikum. Ferdy Doernberg aus Hannover ist derweil mit seinem Keyboard verschmolzen. Er schaut beim Spielen kaum auf seine Tasten und ruckelt an der Orgel wie einst Jon Lord. Pell ist ebenso sicher auf seiner Gitarre, und er wechselt sie nicht aus während des Konzerts. Das ist angenehm, so wie die Stimme vom sympathischen Sänger Johnny Gioeli.

Der singt ähnlich wie Ronnie James Dio und sieht mit den kurzen Haaren aus wie ein Casting-Star. Mitklatsch-Refrains laufen im 4/4-Takt, die Power-Ballade „Lost In Love“ ist stürmisch, das „Stairway to Heaven“-Zitat ist lustig, genauso wie der deutsche Marsch.

Bei den Songs stimmt alles, ausgewogen, wenn auch vorhersehbar - „Game Of Sins“ ist der Titelsong des neuen, 16. (!) Studioalbums. Die Band liebt ihren Metal, und die Fans lieben ihre Band. Rondinelli beeindruckt mit einem kurzen aber guten Schlagzeug-Solo, während Pell auch mal die Bühnenseite wechselt, er bespielt alle Fans. Das Gesangs-Solo von Johnny Gioeli zeigt dessen ganze Stärke, der Mann ist echt gut, und er präsentiert noch „the Bassman formerly known as Gerhard Schröder!“ Der heißt eigentlich Volker Krawczak, doch Spaß und gute musikalische Unterhaltung kommen hier nicht zu kurz. Volles Rohr! 


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